Suche

Leo auf Lampedusa: „Taten brauchen ein Herz, der Papst steht euch bei“

Seine Nähe zu Migranten, Helfenden und lokalen Behörden am Migranten-Hotspot Lampedusa hat Papst Leo an diesem Samstag bei einem Besuch der Mittelmeerinsel bekräftigt. „Heute bin ich hier, um Ihnen zu sagen: Der Papst begleitet euch auch weiter, er steht euch bei und macht euch Mut.“

Papst Leos Vorgänger Franziskus war 2013 nach Lampedusa geflogen, um dort an verstorbene Migranten zu erinnern und an das Gewissen Europas zu appellieren. Es war eine seiner ersten Amtshandlungen als Papst. Damals prägte Franziskus auch den Begriff der „Globalisierung der Gleichgültigkeit" - eine Formulierung, die seine gut zwölfjährige Amtszeit prägen sollte. 

Taten brauchen ein Herz

Auch Papst Leo besucht die Mittelmeerinsel in einer frühen Phase seines Pontifikates. Er sei „nicht gekommen, um Reden zu halten, sondern um die Eucharistie zu feiern“, bekräftigte Leo XIV. bei seinem Besuch der Insel an diesem Samstag. „Die Geste Jesu, das Brot zu brechen und sich selbst hinzugeben, verleiht auch unseren täglichen Gesten der Hilfe und des Teilens Sinn und Kraft.“

Lampedusa sei „ein Ort, an dem mehr als Worte die Taten sprechen. Doch damit Taten auch wirklich menschlich sind, brauchen sie ein Herz“, unterstrich der Papst vor dem Bürgermeister der Insel, Filippo Mannino, am „Arena“-Sportplatz von Salina.

Das katholische Kirchenoberhaupt am Morgen beim Inselfriedhof
Das katholische Kirchenoberhaupt am Morgen beim Inselfriedhof   (@Vatican Media)
Hier zum Nachhören

Besuch am Friedhof und Mahnmal

Direkt nach seiner Ankunft auf Lampedusa hatte Papst Leo einen Friedhof auf der Insel mit Gräbern von Migranten besucht. Dort legte er einen Kranz nieder. Am Mahnmal „Porta d’Europa“, einem rund fünf Meter hoher Torbogen, gedachte er der vielen Menschen, die beim Versuch, das Mittelmeer Richtung Europa zu überqueren, ihr Leben ließen.

„Vor zehn Jahren hat meine Geschichte hier in Lampedusa begonnen. Ich war allein und hatte alles verloren - besonders meine Mama.“

Leo XIV. traf dort mit mehreren Migranten zusammen, darunter einen zehnjährigen Migrantenjungen, der einen kurzen Text vortrug. Darin berichtete er dem Papst von seinen Erfahrungen als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling. Als er als Kleinkind ohne Mutter nach Lampedusa gekommen sei, habe er nur geweint. Erst als einen Papierball bekommen habe, habe er zu weinen aufgehört, so der Junge, und immer weiter gespielt. „Ich hoffe so sehr, dass dieser Ball, den ich dir jetzt schenke, ein anderes Kind erreicht und es genauso glücklich macht wie mich", wandte sich das Kind an Leo XIV.

Papst Leo grüßt einen Vater und ein Migrantenkind
Papst Leo grüßt einen Vater und ein Migrantenkind   (@Vatican Media)

Papst Leo am Hafen

Am Hafenpier, dem „Molo Favaloro“, an dem sein Vorgänger Papst Franziskus eindringlich an die Würde der Migranten erinnerte und einen Blumengruß im Wasser hinterließ, richtete Papst Leo einige Worte an weitere Migranten und segnete eine Gedenktafel am Landungssteg, mit der der Pier nach Papst Franziskus umbenannt wurde. Die Tafel wurde auf einer wellenförmigen Kalksteinsäule angebracht.  

