Papst beim Konsistorium: „Nicht die Kirche zieht an, sondern Christus“
Mario Galgano - Vatikanstadt
In seiner Eröffnungsansprache knüpfte er an das Hochfest der Erscheinung des Herrn an und definierte das Wesen der Kirche über das Licht Christi, das auf ihrem Antlitz widerscheinen müsse. Leo XIV. griff dabei ein Konzept auf, das bereits seine Vorgänger Benedikt XVI. und Franziskus geprägt hatten: Die Kirche wachse nicht durch „Proselytismus“ (Abwerbung), sondern durch „Anziehung“. Er präzisierte diesen Gedanken jedoch mit einem deutlichen theologischen Akzent: „Tatsächlich ist es nicht die Kirche, die anzieht, sondern Christus.“ Wenn eine kirchliche Gemeinschaft anziehend wirke, dann nur, weil durch sie die „Lebenskraft der göttlichen Liebe“ aus dem Herzen des Erlösers fließe.
Einheit als Voraussetzung für Glaubwürdigkeit
In einer Zeit globaler Zerrissenheit mahnte der Papst die Einheit des Kardinalskollegiums an. „Einheit zieht an, Spaltung zerstreut“, so der Pontifex. Er verglich dieses Prinzip sogar mit physikalischen Gesetzen im Mikro- und Makrokosmos. Für eine missionarische Kirche sei das Gebot der gegenseitigen Liebe die einzige Basis: „Nur die Liebe ist glaubwürdig und vertrauenswürdig.“
Das Konsistorium, das sich aus einer „sehr vielfältigen Gruppe“ verschiedenster Kulturen und Traditionen zusammensetzt, solle ein Modell der Kollegialität vorleben. Der Papst forderte die Kardinäle auf, sich kennenzulernen und im Dialog zu wachsen, um ihn in seiner „schweren Verantwortung der Leitung der Weltkirche“ zu unterstützen.
Strategische Schwerpunkte: Mission, Kurie und Synodalität
Das Konsistorium werde sich intensiv mit vier zentralen Themen beschäftigen und zwar mit Evangelii gaudium. Da gehe es um die Mission der Kirche in der modernen Welt. Es gehe auch um Praedicate Evangelium: Die Reform und der Dienst des Heiligen Stuhls an den Teilkirchen. Ein weiterer Bereich sei die Synodalität. Da gehe es um den neuen Stil der Zusammenarbeit innerhalb der Kirche. Und schliesslich geht es um die Liturgie, die Quelle des christlichen Lebens.
Der Papst betonte, dass er vor allem gekommen sei, um zuzuhören. Die synodale Dynamik, die bereits in den Weltbischofssynoden 2023 und 2024 eingeübt wurde, solle nun auch das Handeln des Kardinalskollegiums bestimmen.
„Non multa, sed multum“
Für die Arbeitsweise gab Leo XIV. eine klare Devise aus: „Non multa, sed multum“ – nicht viele Dinge, sondern das Wesentliche solle mit Tiefgang behandelt werden. Er bat die Kardinäle, kurz und prägnant nur die wichtigsten Prioritäten für die kommenden zwei Jahre zu benennen. Ziel sei kein fertiger Text, sondern ein offener Austausch, der dem Petrusdienst Orientierung gibt.
„Auch aus der Art und Weise, wie wir lernen, in Brüderlichkeit und aufrichtiger Freundschaft zusammenzuarbeiten, kann etwas Neues entstehen“, schloss das katholische Kirchenoberhaupt seine Ansprache, bevor die Kardinäle in die geschlossenen Beratungen gingen.
Klare thematische Schwerpunktsetzung
Die rund 170 Kardinäle aus aller Welt einigten sich in einer Abstimmung darauf, die kommenden Sitzungen den Themen „Synode und Synodalität“ sowie „Evangelisierung und Mission im Lichte von Evangelii gaudium“ zu widmen.
Damit setzten sich diese Schwerpunkte gegen die ebenfalls zur Auswahl stehenden Themen „Liturgie“ und die Kurienreform „Praedicate Evangelium“ durch. Vatikansprecher Matteo Bruni stellte gegenüber Journalisten am Mittwochabend jedoch klar, dass die nicht gewählten Themen dadurch nicht ignoriert würden: „Der Papst hat die Dringlichkeit einiger Themen wahrgenommen; man wird Wege finden, sie innerhalb der gewählten Schwerpunkte zu behandeln“, so Bruni.
Methodik des Dialogs
Bemerkenswert sei die Arbeitsweise des Konsistoriums, so Bruni: Die Kardinäle arbeiten nach der „synodalen Methode“, die bereits bei den letzten Weltbischofssynoden angewandt wurde. In 20 sprachlich gegliederten Kleingruppen saßen die Teilnehmer an runden Tischen in der vatikanischen Audienzhalle, um im direkten Austausch – mit Redebeiträgen von maximal drei Minuten – Prioritäten zu setzen.
Papst Leo XIV., der die Sitzung mit den Worten „Ich bin hier, um zuzuhören“ eröffnete, nahm zwar nicht an den Gruppendiskussionen teil, kehrte aber am späten Nachmittag zurück, um die Berichte der ersten neun Gruppenvertreter entgegenzunehmen.
(vatican news)
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