Papst an Diplomaten-Akademie: „Denkende Nächstenliebe statt Taktik“
Mario Galgano - Vatikanstadt
In seinem Schreiben blickt der Pontifex auf die Ursprünge unter Papst Clemens XI. zurück und betont, dass sich die Ausbildung stets an den Erfordernissen der Kirche und der Welt angepasst habe. Besonders hob der Bischof von Rom die Reformen seines Vorgängers Papst Franziskus hervor, der die Akademie enger an das Staatssekretariat angebunden und sie als Zentrum für Spitzenforschung in den Diplomatiewissenschaften qualifiziert hatte.
Integration von Fachwissen und Priestertum
Leo XIV. dankte den Vorgesetzten und Studenten für den eingeschlagenen Weg der Erneuerung, „ohne die Wurzeln zu vergessen“. Das Ziel der Ausbildung sei es, eine solide wissenschaftliche Basis – von Jura über Politik bis hin zu Sprachen – mit der menschlichen und priesterlichen Reife der jungen Geistlichen zu verbinden.
„Ich wünsche mir, dass dieser glückliche Anlass bei den Studenten ein erneuertes Engagement weckt“, schreibt das Oberhaupt der katholischen Kirche. Er erinnert eindringlich daran: „Der diplomatische Dienst ist kein Beruf, sondern eine pastorale Berufung: Er ist die evangeliale Kunst der Begegnung, die Wege der Versöhnung sucht, wo Menschen Mauern und Misstrauen errichten.“
Diplomatie als „denkende Nächstenliebe“
Deutlich grenzt der Papst das vatikanische Wirken von rein säkularer Machtpolitik ab. Die Diplomatie des Heiligen Stuhls entspringe direkt dem Evangelium. „Sie ist keine Taktik, sondern denkende Nächstenliebe; sie sucht weder Sieger noch Besiegte, sie baut keine Barrieren auf, sondern stellt authentische Bindungen wieder her.“
Um diese Gemeinschaft aufzubauen, sei eine Tugend unerlässlich: das Zuhören. „Bevor ein Wort gesprochen wird, muss das Zuhören kommen: das Hören auf Gott und das Hören auf die Kleinen, auf jene, deren Stimme oft nicht gehört wird.“ Die Diplomaten des Vatikans seien gerufen, „Brücken“ zu sein – „unsichtbare Brücken zur Unterstützung, feste Brücken in schwierigen Zeiten und Brücken der Hoffnung, wenn das Gute wankt.“
Der Schutzpatron als Vorbild
Zum Abschluss des Briefes verweist Leo XIV. auf den heiligen Antonius den Großen (Antonius Abbas), den Patron der Akademie. Wie dieser die Stille der Wüste in einen fruchtbaren Dialog mit Gott verwandelte, so sollen auch die künftigen Diplomaten Priester von „tiefer Spiritualität“ sein. Nur aus dem Gebet könne die Kraft fließen, anderen Menschen wahrhaft zu begegnen.
Der Brief, der offiziell auf den 21. November 2025 datiert ist, schließt mit dem Apostolischen Segen für die gesamte Gemeinschaft der Akademie. Er setzt ein klares Zeichen für die Fortführung des Kurses einer „aktiven Neutralität“ und des unermüdlichen Einsatzes für den Dialog in einer zunehmend fragmentierten Weltordnung.
(vatican news)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
