Zum Heilig-Jahr-Ende: Hoffnung bleibt Auftrag
Anne Preckel – Vatikanstadt
Am Heiligen Abend 2024 eröffnete Papst Franziskus das Heilige Jahr unter dem Motto „Pilger der Hoffnung“ und stieß die Heilige Pforte am Petersdom auf. Es war der Auftakt für ein Jubeljahr, das Konflikt und Ungerechtigkeit, Spaltung und Entmutigung in der Welt eine kraftvolle Botschaft der Hoffnung in allen Lebensbereichen entgegensetzen sollte.
Alle hoffen
„Alle hoffen. Im Herzen eines jeden Menschen lebt die Hoffnung als Wunsch und Erwartung des Guten, auch wenn er nicht weiß, was das Morgen bringen wird“, erinnerte Papst Franziskus in der Verkündigungsbulle „Spes non confundit“ zum Heiligen Jahr. Ihr Titel bezog sich auf ein Zitat aus dem Römerbrief: „die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen“ (vgl. Röm 5,5). „Möge das Heilige Jahr für alle eine Gelegenheit sein, die Hoffnung wieder aufleben zu lassen“, formulierte Franziskus. „Das Wort Gottes hilft uns, Gründe dafür zu finden.“
In der Bulle mahnte der Papst Frieden, einen Schuldenerlass für arme Länder, eine Kultur des Lebens, Solidarität mit Migranten und mit Menschen am Rande an. In 25 Abschnitten waren dort Bitten, Impulse und konkrete Appelle rund um das Thema Hoffnung formuliert. Franziskus richtete den Blick auf Kranke und Migranten, Alte und Junge, Häftlinge und Menschen in Situationen des Krieges und Leids und wandte sich mit konkreten Aufrufen an Verantwortlichen der Staaten und Politik.
Heilige Pforte im Gefängnis
Am Gedenktag der heiligen Märtyrers Stephanus öffnete Leos Vorgänger eine Heilige Pforte in einem Gefängnis – zum ersten Mal in der jahrhundertelangen Geschichte der regulären Heiligen Jahre – und setzte mit dieser ersten Geste seinen Appell selbst in die Tat um. „Die wichtigste Tür ist die des Herzens. Geschlossene Herzen machen uns hart wie Stein“, erinnerte er die Insassen der römischen Haftanstalt Rebibbia und wandte sich von dort aus an die Welt.
Nach der Pforte am Petersdom war die in Rebibbia die einzige Heilige Pforte in Rom, die der Papst selbst öffnete. Den Ritus an den übrigen Papstbasiliken überließ er den anderen geistlichen Zuständigen. Die Pforte der Lateranbasilika wurde am 29. Dezember 2024 geöffnet, die von Santa Maria Maggiore am 1. Januar 2025 und die von Sankt Paul vor den Mauern am 5. Januar 2025.
Der Papst verfügte in der Verkündigungsbulle, dass die Diözesanbischöfe am 29. Dezember 2024 die Eröffnung des Heiligen Jahres in den Ortskirchen feiern sollten - nach dem Ritual, das für diesen Anlass vorbereitet wurde. Die Bischöfe bestimmten Kirchen und Kapellen in ihren Diözesen, in denen Gläubige ebenso wie die Pilger, die nach Rom reisten, Ablässe im Heiligen Jahr empfangen konnten.
Ablass und Gebet
Wer im Zeitraum des Heiligen Jahres nach Rom pilgerte und dort oder anderswo eine Heilige Pforte durchschritt, konnte, im Verbund mit Gebet, Komunion und Beichte, einen Nachlass zeitlicher Sündenstrafen empfangen.
Weltweit fanden im Heiligen Jahr besondere Gebete und Glaubensinitiativen statt, im Vatikan gab es in dieser Zeit Sonderjubiläen mit verschiedenen Gruppen und ein reiches geistliches und kulturelles Programm. Nach Papst Franziskus‘ Tod führte sein Nachfolger Papst Leo XIV. die Audienzen und Treffen durch.
Ein Jahr später markiert nun der 28. Dezember 2025 das Ende des Heiligen Jahres in den Teilkirchen weltweit. In Rom geht es mit der Schließung der letzten Heiligen Pforte am Petersdom durch Papst Leo am 6. Januar 2026, dem Hochfest der Erscheinung des Herrn, feierlich zu Ende. Mehr als 32 Millionen Pilger und Touristen waren anlässlich des Heiligen Jahres der Hoffnung in der Ewigen Stadt, das von Papst Franziskus begonnen und von Papst Leo beendet wird.
Hoffnung wirkt weiter
Zum Abschluss des Heiligen Jahres richtet sich der Blick der Kirche nun auf die Zeit danach. Das „Herz des Auferstandenen“ sei „eine unerschöpfliche Quelle neuen Lebens“, erinnerte Kardinal Rolanda Makrickas, Erzpriester der Marienkirche Santa Maria Maggiore, am vergangenen Freitag (26. Dezember 2025) bei Schließung der dortigen Heiligen Pforte. Auch wenn die Heilige Pforte sich nun schließe, bleibe dieses Herz mit seiner Lebensquelle für die, die darauf hofften, „stets offen“, machte er Mut.
„Wir müssen Missionare der Verklärung aller sozialen und existenziellen Orte sein“, forderte Kardinalvikar Baldo Reina am Samstag bei Schließung der Heilige Pforte im Lateran (27. Dezember 2025). Auch wenn die Pforte nun physisch geschlossen sei, trete der auferstandene Herr weiterhin durch verschlossene Türen, so Reina, der auf wirtschaftliche und existenzielle Nöte der Menschen verwies, die es zu lindern gelte.
An diesem Sonntag (28. Dezember 2025) schloss Kardinal Harvey, der Erzpriester von Sankt Paul vor den Mauern, die dortige Heilige Pforte und bekräftigte die Bedeutung christlicher Hoffnung inmitten einer Welt, die von Kriegen, Krisen, Ungerechtigkeit und Verzweiflung geprägt sei.
In der Geschichte haben die Heiligen Jahre diese christliche Hoffnung genährt. Auch das Heilige Jahr 2025 mit dem Motto „Pilger der Hoffnung“ knüpfte daran an. Papst Franziskus hatte 2016 bereits ein außerordentliches „Heiliges Jahr der Barmherzigkeit“ (8. Dezember 2015 bis 20. November 2016) durchführen lassen. Das erste Jubeljahr wurde 1300 von Papst Bonifatius VIII. (1294-1303) ausgerufen.
(vatican news – pr)
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