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Papst Leo bei der Messfeier in der Pfarrei „Ascensione di Nostro Signore Gesù Cristo“ im Osten Roms Papst Leo bei der Messfeier in der Pfarrei „Ascensione di Nostro Signore Gesù Cristo“ im Osten Roms

Papst Leo unterwegs in seinem Bistum: Zeichen der Hoffnung in der Ewigen Stadt

Auch der zweite Fastensonntag hat den Bischof von Rom in eine der sozialen Peripherien der Ewigen Stadt geführt. Wie schon in den Problemvierteln Ostia und Castro Pretorio rund um den Hauptbahnhof, hat Leo XIV. auch im Osten Roms ein starkes Zeichen der Nähe gesetzt. Bei der Messfeier im Stadtteil „Quarticciolo“ erinnerte er daran, wie wichtig Gemeinschaft, Solidarität und Engagement für die soziale Entwicklung eines Viertels sind.

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Nach Johannes XXIII., der 1963 hierherkam, und Johannes Paul II. im Jahr 1980, ist Leo XIV. der dritte Papst, der dieses Problemviertel besucht. Für die Menschen dort ein Moment der Ermutigung und der Hoffnung – hat das Viertel doch seit Jahren mit wirtschaftlichem Niedergang, Kriminalität und sozialer Unsicherheit zu kämpfen.

„Quarticciolo“ im Osten Roms ist eine planmäßig angelegte Arbeitersiedlung, die zwischen 1939 und 1940 im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus entstand. Die dortige Pfarrei „Ascensione di Nostro Signore Gesù Cristo“ wurde 1954 errichtet. Heute zählt sie rund 10.000 Gläubige. In die Jahre gekommene Sozialwohnblöcke aus den 1930er- und 1940er-Jahren prägen hier das Bild: Erinnerung daran, dass das Viertel ursprünglich für einkommensschwache Familien, Kriegsheimkehrer und Menschen in prekären Wohnverhältnissen konzipiert wurde.

Arbeitslosigkeit, Armut und die Folgen der Pandemie haben deutliche Spuren hinterlassen: viele Geschäfte mussten schließen, jüngere Familien sind weggezogen. Drogenhandel und Prostitution belasten den Alltag, erst vor wenigen Tagen nahm die Polizei bei einer groß angelegten Aktion mehrere mutmaßliche Drogendealer fest.

Papst Leo signiert einen Fussball für die Jugendlichen des Viertels
Papst Leo signiert einen Fussball für die Jugendlichen des Viertels   (AFP or licensors)


Ein Ort des Widerstands gegen die Hoffnungslosigkeit

Trotz dieser Herausforderungen versteht sich die Gemeinde nicht als resignierte Randzone, sondern als Ort des Widerstands gegen die Hoffnungslosigkeit. In der Pfarrei setzt man auf Gemeinschaft und Präsenz. Mit Gebetsgruppen, Jugend- und Familienangeboten, Theaterarbeit und konkreter Sozialhilfe ist sie ein wichtiger Anker für die Menschen, die hier leben.

 

Papst Leo bei seinem Pfarreibesuch im Osten Roms
Papst Leo bei seinem Pfarreibesuch im Osten Roms

Als Leo XIV. kurz nach 16 Uhr in der Pfarrei ankam, bereiteten ihm die zahlreich versammelten Gläubigen einen herzlichen Empfang. Für die Menschen hier ist der Papstbesuch mehr als ein offizieller Termin: er ist ein Zeichen, dass ihre Sorgen gesehen werden.

Nach seiner Ankunft wandte sich Papst Leo auf dem Sportplatz des Viertels in einer kurzen Ansprache an die Kinder und Jugendlichen der dortigen Gemeinde. Er erinnerte sie daran, dass die Pfarrei ein Ort des Lichts und der Liebe sei. Obwohl es Böses und Leid in der Welt gebe, habe der Mensch die Freiheit, sich für das Gute zu entscheiden. Besonders Kinder und Jugendliche sollen bewusst „Ja“ zum Guten, zum Frieden und zu Jesus sagen und so die Welt positiv verändern.

