Das erwartet sich der Vatikan von Leos Spanien-Reise
Stefan von Kempis – Vatikanstadt
2.500 Kilometer, 22 Ansprachen beziehungsweise Predigten, drei größere Etappen – das ist das Profil der Visite. Leo wird Madrid, Barcelona und die Kanarischen Inseln besuchen. „Man muss wohl kaum erwähnen, dass die Erwartungen groß sind“, erläutert Vatikansprecher Matteo Bruni im Pressesaal des Heiligen Stuhls.
„Der Papst besucht ein Land von alter christlicher Tradition, das im Mittelalter ein Labor des Dialogs zwischen ganz unterschiedlichen Welten war. Hier trafen, in der Schule von Salamanca, scholastische Theologie und internationales Recht aufeinander, wovon das Nachdenken über die Rechte und die Würde jeder menschlichen Person ihren Ausgang nahm. Ein Land großer Heiliger zudem, wie des hl. Johannes vom Kreuz und der hl. Teresa von Avila.“
Spanien als ein Labor des Dialogs
Noch heute habe die Kirche in Spanien wie in Europa allgemein viel zu bieten, sie wolle „konstruktiv an den Debatten in der Gesellschaft teilnehmen“, so Bruni. Etwa zum Thema Frieden: „In einer Zeit, in der der Einsatz von Waffen immer mehr gerechtfertigt wird, kann die Kirche in Spanien und generell in Europa im Licht der Geschichte in einem krisenhaften Moment Wichtiges weitergeben.“
In Madrid wird Leo XIV. – eine seltene Ehre – vor dem Parlament sprechen, allerdings auch auf eine durch und durch säkularisierte Gesellschaft treffen und auf eine Politik, die von einer Kultur des Zuhörens und des Kompromisses Lichtjahre entfernt ist. Dass der Papst eine Fronleichnam-Prozession durchführen wird, wertet sein Sprecher als Signal, dass die Kirche sich trotz aller Schwierigkeiten nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen darf.
Von den Institutionen zur Peripherie
Stehen in Madrid die Institutionen im Mittelpunkt, so ist es auf den Kanarischen Inseln die Peripherie. Leo will in den dortigen Häfen Migranten zuhören und Menschen, die sie aufnehmen. „Aber er wird auch an die heiligen Missionare denken, die von dort aus aufgebrochen sind, um das Evangelium in die Welt zu tragen.“
Zwischen Madrid und den Kanaren steht eine ganz besondere Etappe: Barcelona. Dort will der Papst am 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudì an dessen Basilika „Sagrada Familia“ den höchsten Kirchturm der Welt einweihen. Bruni hält es für wahrscheinlich, dass Leo in Barcelona auch einige Worte auf Katalanisch sprechen wird.
Kein Treffen mit Missbrauchsopfern
Ein privates Treffen des Papstes mit Missbrauchsopfern ist nach jetzigem Stand nicht geplant, wie der Vatikansprecher auf Nachfrage einräumt. Das Thema Missbrauch ist in Spanien eines von mehreren heißen Eisen, mit denen Leo bei seiner Visite konfrontiert sein wird. In einer Gesellschaft und einer Ortskirche, die von mancherlei Gräben und Polemiken gezeichnet sind, will der Papst zu Versöhnung aufrufen.
(vatican news)
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