Kardinal Parolin bei seinem Besuch in Mosambik Kardinal Parolin bei seinem Besuch in Mosambik 

Mosambik: Parolin warnt vor „vergessenem Konflikt“

Nach seiner Rückkehr aus Mosambik zieht Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin eine erschütternde Bilanz. Im Interview mit den Vatikanmedien berichtet er von seinem Besuch in der Krisenregion Cabo Delgado, wo hunderttausende Menschen vor jihadistischer Gewalt auf der Flucht sind.

Andrea Tornielli - Vatikanstadt

Die Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks droht laut Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in die Kategorie der „vergessenen Konflikte“ abzugleiten. Der Kardinal, der das Land vom 5. bis 10. Dezember besuchte, richtete nach seiner Rückkehr an diesem Montag einen eindringlichen Appell an die Weltöffentlichkeit, die Augen vor der humanitären Katastrophe am Indischen Ozean nicht zu verschließen.

Begegnung mit dem Leid der Vertriebenen

Anlass der Reise war unter anderem der 30. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Mosambik sowie der nationale Jugendtag. Doch der emotional schwierigste Teil der Reise war der Besuch in Cabo Delgado. „Ich wollte die Nähe der Weltkirche und des Heiligen Vaters zur Bevölkerung zum Ausdruck bringen, die unter dem jihadistischen Terrorismus leidet“, so Parolin.

Am 9. Dezember besuchte der Kardinal das Flüchtlingslager Naminawe, in dem rund 9.200 Menschen unter prekärsten Bedingungen leben – darunter fast 3.700 Kinder. „Es fehlt an Nahrung, Medikamenten und sogar an Trinkwasser“, berichtete Parolin sichtlich betroffen. Zudem habe der Zyklon Chido im vergangenen Jahr die provisorischen Unterkünfte schwer beschädigt. Besonders die Perspektivlosigkeit der Jugend nannte er ein „Gefängnis unter freiem Himmel“.

Kardinal Parolin zu Besuch in Mosambik
Kardinal Parolin zu Besuch in Mosambik

Die Wurzeln der Gewalt

Der Konflikt, der 2017 begann und sich seit 2023 verschärft hat, wird von der Gruppe Ahlu Sunna Wa Jama (ASWJ) getragen, die dem Islamischen Staat nahesteht. Parolin wies darauf hin, dass die Terroristen die Armut, die hohe Arbeitslosigkeit und den Unmut über die Ausbeutung lokaler Ressourcen ausnutzen, um junge Menschen zu radikalisieren.

„Obwohl die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung vor Ort die Instrumentalisierung der Religion ablehnt, beobachten wir eine zunehmende Radikalisierung in den Moscheen“, erklärte der Kardinal. Die Gewalt ist brutal: Berichte über Enthauptungen von Christen und moderaten Muslimen sind an der Tagesordnung. Dennoch gebe es Zeichen der Hoffnung: Katholische Priester blieben als „vertriebene Hirten“ bei ihrer Herde, und religiöse Gemeinschaften hielten ihre Türen trotz der unsicheren Lage weit offen.

Kardinal Parolin zu Besuch in Mosambik
Kardinal Parolin zu Besuch in Mosambik

Ein Appell zu Weihnachten

Kardinal Parolin forderte die internationale Gemeinschaft auf, Mosambik nicht im Stich zu lassen. Zwar hätten Militärmissionen aus Ruanda und dem südlichen Afrika (SADC) eine gewisse Sicherheit in Städten wie Pemba und Palma wiederhergestellt, doch die humanitäre Lage bleibe katastrophal.

„Als Christen verfügen wir über die ‚Waffen‘ des Gebets und der geschwisterlichen Nächstenliebe“, schloss Parolin. Die Unterstützung der Vertriebenen von Cabo Delgado sei eine konkrete Möglichkeit, „Weihnachten gut zu leben“. Er hoffe, dass seine Worte dazu beitragen, das weltweite Interesse an diesem Konflikt wieder zu wecken.

(vatican news - mg)

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23. Dezember 2025, 14:30