„Der Papst begleitet Sie auch weiter, er steht Ihnen bei und macht Ihnen Mut.“

„Dass Sie den Landungssteg ,Molo Favorolo‘ nach Papst Franziskus benannt haben, ist ein Zeichen der tiefen Verbundenheit, die mein Vorgänger mit Ihrer Gemeinschaft und mit unseren Brüdern und Schwestern, die als Migranten hierherkommen, aufgebaut hat“, so Papst Leo vor Migranten, Helfenden und lokalen Behörden. Und er bekräftigte:

„Der Papst ist Ihnen in dieser für Sie so herausfordernden Zeit stets zur Seite gestanden. Und heute bin ich hier, um Ihnen zu sagen: Der Papst begleitet Sie auch weiter, er steht Ihnen bei und macht Ihnen Mut.“

Bürgermeister: Zuflucht, Schmerz, Erinnerung 

Der Bürgermeister von Lampedusa, Filippo Mannino, erinnerte in seinem Grußwort an die Bedeutung Lampedusas für die Welt:

„Lampedusa ist ein kleines Stück Land mitten im Meer, doch seit vielen Jahren trägt es große Fragen, tiefe Wunden und freudige Hoffnungen auf seinen Schultern, die der ganzen Welt gehören. Hier ist das Mittelmeer nicht nur Horizont, Schönheit und Leben. Es ist auch Warten, Zuflucht, Schmerz und Erinnerung. Es ist der Ort, an dem so viele Menschen Rettung, Würde und Zukunft gesucht haben. Einige haben eine neue Perspektive gefunden, andere sind nie angekommen: Wir alle tragen sie in unserem Herzen. Unsere Gemeinschaft kennt den Wert und die Last dieser Geschichte.“

„Hier ist das Mittelmeer nicht nur Horizont, Schönheit und Leben. Es ist auch Warten, Zuflucht, Schmerz und Erinnerung.“

Lampedusa, ein Leuchtturm

Dass der Papst herkomme, sei „ein Geschenk“, bringe aber auch eine Verantwortung mit sich, so Mannino in seinem Grußwort. Er wolle dem Papst symbolisch das „Licht“ von Lampedusa überreichen, so der Bürgermeister, der Lampedusa als „Leuchtturm“ der Hoffnung und „Zeichen des Friedens im Herzen des Mittelmeers, das zu den Menschen aus allen Teilen der Welt spricht“, beschrieb.

„Der Leuchtturm macht keinen Lärm. Er urteilt nicht. Er wählt nicht aus, wen er beleuchtet. Er bleibt in der Nacht an, weist einen Weg, begleitet diejenigen, die ein Ufer suchen, und erinnert daran, dass sich niemand in der Dunkelheit verloren fühlen sollte.“

„Eine so kleine Insel hat gezeigt, dass auch das, was zerbrechlich erscheint, Großes vollbringen kann. Sie hat aufgenommen, geholfen, getröstet. Sie hat Angst, Mühe, Schmerz und Wut erfahren, aber sie hat nie aufgehört, eine Hand auszustrecken. Vielleicht ist genau das das Wunder, auf das wir heute noch hoffen können: dass von dieser kleinen Insel ein Aufruf ausgeht, der diejenigen erreicht, die in der Welt große Verantwortung tragen; dass diejenigen, die Entscheidungsgewalt haben, auf den Schrei der verwundeten Völker hören, sich für den Frieden entscheiden, das Leben verteidigen und von diesem winzigen Fleckchen Erde lernen, dass niemand zu klein ist, um einen Weg zu weisen.“

Mannino bat dann um den Segen des Papstes: „Für diejenigen, die ankommen. Für diejenigen, die aufbrechen. Für diejenigen, die nie zurückgekehrt sind. (…) Für alle Völker, die auf Frieden warten.“ 

Auch in den Tagen vor dem Papstbesuch hatten Migranten die Insel über den Seeweg erreicht. Sie werden von dem nun nach Franziskus benannten Pier in den ,Hotspot', dem Erstaufnahmelager der Insel, gebracht. Von dort werden die Migranten auf andere Aufnahmeeinrichtungen verteilt. Nach Angaben des Projekts ,Missing Migrants' der Internationalen Organisation für Migration starben oder verschwanden seit 2014 insgesamt 35.070 Menschen im Mittelmeer (Stand 4. Juli). 

-aktualisiert um weitere Informationen um 11:20 Uhr-

(vatican news – pr)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

Photogallery

Papst Leo XIV. bei seinem Kurzbesuch auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa
04. Juli 2026, 10:12