Suche

Seck Baye Fall hilft auf Lampedusa ankommenden Flüchtlingen Seck Baye Fall hilft auf Lampedusa ankommenden Flüchtlingen 

Lampedusa: Die Geschichte von Seck – vom Schlepper zum Kulturvermittler

Am Molo Madonnina auf Lampedusa kommen weiterhin Boote mit Migranten an. Seck Baye Fall aus Senegal kennt diesen Weg aus eigener Erfahrung: Libyen, Haft, die Überfahrt nach Italien – und später eine Verurteilung wegen des Vorwurfs der Schleuserei. Heute hilft er anderen Migranten am Kai von Lampedusa. Seine Geschichte erzählt von Flucht, Verantwortung und einem schwierigen Neubeginn – vor dem Besuch von Papst Leo XIV. auf der Insel.

Gabriella Ceraso und Franco Piroli - Vatikanstadt

Die Geschichte von Seck Baye Fall – so möchte er genannt werden – ist die Geschichte vieler junger Senegalesen, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Dann wird sie zu seiner eigenen: zur Geschichte eines jungen Mannes, der in Italien Vater geworden ist, entschlossen, anderen zu helfen, und bereit, sobald wie möglich nach Hause zurückzukehren – in sein Afrika.

Wir treffen ihn auf Lampedusa am Molo Madonnina, gegenüber dem bekannteren Molo Favaloro. Dort hat gerade ein Boot mit rund neunzig Migrantinnen und Migranten angelegt, die von einer Nichtregierungsorganisation in Sicherheit gebracht worden sind.

„Es war allein Gott, der mich nach Lampedusa hat gelangen lassen. Das darf nicht der Weg sein“

Der junge Senegalese, der heute als Kulturvermittler arbeitet, spricht mehrere afrikanische Dialekte und bietet den Ankommenden Erstversorgung sowie sprachliche Orientierung. Seine eigene Biografie spiegelt die Erfahrungen wider, die viele der Geflüchteten teilen.

Der Weg des gelernten Fischers begann im September 2014 im Senegal. Der Zusammenbruch der lokalen Fischereiindustrie, bedingt durch Verträge der Regierung und die Präsenz ausländischer Trawler in den Küstengewässern, entzog vielen Familien die Lebensgrundlage. Ohne Bildungs- oder Beschäftigungsalternativen verbleibe laut Seck oft nur die Flucht über den Landweg nach Mali, Niger und Libyen oder über den Atlantik Richtung Kanarische Inseln. Er selbst betont:

„Ich habe es getan, aber es war allein Gott, der mich nach Lampedusa hat gelangen lassen. Das darf nicht der Weg sein.“

Kontakt zu drei Weggefährten verloren

Während des zweijährigen Aufenthalts in Libyen war Seck in dortigen Gefängnissen interniert, wobei er den Kontakt zu seinen drei Weggefährten verlor. Die Überfahrt nach Italien erfolgte in der Rolle des sogenannten Bootsführers oder „Drivers“. Seck differenziert hierbei bezüglich der rechtlichen Verantwortung:

„Im Gefängnis in Libyen habe ich sehr, sehr gelitten. Ein Kapitän zu sein, bedeutet in meiner Heimat, eine Arbeitsgruppe zu leiten und handwerkliche Boote zu führen, nicht jedoch, die Verantwortung für Schiffbrüche oder die Organisation des Menschenhandels zu tragen. Die Drahtzieher, welche das Geld einziehen, sind andere Personen.“

Seck im Einsatz am Kai von Lampedusa
Seck im Einsatz am Kai von Lampedusa

Dreijährige Haftstrafe in Palermo verbüßt

Nach der Ankunft in Italien im Jahr 2014 verbüßte Seck eine dreijährige Haftstrafe in Palermo wegen des Vorwurfs der Schleuserei. Nach seiner Entlassung im Jahr 2016 schloss er sich sozialen Netzwerken an, die Unterstützung für obdachlose und inhaftierte Migranten organisieren. Er begründet sein Engagement mit den Worten:

„Ich fühle mich als Migrant und möchte meinen Beitrag leisten, damit anderen nicht passiert, was mir widerfahren ist.“

Ankunft von Migranten am Molo Madonnina – Lampedusa
Ankunft von Migranten am Molo Madonnina – Lampedusa

In Palermo übernimmt Seck verschiedene Aufgaben, darunter die Essensverteilung während des Ramadans, Gefängnisbesuche und die Kontaktherstellung zwischen Migranten und deren Familien im Senegal. Er warnt zudem junge Menschen in Afrika vor einer verzerrten medialen Darstellung des Lebens in Europa. Die Realität für viele Ankommende bestehe aus Schwarzarbeit in der Landwirtschaft, Reinigung oder Gastronomie sowie dem Leben am Rande der Legalität.

Obwohl Seck mittlerweile verheiratet ist und eine Familie gegründet hat, bleibt sein langfristiges Ziel die Rückkehr in sein Herkunftsland. Das Meer sei nicht die richtige Lösung, und Europa präsentiere sich zunehmend verschlossen. Seine persönliche Bilanz lautet:

„Ich habe gelitten, um anzukommen, ich habe gelitten, als ich angekommen bin. Und mein Wunsch bleibt es, nach Hause zurückzukehren.“

(vatican news - mg)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

02. Juli 2026, 10:55