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Pfarreibesuch im Osten Roms: Die Papstpredigt

Lesen Sie hier in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan die Predigt, die Papst Leo XIV. am zweiten Fastensonntag 2026 bei seinem Besuch der Pfarrei „Ascensione di N.S. Gesù Cristo" im Stadtteil Quarticciolo gehalten hat. Die Wortmeldungen der Päpste in den verschiedenen amtlichen Übersetzungen finden Sie auf vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern,

ich freue mich sehr, heute bei euch zu sein und gemeinsam mit eurer Pfarrgemeinde das Wort Gottes zu hören. Dieser Sonntag stellt uns den Aufbruch Abrahams (vgl. Gen 12,1–4) und die Verklärung Jesu (vgl. Mt 17,1–9) vor Augen.

Mit Abraham kann sich jeder von uns als jemand wiedererkennen, der auf dem Weg ist. Das Leben ist eine Reise, die von uns verlangt, dass wir Vertrauen haben, uns dem Wort Gottes anvertrauen, das uns ruft, ja manchmal auffordert, alles hinter uns zu lassen. Und dann kann man versucht sein, der Unsicherheit zu entfliehen, die uns schwindelig macht – obwohl man doch gerade in ihr eine Verheißung von unerwarteter Größe erkennen kann. Es passiert jeden Tag, dass wir – dem Denken dieser Welt unterworfen – alles messen, alles kontrollieren wollen. Aber so verpassen wir die Gelegenheit, den wahren Schatz zu entdecken: die kostbare Perle, die Gott – wie uns das Evangelium lehrt – überraschenderweise in unserem Feld versteckt hat (vgl. Mt 13,44).

Abrahams Reise beginnt mit einem Verlust: er verliert das Land und das Vaterhaus: die Orte, die die Erinnerung an seine Vergangenheit bewahren. Seine Reise wird jedoch in einem neuen Land und in einer unermesslichen Nachkommenschaft vollendet werden, in der alles zum Segen wird. Auch wir werden – wenn wir uns vom Glauben zum Aufbruch bewegen lassen und bereit sind, im Leben und in der Liebe etwas zu wagen – keine Angst mehr haben, etwas zu verlieren, weil wir spüren werden, dass wir in einem Reichtum wachsen, den uns niemand stehlen kann.

Leben, um Leben zu schenken...

Auch die Jünger Jesu mussten sich auf eine Reise machen: die Reise, die sie nach Jerusalem führen würde (vgl. Lk 9,51). Dort, in der Heiligen Stadt, würde der Meister seine Sendung erfüllen, sein Leben am Kreuz hingeben und für alle und für immer zum Segen werden. Wir wissen, wie hartnäckig sich Petrus und die anderen dagegen gesträubt hatten, ihm nachzufolgen. Doch sie mussten erkennen, dass man nur dann Segen sein kann, wenn man den Instinkt, sich selbst zu schützen, überwindet und das annimmt, was uns Jesus in der Eucharistie schenkt: den Willen, den eigenen Leib als Brot zur Speise darzubringen; zu leben und zu sterben, um Leben zu schenken. Das, liebe Brüder und Schwestern, ist die Bedeutung des Sonntags: Er ist die Pause auf dem Weg, der uns um Jesus versammelt. Der Herr ermutigt uns, nicht stehen zu bleiben und nicht die Richtung zu wechseln. Es gibt kein größeres Versprechen, keinen kostbareren Schatz, als zu leben, um Leben zu schenken!

Kurz vor dem Tag der Verklärung hatte Jesus seinen Jüngern anvertraut, was das Ziel der Reise sein würde, auf der sie sich befanden: sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung. Ihr erinnert euch sicher an den Widerspruch des Petrus und die Reaktion Jesu, der zu ihm sagt: „Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen!“ (Mt 16,23). Und nun, sechs Tage später, bittet Jesus Petrus, Jakobus und Johannes, ihn auf den Berg zu begleiten. Sie haben noch diese schwer zu ertragenden Worte in den Ohren – und vor Augen steht ihnen noch das für sie unerträgliche Bild des Messias, der zum Tod verurteilt wird.

Diese innere Finsternis der Jünger wird von Jesus durchbrochen, als er sich vor ihnen auf dem hohen Berg in einem unbeschreiblichen, blendenden Licht verwandelt zeigt. Und in dieser herrlichen Vision erscheinen neben ihm auch Mose und Elija: Zeugen dafür, dass sich in Jesus alle Schriften erfüllen (vgl. Mt 17,2-3).

