Papst Leo bei Katholischer Uni in Kamerun: Plädoyer für Dialog, Moral, Gerechtigkeit
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
Besonders die Rolle der Dozenten sei für die Bildung und Ausbildung der Jugend zentral, betonte Papst Leo XIV., der früher auch selbst als Mathe- und Physiklehrer aktiv war, bei seinem ersten Besuch einer Universität während seiner Afrikareise vor 8.000 Menschen. Auf Französisch rief er alle Lehrenden dazu auf, „jene Werte zu verkörpern, die ihr vermitteln möchtet, vor allem Gerechtigkeit und Fairness, Integrität, einen Geist des Dienens und der Verantwortung."
Die Katholische Universität Zentralafrikas, im Jahr 1989 unter der Schirmherrschaft des Heiligen Stuhls von der Vereinigung der Bischofskonferenzen von der Vereinigung der Bischofskonferenzen der Region Zentralafrika (AECCAR) gegründet, ist staatlich anerkannt und für sechs Länder Zentralafrikas zuständig - neben Kamerun sind dies die Zentralafrikanische Republik, Kongo-Brazzaville, Gabun, Äquatorialguinea und Tschad. So richtete der Papst seine Worte hier auch an ganz Afrika: „Afrika und die Welt brauchen Menschen, die sich bemühen, nach dem Evangelium zu leben und ihre Kompetenzen in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen. Verratet dieses hohe Ideal nicht! Seid nicht nur intellektuelle Mentoren, sondern auch Vorbilder, deren wissenschaftliche Genauigkeit und persönliche Ehrlichkeit das Gewissen eurer Studenten schulen", gab das katholische Kirchenoberhaupt den Dozenten mit.
Korruption beenden - Gewissen bilden
Ein Problem Afrikas sprach der Papst dann auch sehr konkret an - Korruption. Beispielsweise Äquatorialguinea, das an Kamerun grenzt und das Leo auch noch besuchen wird - ein Land, für das die Uni auch zuständig ist - liegt im Korruptionsranking von Transparency International ewa auf Platz 172 von 182. Applaus brauste auf, als der Papst forderte: „Afrika muss nämlich von der Plage der Korruption befreit werden. Und für einen jungen Menschen muss sich das Bewusstsein dafür schon in seinen Ausbildungsjahren festigen, dank der moralischen Integrität, der Selbstlosigkeit und der kohärenten Lebensweise seiner Erzieher und Lehrer." Tag für Tag legten diese den unverzichtbaren Grundstein für den Aufbau einer kohärenten sittlichen und intellektuellen Identität. „Indem ihr die Wahrheit bezeugt, insbesondere gegenüber den Illusionen von Ideologien und Moden, schafft ihr ein Umfeld, in dem sich akademische Exzellenz auf natürliche Weise mit menschlicher Redlichkeit verbindet" führte Leo XIV. aus.
Er würdigte auch das Motto der Universität - „Im Dienst der Wahrheit und der Gerechtigkeit" - und betonte: „Wenn man sich um ein gebildetes und redliches Gewissen bemüht, dann wird es zur Quelle eines kohärenten Handelns werden, das auf das Gute, die Gerechtigkeit und den Frieden ausgerichtet ist."
In den heutigen Gesellschaften, so auch in Kamerun, sei eine „Erosion der moralischen Bezugspunkte zu beobachten, die einst das Leben der Gemeinschaft prägten", stellte Leo fest und rief alle auf, dem etwas entgegenzusetzen.
Afrika als Vorbild
Papst Leo XIV. würdigte die Katholische Universität Zentralafrikas in diesem Zusammenhang als „Leuchtturm", der der Kirche und Afrika bei ihrer „Suche nach der Wahrheit und bei der Förderung von Gerechtigkeit und Solidarität zugutekommt."
Uni will umfassend ausbilden
Die Uni startete mit 135 Studierenden, verteilt auf zwei Fakultäten – Theologie sowie Sozial- und Verwaltungswissenschaften – heute ist daraus laut dem Rektor, dem Pater und Professor Thomas Bienvenu Tchoungui, ein Netzwerk mit mehr als zehn Campus mit 8.000 Studierenden, 1.152 festangestellten und assoziierten Lehrkräften sowie 204 Verwaltungsmitarbeitern geworden. Die Uni hat laut eigener Aussage das Ziel, zur Entwicklung der afrikanischen Gesellschaften beizutragen, durch berufliche und akademische Ausbildungsgänge, die den tatsächlichen Bedürfnissen in den Bereichen Sozialwissenschaften, Managementtechniken und Pflegewissenschaften entsprechen. Dabei will sie auch die christliche Sicht des Menschen in seinen philosophischen und theologischen Dimensionen vermitteln und ethisches Verhalten in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens fördern.
Es gibt inzwischen auch Ingenieurwissenschaften, die aktiv zur industriellen und technologischen Entwicklung der Subregion beitragen wollen. Das Institut Supérieur d’Agronomie in Bangui bildet Agraringenieure aus, die sich für die Ernährungssouveränität in der Zentralafrikanischen Republik einsetzen. Im Tschad beteiligen sich das Institut für Veterinärwissenschaften und das Institut für Erziehungswissenschaften in Moundou gemeinsam mit dem Staat an der Ausbildung von Ausbildern und der Entwicklung einer professionellen Tierhaltung, „mit dem Ziel der Nahrungsmittelautarkie, die Subsahara-Afrika so dringend benötigt", berichtete der Rektor der Uni zu Beginn in seinem Grußwort. Er erwähnte die sicherheitspolitischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Region, betonte aber auch die dynamische Jugend - in Kamerun leben bis zu 30 Millionen Menschen; das Durchschnittsalter beträgt 19,4 Jahre. Papst Leo würdigte all dies und betonte:
„Afrika kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die allzu engen Horizonte einer Menschheit zu erweitern, der es schwerfällt zu hoffen. Auf eurem großartigen Kontinent ist die Forschung in besonderer Weise herausgefordert, sich interdisziplinären, internationalen und interkulturellen Perspektiven zu öffnen. Und heute müssen wir dringend über den Glauben innerhalb der kulturellen Kontexte und aktuellen Herausforderungen nachdenken, um seine Schönheit und Glaubwürdigkeit in den verschiedenen Zusammenhängen hervortreten zu lassen, insbesondere in denen, die am stärksten von Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Konflikten sowie materiellem und spirituellem Verfall geprägt sind."
