Leo XIV.: Jugendlichen helfen, mit sich selbst in Verbindung zu bleiben
Psychische Gesundheit und Bildung im Zeitalter des digitalen Wandels; unter diesem Leitgedanken fand am Freitag und Samstag im Vatikan eine Konferenz statt, an der auf Initiative des Dikasteriums für Kultur und Bildung, der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika und der Organisation der iberoamerikanischen Staaten Experten aus lateinamerikanischen Ländern teilnahmen. Die Teilnehmer wurden am Samstag von Leo XIV. in Audienz empfangen.
Dabei dankte er den Organisatoren für die wichtige Initiative und betonte die Bedeutung des iberoamerikanischen Raums, den er als „reich an menschlichen und spirituellen Ressourcen“ beschrieb und den er, so Papst Leo, der lange in Peru gewirkt hatte, nach wie vor im Herzen trage.
Lateinamerika im Herzen
Anhand des Bildes eines kunstvoll gewebten Stoffes erklärte der Papst, dass Bildung nicht nur Wissen vermitteln, sondern Menschen miteinander verbinden und Gemeinschaft schaffen solle. So wie einzelne Fäden erst gemeinsam ein Muster ergeben, entfaltet sich auch der Mensch in Beziehung zu anderen: „Nur das geduldige Verflechten erzeugt Schönheit und Widerstandskraft. Jeder Faden bewahrt seine eigene Farbe, gewinnt jedoch Bedeutung innerhalb eines größeren Gewebes. Auch die Bildung ist heute dazu aufgerufen, sich auf diese Weise neu zu entdecken: nicht als Aufbau isolierter Individualismen und auch nicht als bloße Vermittlung von Kompetenzen, sondern als Kunst, Gemeinschaft zu weben.“, so Leo XIV. wörtlich.
Der Papst erinnerte weiter daran, dass Menschen früher die Sterne betrachteten, um Orientierung für ihr Leben zu finden. Heute brauche die Menschheit erneut solche „Landkarten der Hoffnung“. Alle Kulturen seien eingeladen, gemeinsam an einer globalen Bildungsvision mitzuwirken und das Bewusstsein zu stärken, dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind.
Orientierungslosigkeit entgegenwirken
„Das Bewusstsein dieses großen kulturellen Erbes kann uns helfen, einer der größten Formen der Armut unserer Zeit zu begegnen: dem Verlust der inneren Sternbilder. Viele junge Menschen verfügen über immer ausgefeiltere technologische Werkzeuge, haben jedoch Schwierigkeiten, einen Sinn zu finden, für den es sich zu leben, zu hoffen, zu lieben und sogar zu leiden lohnt. Hinter so vielen Schwierigkeiten, Einsamkeiten und psychischen Verletzlichkeiten verbirgt sich oft eine stille Frage: ‚Hat mein Leben einen Sinn? Gibt es eine verlässliche Hoffnung für die Zukunft?‘“
Leistungsdruck, Konkurrenzdenken und die Reduzierung des Menschen auf Daten, Konsum oder Erfolg führten häufig zu Angst, Einsamkeit und psychischen Belastungen, so die Analyse des Kirchenoberhauptes. Psychische Gesundheit dürfe deshalb nicht nur als medizinisches oder technisches Thema betrachtet werden. Wissenschaft und Medizin seien wichtig, doch ebenso brauche der Mensch einen Sinnhorizont. Wer sich geliebt, wertvoll und zu einer Aufgabe berufen fühlt, finde Hoffnung:
„Und die Hoffnung ist keine naive Illusion: Sie ist eine geistige Kraft, die das Leben trägt, selbst in den schwierigsten Momenten.“
Deshalb müsse Bildung auch die innere Entwicklung fördern – ein Ziel, das er selbst in den Globalen Erziehungspakt habe einfügen wollen, erläuterte Leo XIV. weiter. Junge Menschen sollten nicht nur digital vernetzt, sondern auch mit sich selbst, anderen Menschen und ihrer eigenen Innerlichkeit verbunden sein. Dazu gehören Stille, Reflexion, die Fähigkeit, Fragen zu stellen, tiefe Beziehungen und Offenheit für Transzendenz.
„Wenn die Technologie uns verbindet, dann formt uns die Bildung. Erziehen bedeutet, junge Menschen dabei zu begleiten, nicht nur zu entdecken, wie man lebt, sondern auch, warum man lebt. In dieser Bildungsmission sind die öffentlichen Institutionen, die Schule, die Universitäten, die Familien, die religiösen Gemeinschaften, die Welt der Kultur und die der Kommunikation dazu aufgerufen, zusammenzuarbeiten. Niemand kann solch tiefgreifende und komplexe Herausforderungen allein bewältigen.“
Abschließend rief der Papst seine Gäste dazu auf, die Zusammenarbeit weiter zu stärken und den jungen Generationen Orientierung und Vertrauen zu geben. In diesem Zusammenhang forderte er neue kulturelle Visionen, die Denken und Leben, Kontemplation und Handeln sowie soziale Verantwortung und Sinnsuche miteinander verbinden könnten.
(vatican news - cs)
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