Papst: Menschen im digitalen Wandel unterstützen
Birgit Pottler - Vatikanstadt
Leo XIV. empfing international renommierte Medienwissenschaftler und -experten. Sie hatten am Vortag an einem internationalen Kongress zur Künstlichen Intelligenz teilgenommen, den das Dikasterium für Kommunikation anlässlich des 60. Welttags der sozialen Kommunikationsmittel an der Päpstlichen Universität Urbaniana ausgerichtet hatte. Fachleute aus Journalismus, Informatik, Bildung und Ethik waren dort zusammengekommen, um über Medienkompetenz und digitale Bildung zu beraten.
„Dies ist ein Thema, das mir und der Kirche besonders am Herzen liegt“, sagte Leo XIV. in der Audienz. Die Sorge der Kirche um die sozialen Kommunikationsmittel sei aus ihrer universalen Sendung heraus zu verstehen. Das Zweite Vatikanische Konzil erinnere im Dekret „Inter Mirifica“ daran, dass die Kirche „von Christus, dem Herrn, gegründet wurde, um allen Menschen das Heil zu bringen, und deshalb verpflichtet ist, das Evangelium zu verkünden“. Das vorrangige Anliegen der Kirche sei und bleibe „das ewige Heil jedes Menschen“.
Herausforderung nicht technologisch, sondern anthropologisch
Der Papst verwies auf die tiefgreifenden Veränderungen durch digitale Technologien und Künstliche Intelligenz. Medien, digitale Technologie und KI müssten so genutzt und ausgerichtet werden, dass sie „in den echten Dienst der Menschheit“ gestellt würden. Zugleich warnte Leo XIV. vor einer Entwicklung, in der Technologie auf Kosten der Menschenwürde vorangetrieben werde. Auch der Schaden, der entstehen könne, wenn Chatbots und andere Technologien das „Bedürfnis nach menschlichen Beziehungen“ ausnutzten, zeige, dass die Gesellschaft eine „Verdunkelung des Sinns“ dafür erlebe, was Menschsein bedeute.
Umso dringlicher sei es, so der Papst, „das Verständnis für die wahre Bedeutung und Größe des Menschen wiederzugewinnen, wie Gott ihn gewollt hat“. Die Herausforderung der Gegenwart sei daher „nicht technologischer, sondern anthropologischer“ Natur. Die in wenigen Tagen erscheinende Enzyklika solle einen Beitrag dazu leisten, auf diese Herausforderung zu antworten.
Christus als Maßstab für das Verständnis des Menschen
Nach den Worten des Papstes kann die Kirche ihren Beitrag zur Debatte über digitale Kommunikation nur aus dem Blick auf Christus heraus leisten. Nur durch die Betrachtung Christi, des menschgewordenen Wortes, könne der Mensch „nicht nur eine rechte Sicht auf Gott“ wiedergewinnen, sondern auch „die Wahrheit über den Menschen“ verstehen lernen.
„Aus diesem Grund muss die wirkliche Bewahrung des Gesichts und der Stimme jedes einzelnen Menschen notwendigerweise eine Begegnung mit dem einschließen, der ‚das Bild des unsichtbaren Gottes‘ ist und zugleich selbst der vollkommene Mensch“, sagte Leo XIV. mit Verweis auf den Kolosserbrief.
Diese Perspektive müsse auch die Diskussion über die Auswirkungen digitaler Technologie und die Rolle der Kirche in der sozialen Kommunikation prägen. Die Aufgabe sei nicht einfach, sagte der Papst, doch Christen seien berufen, „das Licht Christi in die Welt zu tragen und jede Dimension menschlichen Handelns zu erhellen“. Gerade bei einer Frage, die in der Gesellschaft so allgegenwärtig sei, könne sich die Kirche dem nicht entziehen.
Sorge um Kinder und Jugendliche
Besonders besorgt zeigte sich Leo XIV. über die möglichen Folgen digitaler Technologie und Künstlicher Intelligenz für Kinder und Jugendliche. Dabei gehe es nicht nur um ihre körperliche und geistige Entwicklung, sondern auch um ihr „geistliches Wohlergehen“.
Alle Menschen, besonders aber die jungen, sollten „Maß und Zucht in ihrem Gebrauch“ solcher Technologien lernen, sagte der Papst unter Bezug auf „Inter Mirifica“. Dafür brauche es die Begleitung von Eltern und Erziehern. Digitale Bildung dürfe sich aus Sicht der Kirche jedoch nicht auf technische oder medienpädagogische Fähigkeiten beschränken. Angesichts gegenwärtiger Missverständnisse über Gott und den Menschen müsse sie auch „eine Erziehung zur Wahrheit über Gott und den Menschen“ einschließen.
Gerade junge Menschen seien offen für diese Wahrheit und auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. „Deshalb müssen wir ihnen helfen, dem lebendigen Christus zu begegnen, und sie lehren, den Gebrauch von Technologie in einen ganzheitlichen christlichen Lebensstil zu integrieren“, sagte Leo XIV.
Er hoffe auf ein erneuertes „Vertrauen in die Technologie“: „als Frucht des menschlichen Genies im Einklang mit Gottes schöpferischem Plan“.
(vatican news)
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