Wortlaut: Papst Leo XIV. beim Angelus am Sonntag
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Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!
In der heutigen Liturgie wird ein herrlicher Passus der Frohen Botschaft verkündet, den Jesus der ganzen Menschheit kundtut: das Evangelium der Seligpreisungen (Mt 5,1-12). Diese sind in der Tat Lichter, die der Herr im Halbdunkel der Geschichte entzündet und damit den Heilsplan offenbart, den der Vater durch den Sohn mit der Kraft des Heiligen Geistes verwirklicht.
Auf dem Berg übergibt Christus seinen Jüngern das neue Gesetz, das in ihre Herzen geschrieben ist und nicht mehr auf Stein: Es ist ein Gesetz, das unser Leben erneuert und es gut macht, auch wenn es für die Welt gescheitert und elend erscheint. Nur Gott kann die Armen und Bedrängten wirklich seligpreisen (vgl. V.3-4), denn er ist das höchste Gut, das sich allen mit unendlicher Liebe schenkt. Nur Gott kann diejenigen sättigen, die Frieden und Gerechtigkeit suchen (vgl. V. 6.9), denn er ist der gerechte Richter der Welt, der Urheber des ewigen Friedens. Nur in Gott finden die Sanftmütigen, die Barmherzigen und die, die rein im Herzen sind, Freude (V. 5.7-8), denn er ist die Erfüllung ihrer Erwartungen. In der Verfolgung ist Gott die Quelle der Befreiung; in der Lüge ist er der Anker der Wahrheit. Deshalb verkündet Jesus: »Freut euch und jubelt!« (V. 12).
Diese Seligpreisungen bleiben nur für diejenigen ein Paradoxon, die glauben, dass Gott anders ist, als Christus ihn offenbart. Wer erwartet, dass die Mächtigen immer die Herren auf Erden sein werden, ist von den Worten des Herrn überrascht. Wer daran gewöhnt ist zu denken, dass das Glück den Reichen gehört, könnte glauben, dass Jesus ein Träumer ist. Die Illusion liegt jedoch gerade im Mangel an Glauben an Christus: Er ist der Arme, der sein Leben mit allen teilt, der Sanftmütige, der im Schmerz ausharrt, der Friedensstifter, der bis zum Tod am Kreuz verfolgt wird.
So erhellt Jesus den Sinn der Geschichte: nicht der Geschichte, die von den Siegern geschrieben wurde, sondern jener, die Gott vollbringt, indem er die Unterdrückten rettet. Der Sohn betrachtet die Welt mit dem Realismus der Liebe des Vaters; im Gegensatz dazu stehen, wie Papst Franziskus sagte, die »Profis der Illusion. Wir dürfen diesen Leuten nicht folgen, denn sie können uns keine Hoffnung geben« (Angelus, 17. Februar 2019). Gott hingegen schenkt diese Hoffnung vor allem denen, die von der Welt als hoffnungslos verworfen werden.
Liebe Brüder und Schwestern, die Seligpreisungen werden für uns so zu einem Prüfstein des Glücks und führen uns zu der Frage, ob wir das Glück als eine Errungenschaft betrachten, die man kaufen kann, oder als ein Geschenk, das man teilt; ob wir es an Dinge knüpfen, die man konsumiert, oder an Beziehungen, die uns begleiten. In der Tat ist es »um Christi willen« (vgl. V. 11) und dank ihm, dass die Bitterkeit der Prüfungen sich in die Freude der Erlösten verwandelt: Jesus spricht nicht von einem fernen Trost, sondern von einer beständigen Gnade, die uns immer stärkt, vor allem in Zeiten der Bedrängnis.
Die Seligpreisungen erhöhen die Niedrigen und zerstreuen, die im Herzen voll Hochmut sind (vgl. Lk 1,51-52). Bitten wir also um die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der Magd des Herrn, die alle Geschlechter seligpreisen.
(vatican news)
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