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Die Audienz für die Mitglieder der Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice Die Audienz für die Mitglieder der Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice  (@Vatican Media)

Papst: Menschlichkeit als Gegenmittel in Zeit von Kriegen

Bei einer Audienz für die Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice erinnerte Leo XIV. an die Bedeutung der Soziallehre der Kirche, die im Mittelpunkt der Enzyklika „Magnifica humanitas“ steht. Der Krise der Demokratien liege eine anthropologische Krise zugrunde, so der Papst. Angesichts der Spaltungen der heutigen Gesellschaft gelte es, den auf der Wahrheit begründeten Dialog zu fördern, um eine gemeinsame Menschlichkeit zu stärken.



Isabella Piro – Vatikanstadt

Die Suche nach der Wahrheit, Freiheit als Beziehung und der Dialog: Diese drei Grundgedanken teilte Leo XIV. an diesem Samstagvormittag mit den Mitgliedern der Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice. Er empfing seine Gäste in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes im Vatikan. Anwesend waren etwa vierhundert Personen, darunter auch diejenigen, die an der Generalversammlung und der Internationalen Konferenz 2026 der Stiftung teilgenommen hatten.

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Neue Hoffnung auf gemeinsame Menschlichkeit

In seiner auf Englisch gehaltenen Ansprache verwies der Papst auf seine erste Enzyklika „Magnifica humanitas“, um die Bedeutung der Soziallehre der Kirche in der heutigen Gesellschaft zu unterstreichen. Es handele sich dabei um ein Thema, das ihm „besonders am Herzen“ liege, da es „einen wesentlichen Teil der Mission der Kirche in der Welt ausmacht“, so das Kirchenoberhaupt. Aus der Enzyklika entsprangen daher auch die vom Papst vorgegebenen Leitlinien:

„Wir leben in einer Zeit, die von Kriegen und zunehmender Polarisierung sowie von kulturellen und sozialen Spaltungen geprägt ist. Doch inmitten dieser Zerbrechlichkeit keimt neue Hoffnung auf. Auch wenn die Spaltungen immer größer zu werden scheinen, zeichnet sich ein gemeinsamer Nenner ab, der uns alle unbestreitbar verbindet: unsere gemeinsame Menschlichkeit.“

Ein Moment der Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt
Ein Moment der Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt   (@Vatican Media)

Die Suche nach Wahrheit und die Sehnsucht nach Gott

Angesichts von Widrigkeiten sei der Mensch aufgerufen, eine grundlegende Frage neu zu überdenken, nämlich welche Richtung er als „menschliche Gemeinschaft“ einschlagen solle. Dabei handele es sich – so erklärt der Papst – um eine entscheidende Frage:

„Diese Fragen sind ein deutlicher Ausdruck des Strebens der Menschheit nach Wahrheit und wecken den Wunsch nach etwas Größerem, eine Sehnsucht nach Gott und nach einem bleibenden Sinn.“

Die Audienz fand in der Sala Clementina statt
Die Audienz fand in der Sala Clementina statt   (@Vatican Media)

Demokratie und Multilateralismus in der Krise

Im Herzen des Menschen wohne auch der Wunsch nach Freiheit, die nicht als „Fähigkeit, zu tun, was man will“ oder als Absolutismus verstanden werden könne, sondern als „beziehungsorientierte Dimension“, als „Selbsthingabe und Offenheit gegenüber anderen“. Diese Art von Freiheit verweise auf die von Augustinus beschriebene Stadt Gottes, so Leo XIV. weiter: „Gegründet auf der Liebe zu Gott bis hin zur Selbsthingabe und auf der Pflege von Beziehungen“, mache sie „den Aufbau einer Zivilisation der Liebe wirklich möglich“.

„In dieser Perspektive können wir erkennen, dass sich hinter der Krise der heutigen Demokratien und der Schwächung des Multilateralismus in Wirklichkeit eine anthropologische Krise verbirgt, die daraus resultiert, dass der Schöpfer weitgehend vergessen wurde.“

Gruppenfoto mit Papst Leo
Gruppenfoto mit Papst Leo   (@Vatican Media)

Die Würde jedes Einzelnen stets im Blick behalten

Trotz allem – so die Ermutigung des Papstes – dürfe man nicht der Verzweiflung nachgeben, sondern müsse einen Damm gegen die Entmenschlichung errichten, indem man „eine Summe kleiner und beharrlicher Glaubensbeweise“ umsetze und vor allem den Dialog pflege, „der auf der Wahrheit gründet, die die gemeinsame Menschlichkeit jedes Menschen anerkennt und wertschätzt“:

„Die angeborene Würde jedes Einzelnen im Blick zu behalten, ermöglicht es, Egoismus und Partikularinteressen zugunsten des Gemeinwohls zu überwinden. Diese Würde bildet auch den Rahmen, in dem wir von einem gesunden Pluralismus sprechen können, der den Reichtum der Beiträge von Menschen unterschiedlicher Herkunft anerkennt und zu friedlichem Zusammenleben führt“

Ein Moment der Audienz
Ein Moment der Audienz   (@VATICAN MEDIA)

Die Tätigkeit der Stiftung

Die Audienz beim Papst bildete den Abschluss zweier wichtiger Termine für die Tätigkeit der Stiftung „Centesimus Annus Pro Pontifice“: der Generalversammlung, die am 28. Mai in Rom zum Thema „Die katholische Soziallehre stellt sich den Herausforderungen für Freiheit und Pluralismus in einer aus den Fugen geratenen Wirtschaft und Gesellschaft. Die Vision von Centesimus Annus erneuern“; sowie die internationale Konferenz, die am Freitag im Vatikan stattfand unter dem Titel: „Eine zersplitterte Welt auf der Suche nach Spiritualität: Freiheit und Pluralismus durch die Soziallehre der Kirche“.

(vatican news - cs)

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30. Mai 2026, 12:48