Das Evangelium und die Lehre der Kirche sollten „in großzügiger und offener Synergie mit allen positiven Instanzen" auch „eine wahre Kultur der Begegnung" - fördern: „Eine Kultur der Begegnung zwischen allen echten und vitalen Kulturen dank eines gegenseitigen Austauschs der je eigenen Gaben in jenem lichtvollen Raum, den die Liebe Gottes allen seinen Geschöpfen eröffnet", formulierte der Papst. Während viele Menschen weltweit ihre spirituellen und ethischen Orientierungspunkte zu verlieren schienen und in Individualismus, Äußerlichkeiten und Heuchelei ihre Freiheit verlieren, sei „die Universität par excellence ein Ort der Freundschaft und der Zusammenarbeit, der Innerlichkeit und der Reflexion."
Papst Leo XIV., von dem noch ein ausführlicheres Schreiben zu künstlicher Intelligenz erwartet wird, ging auch auf aktuelle Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Welt ein. Er mahnte, keine Angst davor zu haben und sich positiv einzubringen:
„Gerade eure Universität kann Pioniere eines neuen Humanismus im Kontext der digitalen Revolution heranbilden, von der der afrikanische Kontinent nicht nur die faszinierenden Aspekte, sondern auch die dunkle Seite kennt, wie etwa die ökologischen und sozialen Schäden, die durch die hektische Suche nach Rohstoffen und Seltenen Erden verursacht werden. Schaut nicht weg: Dies ist ein Dienst an der Wahrheit und an der gesamten Menschheit. Ohne diese mühsame Bildungsarbeit wird die passive Anpassung an die vorherrschenden Denkweisen als Kompetenz und der Verlust von Freiheit als Fortschritt missverstanden werden."
Der aktuelle Wandel erfordere nicht bloß technische Kompetenzen, sondern eine humanistische Bildung, die in der Lage sei, die wirtschaftlichen Mechanismen, die ihnen innewohnenden Vorurteile und die Formen der Macht sichtbar werden zu lassen, die unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit prägen. „In digitalen Umgebungen, die darauf ausgelegt sind, zu beeinflussen, wird die Interaktion so weit optimiert, dass die persönliche Begegnung überflüssig wird, die Andersheit der Menschen aus Fleisch und Blut neutralisiert und die Beziehung auf eine funktionale Reaktion reduziert wird. Meine Lieben, ihr seid jedoch ganz reale Menschen!" betonte Papst Leo. Er warnte davor, nur in eigenen Blasen unterwegs zu sein - so fühlte man sich leicht von jedem bedroht, der anders sei. „Und wir verlernen die Begegnung und den Dialog. So breiten sich Polarisierung, Konflikte, Ängste und Gewalt aus. Es geht nicht bloß darum, dass die Gefahr eines Irrtums besteht, sondern dass sich die Beziehung zur Wahrheit selbst verändert", unterstrich der Papst. Und er betonte:
„Gerade in diesem Bereich hat die Katholische Universität die Pflicht, eine führende Rolle zu übernehmen. Sie beschränkt sich nämlich nicht darauf, Fachwissen zu vermitteln, sondern bildet Menschen, die über kritische Urteilsfähigkeit verfügen und die zur Liebe und zum Dienst bereit sind."
Die Nöte der Studierenden - Papst bittet: Nicht auswandern
Zwei Studierende berichteten dem Papst stellvertretend auch von ihren Sorgen und Nöten - etwa finanzieller Natur. Sie hofften unter anderem auf „verstärkte Unterstützung der Stipendiensysteme, damit der Mangel an Mitteln niemals ein Hindernis für die intellektuelle und berufliche Berufung darstelle", sagte eine Studentin. Dafür gab es Applaus. Konkret äußerte die Studentin den Wunsch nach einem größeren Hörsaal - sie betonte aber auch: „Wir erwarten nicht nur materielle Unterstützung. Wir erwarten vor allem ein Wort der Ermutigung, ein Licht, das uns bei unseren Entscheidungen leitet, und Ihren Segen, um unseren Glauben und unser Engagement zu stärken. Helfen Sie uns, eine Generation von Friedensstiftern, Dienern des Gemeinwohls und Zeugen der Liebe in unseren Gesellschaften zu werden."
Papst Leo XIV. hatte seinerseits auch eine Bitte an die Studierenden: „Liebe Söhne und Töchter Kameruns, liebe Studenten, angesichts der verständlichen Tendenz zur Auswanderung, die einen glauben lassen könnte, dass man andernorts leicht eine bessere Zukunft finden könne, lade ich euch vor allem ein, darauf mit dem brennenden Wunsch zu antworten, eurem Land zu dienen und das Wissen, das ihr hier erwerbt, zum Wohl eurer Mitbürger einzusetzen. Darin liegt der Daseinszweck eurer Universität, die vor fünfunddreißig Jahren gegründet wurde, um Seelsorger und in der Gesellschaft engagierte Laien auszubilden: Diese sind die Zeugen der Weisheit und Gerechtigkeit, die der afrikanische Kontinent braucht."
(vatican news - sst)
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