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Papst Leo: „Wir sind eins – wir sind es bereits!“

Leo XIV. ruft die christlichen Kirchen zu gemeinsamen Anstrengungen im Bereich der Evangelisierung auf.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Noch bestehende Trennungen und Unverständnis sollten die verschiedenen Konfessionen an dieser Gemeinsamkeit nicht hindern. „Wir teilen nämlich den Glauben an den einen und einzigen Gott, den Vater aller Menschen, und wir bekennen gemeinsam den einen Herrn und wahren Sohn Gottes Jesus Christus und den einen Heiligen Geist, der uns beseelt und zur vollen Einheit und zum gemeinsamen Zeugnis für das Evangelium drängt.“

Das sagte der Papst an diesem Sonntagabend in Rom. Und er fuhr fort: „Wir sind eins! Wir sind es bereits! Erkennen wir es an, erleben wir es, bekunden wir es!“

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Hochrangige ökumenische Vertreter

Resonanzraum dieser Worte war die römische Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Hier, am Grab des Völkerapostels, nahm Papst Leo zum Fest der Bekehrung des Paulus an einer feierlichen Zweiten Vesper teil. Der Termin markierte auch den Abschluss der „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“. Dazu waren, wie üblich, hochrangige Gäste aus anderen christlichen Konfessionen angereist; Leo begrüßte namentlich den griechisch-orthodoxen Metropoliten Polykarpos für das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, den armenisch-apostolischen Erzbischof Khajag Barsamian und den anglikanischen Bischof Anthony Ball. Vor Beginn des Gottesdienstes betete der Papst mit seinen Gästen vor der letzten Ruhestätte des Paulus.

An der Liturgie nahmen auch Kurienkardinal Kurt Koch, Abtprimas Jeremias Schröder und Pfarrer Michael Jonas teil. Der Schweizer Koch leitet das Vatikan-Dikasterium für Ökumene; Schröder leitet vom römischen Aventin-Hügel aus die Benediktinische Konföderation, und Jonas ist Pfarrer der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom.

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„Ein Moment der Verwandlung“

In seiner Predigt ging der Papst von der Bekehrung des Paulus aus. Jede echte Begegnung mit dem Herrn, so wie Saulus-Paulus sie damals erlebt habe, sei „ein Moment der Verwandlung, der eine neue Sichtweise und eine neue Ausrichtung schenkt“. Das gelte auch für die Christen heute; sie sollten sich von der Begegnung mit Christus verwandeln lassen, um gemeinsam das Evangelium zu verbreiten.

„Es ist die gemeinsame Aufgabe aller Christen, der Welt mit Demut und Freude zu sagen: Schaut auf Christus! Kommt zu ihm! Nehmt sein Wort an, das erleuchtet und tröstet! Meine Lieben, die Gebetswoche für die Einheit der Christen ruft uns jedes Jahr dazu auf, unser gemeinsames Engagement für diese wichtige Sendung zu erneuern, in dem Bewusstsein, dass die Spaltungen unter uns zwar das Licht Christi nicht daran hindern zu leuchten, aber dennoch das Antlitz trüben, das es gegenüber der Welt widerspiegeln soll.“

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„Synodaler Prozess muss auch ökumenisch sein“

Der Papst erinnerte an den 1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa, den er zusammen mit anderen Christenführern im letzten Herbst bei seiner ersten Auslandsreise in der Türkei begangen hat. Es gelte, wie die Väter von Nizäa auch heute „den Männern und Frauen unserer Zeit mit einer Stimme den Glauben zu verkünden“. Dabei helfe das Bewusstsein, jetzt schon in den wesentlichen Punkten geeint zu sein.

Leo kam auch auf den synodalen Erneuerungsprozess in der katholischen Kirche zu sprechen. Dieser Prozess müsse, so sagte er mit einem Zitat seines Vorgängers Franziskus (2013-25), auch ökumenisch sein. Auch an den beiden Vollversammlungen der katholischen Weltsynode im Vatikan 2023 und 2024 hätten „brüderliche Delegierte“ aus anderen christlichen Kirchen teilgenommen, und sei ein „tiefer ökumenischer Eifer“ spürbar gewesen.

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Hinweis auf 2033

„Ich glaube, dass dies ein Weg ist, um gemeinsam im gegenseitigen Verständnis der jeweiligen synodalen Strukturen und Traditionen zu wachsen. Während wir auf das 2.000-jährige Jubiläum des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn Jesus im Jahr 2033 blicken, wollen wir uns bemühen, die ökumenischen synodalen Praktiken weiterzuentwickeln und einander mitzuteilen, wer wir sind, was wir tun und was wir lehren.“

Der Papst führte nicht genauer aus, wie er sich diesen gegenseitigen synodalen Lernprozess vorstellt. Interessant war sein Hinweis auf das Jahr 2033, für das die katholische Kirchenführung ein außerordentliches Heiliges Jahr angedacht hat. Bei seinem Besuch in der Türkei hat Leo XIV. über die Möglichkeit einer gemeinsamen, christlichen Pilgerfahrt nach Jerusalem gesprochen, um dort am originalen Schauplatz an Jesu Tod und Auferstehung vor 2.000 Jahren zu erinnern.

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„Einheit ist grundlegend – nicht wegen eines strategischen Vorteils, sondern zur Verkündigung des Evangeliums“

Der Papst fand in St. Paul vor den Mauern auch einige Worte für die Christen in Armenien, die dieses Jahr die Texte der Einheits-Gebetswoche erstellt hatten. Er bete darum, „dass die Samen des Evangeliums auf diesem Kontinent weiterhin Früchte der Einheit, der Gerechtigkeit und der Heiligkeit hervorbringen, auch zum Wohl des Friedens zwischen den Völkern und Nationen der ganzen Welt“. Und Leo zitierte auch seinen Vorgänger Johannes Paul II. (1978-2005), mit einer Mahnung: „dass die Christen tief davon überzeugt sein müssen, dass die Einheit grundlegend ist, nicht wegen eines strategischen Vorteils oder politischen Verdienstes, sondern im Interesse der Verkündigung des Evangeliums“.

Die Basilika St. Paul vor den Mauern ist eine der vier päpstlichen Basiliken von Rom. Sie steht an der Stelle, an der der Apostel Paulus nach seiner Hinrichtung beigesetzt worden ist. Bekannt ist die Basilika unter anderem durch die Mosaikporträts der Päpste, die im Langhaus angebracht sind. Diese Tradition soll auf das 5. Jahrhundert n.Chr. zurückgehen. Seit kurzem ist auch das sogenannte Tondo mit dem Porträt von Leo XIV. in der Reihe zu sehen; es wurde an diesem Sonntagabend angestrahlt.

(vatican news)
 

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25. Januar 2026, 18:14