Ein weiteres Mal wird Petrus zum Sprachrohr unserer alten Welt und ihres verzweifelten Bedürfnisses, die Dinge anzuhalten und zu kontrollieren – ein bisschen so, wie wenn wir einen Traum, in den wir uns flüchten, nicht enden lassen wollen. Hier aber geht es nicht um einen Traum, sondern um eine neue Welt, in die wir eintreten sollen: das Ziel unserer Reise, ein Ziel voller Licht, das die menschlichen und göttlichen Züge Jesu trägt. Indem er Zelte aufschlägt, möchte Petrus diese Reise aufhalten, doch sie muss weitergehen bis nach Jerusalem (vgl. Mt 17,4).

Die Logik der bedingungslosen Liebe 

Die Stimme, die aus der Wolke erschallt, ist die des Vaters, und sie klingt wie eine Bitte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören“ (V. 5). Diese Stimme erklingt auch heute für uns: „Hört auf Jesus!“. Und ich, meine Lieben, möchte in eurer Mitte zum Echo dieses Aufrufs werden und euch sagen: Ich bitte euch, Schwestern und Brüder, hört auf ihn! Er begleitet uns auch heute noch, um uns in dieser Stadt die Logik der bedingungslosen Liebe zu lehren, die Logik des Verzichts auf Schutzmechanismen, die andere verletzen. Lasst uns auf ihn hören, treten wir ein in sein Licht, um Licht der Welt zu werden – angefangen bei dem Viertel, in dem wir leben. Das Leben der Pfarrei und ihrer Gruppen ist dazu da, ein Dienst zu sein am Licht, ein Dienst an der Freude.

Der Blick des Glaubens: ein Blick, der alles in Hoffnung verwandelt 

Nach der Verklärung auf dem Berg geht die Reise Jesu weiter (vgl. Vers 9). Auch die Kirche, auch eure Pfarrei erhält aus diesem Evangelium einen Auftrag. Angesichts der zahlreichen und komplexen Probleme dieses Territoriums, die euren Alltag überschatten, ist euch die Pädagogik eines Blicks des Glaubens anvertraut: ein Blick, der alles in Hoffnung verwandelt und Leidenschaft, Teilen und Kreativität in Gang setzt, um die vielen Wunden dieses Stadtviertels zu heilen.

Es freut mich sehr, dass diese Pfarrgemeinde eine so lebendige und dynamische Gemeinschaft ist – und dass sie trotz der gravierenden Probleme in der Region mutig das Evangelium verkündet. Unter dem programmatischen Motto „Gemeinschaft leben“ hat diese Pfarrei einen Weg eingeschlagen, der das Zugehörigkeitsgefühl stärken und bewirken will, dass alle – wirklich alle Menschen – mit offenen Armen aufgenommen werden! Das freut mich, und ich möchte euch darin bestärken: Macht weiter auf diesem Weg, euch in euer Viertel einzubringen und seine Wunden zu heilen. Und ich hoffe, dass sich euch noch andere anschließen und hier in „Quarticciolo“ Sauerteig des Guten und der Gerechtigkeit werden.

Die Entscheidung für ein mutiges, authentisches und gutes Leben

Auch euer Engagement, liebe Jugendliche, verdient Anerkennung. Im Programm ‚Magis‘, das ihr mir vor ein paar Minuten vorgestellt habt, geht es um dieses ‚Mehr‘, von dem der heilige Ignatius von Loyola in seinen Geistlichen Übungen spricht. Er ist ein Ansporn für Jugendliche, die Mittelmäßigkeit zu überwinden und sich für ein mutiges, authentisches und gutes Leben zu entscheiden – ein Leben, das in Jesus Christus sein „Magis“ – sein höchstes „Mehr“ – findet.

Liebe Brüder und Schwestern, ihr seid Zeichen der Hoffnung. Das Licht der Verklärung ist in dieser Gemeinschaft bereits gegenwärtig, weil hier der Herr wirkt und weil so viele von euch an seine sanfte Kraft glauben, die alles verwandelt. Wenn wir feststellen, dass so vieles um uns herum nicht in Ordnung ist, fragen wir uns manchmal: Hat das, was wir tun, überhaupt einen Sinn? Und dann kann sich leicht die Versuchung einstellen, den Mut zu verlieren – und damit auch die Motivation und den Elan zum Weitermachen. Doch gerade angesichts des Geheimnisses des Bösen müssen wir Zeugnis ablegen für unsere Identität als Christen; als Menschen, die das Reich Gottes an den Orten und in der Zeit, in der sie leben, sichtbar machen wollen. Das ist mein Wunsch für euch alle, für diese Pfarrgemeinde und für die vielen Brüder und Schwestern, die in Jesus noch nicht das wahre Licht und die wahre Freude erkannt haben.

Angesichts all dessen, was den Menschen und das Leben entstellt, verkünden und bezeugen wir auch weiter das Evangelium, das verwandelt und Leben schenkt. Die allerseligste Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, begleite uns allezeit und halte Fürsprache für uns.

(vaticannews - übersetzung: silvia kritzenberger)
 

 

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01. März 2026, 17:29