Papst Leo im Osten Roms
Papst Leo im Osten Roms   (AFP or licensors)


Die heilige Messe in der Pfarrkirche „Ascensione di Nostro Signore Gesù Cristo“

Pünktlich um 17 Uhr begann dann der Höhepunkt des Papstbesuchs: die heilige Messe in der Pfarrkirche „Ascensione di Nostro Signore Gesù Cristo“.

In seiner Predigt beschrieb der Pontifex das Leben mit Blick auf die Tageslesung über den Glaubensweg des Abraham als „eine Reise, die von uns verlangt, dass wir Vertrauen haben, uns dem Wort Gottes anvertrauen, das uns ruft, ja manchmal auffordert, alles hinter uns zu lassen.“

Wer auf Gott vertraue und Sicherheiten loslassen könne – so Papst Leo –, entdecke einen viel größeren Segen. Auch die Jünger hätten lernen müssen, Jesus trotz ihrer Zweifel und ihrer Angst bis nach Jerusalem zu folgen. Doch die Verklärung Jesu habe ihnen das Ziel dieses Weges gezeigt: den Ruf Gottes, der uns einlädt, auf Jesus zu hören und in der Liebe zu leben – auch wenn dies Hingabe bedeute.

Papst Leo bei seinem dritten Pfarreibesuch in den Problemvierteln Roms
Papst Leo bei seinem dritten Pfarreibesuch in den Problemvierteln Roms   (VINCENZO LIVIERI)

Und wie diese Hingabe aussehen kann, beschrieb der Papst mit Blick auf das Viertel Quarticciolo wie folgt:

„Angesichts der zahlreichen und komplexen Probleme dieses Territoriums, die euren Alltag überschatten, ist euch die Pädagogik eines Blicks des Glaubens anvertraut: ein Blick, der alles in Hoffnung verwandelt und Leidenschaft, Teilen und Kreativität in Gang setzt, um die vielen Wunden dieses Stadtviertels zu heilen.“

 

Ein Blick in die Pfarrkirche „Ascensione di Nostro Signore Gesù Cristo“
Ein Blick in die Pfarrkirche „Ascensione di Nostro Signore Gesù Cristo“   (AFP or licensors)


Lobende Worte fand der Papst vor allem für das Engagement der jungen Menschen.

„Im Programm ‚Magis‘, das ihr mir vor ein paar Minuten vorgestellt habt, geht es um dieses ‚Mehr‘, von dem der heilige Ignatius von Loyola in seinen Geistlichen Übungen spricht. Er ist ein Ansporn für Jugendliche, die Mittelmäßigkeit zu überwinden und sich für ein mutiges, authentisches und gutes Leben zu entscheiden – ein Leben, das in Jesus Christus sein „Magis“ – sein höchstes „Mehr“ – findet.“

Papst Leo an diesem Sonntag
Papst Leo an diesem Sonntag   (AFP or licensors)


Die sanfte Kraft des Glaubens, die alles verwandelt

Die soziale Arbeit der Pfarrei und die Förderung von Gemeinschaft und Engagement beschrieb der Papst als Ausdruck des gelebten Glaubens derer, die „an die sanfte Kraft glauben, die alles verwandelt.“

„Wenn wir feststellen, dass so vieles um uns herum nicht in Ordnung ist, fragen wir uns manchmal: Hat das, was wir tun, überhaupt einen Sinn?,“ gab der Pontifex zu bedenken. „Und dann kann sich leicht die Versuchung einstellen, den Mut zu verlieren, und damit auch die Motivation und den Elan zum Weitermachen. Doch gerade angesichts des Geheimnisses des Bösen müssen wir Zeugnis ablegen für unsere Identität als Christen, als Menschen, die das Reich Gottes an den Orten und in der Zeit, in der sie leben, sichtbar machen wollen. Das ist mein Wunsch für euch alle, für diese Pfarrgemeinde und für die vielen Brüder und Schwestern, die in Jesus noch nicht das wahre Licht und die wahre Freude erkannt haben.“

Abschließend brachte der Papst folgenden Wunsch zum Ausdruck:

„Angesichts all dessen, was den Menschen und das Leben entstellt, verkünden und bezeugen wir auch weiter das Evangelium, das verwandelt und Leben schenkt. Die allerseligste Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, begleite uns allezeit und halte Fürsprache für uns.“

(vaticannews – skr)

 

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01. März 2026, 17:31