Ökumenische Pilgerfahrt mit Papst in Jerusalem 2033? „Rasch vorbereiten", rät Pater
Delphine Allaire und Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
Frans Bouwen gehört zur „Gesellschaft der Missionare von Afrika“, bekannt als Weiße Väter. Er lebt seit 1969 in Jerusalem und engagiert sich seit mehr als 50 Jahren an der Annakirche für den ökumenischen und interreligiösen Dialog. Im Interview mit uns sagt der belgische Pater zur Idee eines gemeinsamen 2000-Jahr-Jubiläums der Erlösung, bei dem Christen im Jahr 2033 den 2000. Jahrestag der Auferstehung Jesu Christi gemeinsam in Jerusalem feiern:
„Die Ankündigung der Pilgerreise im Jahr 2033 lenkt den Blick auf die Heilsereignisse, die im Zentrum des Glaubens stehen: Die Menschwerdung und das Leben Jesu, sein Leiden und Sterben, seine Auferstehung. Daher ist es nur folgerichtig, dass Jerusalem, der Ort, an dem diese Ereignisse stattfanden, das Ziel dieser Reise ist."
Pater Bouwen betont, dass es auch bedeutsam sei, dass der Vorschlag von Papst Leo XIV. zu dieser gemeinsamen Pilgerreise beim Gedenken an das Konzil von Nizäa gemacht wurde. Bei den Gedenkfeiern im November in der Türkei mit Papst Leo XIV. waren mehr als 20 verschiedene christliche Kirchen vertreten.
„Die Kirchenvertreter saßen in kollegialer Atmosphäre an einem runden Tisch. Es wäre wichtig, dass alle Vorbereitungen für die Feierlichkeiten im Jahr 2033 in diesem gleichen brüderlichen Geist getroffen werden, als ökumenische und synodale Pilgerreise."
Historisches Vorbild: Die Pilgerreise von Paul VI.
Eine Pilgerreise nach Jerusalem sei immer Zeichen der Erneuerung und gleichzeitig der Erinnerung an die eigenen Wurzeln. Bouwen erinnert im Interview mit Radio Vatikan daran, dass vor Leo XIV. bereits ein anderer Papst eine Pilgerreise ins Heilige Land im Zusammenhang mit einem Konzil und zur Stärkung der Ökumene unternahm:
„Papst Paul VI. hatte zu Beginn seines Pontifikats dieselbe Intuition, als er im Januar 1964 eine Pilgerreise ins Heilige Land und nach Jerusalem unternahm. Sein sehnlicher Wunsch war es, das Zweite Vatikanische Konzil und durch das Konzil die Kirche selbst fest in dem Geheimnis zu verwurzeln, das den Ursprung ihrer Gründung und ihrer Mission bildete. Und ich denke, dass wir alle in diesem Sinne eingeladen sind, unseren Weg bis zum Jahr 2033 zu gehen."
Der Priester erinnert auch an den Friedensgruß von Papst Paul VI., der aus dem heiligen Land um die Welt ging, und an den Durchbruch in der Ökumene. Das Treffen mit dem Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen weltweit, dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Athenagoras in Jerusalem legte den Grundstein zu einer Erklärung im folgenden Jahr, in der beide Kirchen ihre gegenseitige Exkommunikation aus dem Jahr 1054 widerriefen.
Ökumenisch und synodal
„Ihre herzliche Umarmung und der Friedensgruß wurden zu einem Bild, fast ikonisch, zu einem Versprechen für ihren gemeinsamen Weg zur vollen Gemeinschaft. Ob man dasselbe über die Pilgerreise 2033 sagen wird? Alles hängt von ihrer Authentizität ab. Wenn diese Pilgerreise lange vor ihrer Ankunft beginnt, kann sie ein Zeichen und eine Erinnerung an die Erneuerung aller sein, und zwar gemeinsam. Das wäre schon jetzt ein sehr aussagekräftiges Zeichen."
Wie die Vorbereitung auf eine gemeinsame Pilgerreise nach Jerusalem 2033 aussehen sollte? Pater Bouwen meint, man solle auf den Heiligen Geist vertrauen. Und er rät:
„Nun gilt es zu überlegen, wie die ökumenische Dimension in den Jahren der Vorbereitung gesichert und ausgebaut werden kann. Papst Franziskus sagte gerne, dass Einheit durch gemeinsames Voranschreiten entsteht. Ich würde sagen, dass die Vorbereitungen in gewisser Weise synodal sein sollten: Kontakte zu den Kirchen knüpfen, Arbeitsgruppen bilden, sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene."
Der Ökumene-Experte aus Jerusalem plädiert dafür, unverzüglich Kontakt aufzunehmen und mit den Patriarchen und Oberhäuptern der Kirchen Jerusalems gemeinsam zu überlegen, wie die Vorbereitungen konkret aussehen können. Er empfiehlt, zeitnah Patriarch Theophilos III. von Jerusalem einzubeziehen:
„Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem ist von allen anerkannt, daher wäre es gut, die Kontakte mit ihm zu beginnen. Aber ich sage auch, dass all das nicht von heute auf morgen geschehen wird. Wir müssen überlegen, wie wir vorgehen sollen, aber die Kirche von Jerusalem muss so schnell wie möglich einbezogen werden, um gemeinsam mit ihr die vor Ort bestehenden Möglichkeiten zu prüfen."
(vatican news - sst)
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