Papst Leo: Kardinäle sollen innehalten und gemeinsam unterscheiden
Zu Beginn der Predigt stellte der Papst das Konsistorium als „Moment der Gnade“ dar, „in dem unsere Einheit im Dienst der Kirche zum Ausdruck kommt“. Leo erinnerte daran, dass der Begriff Konsistorium von „consistere“, also „Halt machen“, stamme. Die Kardinäle seien „stehen geblieben“, um gemeinsam zu prüfen, „was der Herr zum Wohl seines Volkes von uns verlangt“.
Dieses Innehalten bezeichnete Leo XIV. als „sehr bedeutungsvolle, prophetische Geste“ in einer hektischen Gesellschaft. Es gehe darum, „innezuhalten, um zu beten, zuzuhören, nachzudenken“ und die eigenen Projekte einer geistlichen Unterscheidung zu unterziehen. „Wir sind nämlich nicht hier, um ‚Agenden‘ – persönliche oder von einzelnen Gruppen – voranzubringen“, erklärte der Papst.
Das Kardinalskollegium will Leo XIV. vorrangig als geistliche Gemeinschaft verstanden wissen. Es sei „in erster Linie nicht dazu berufen, ein Expertenteam zu sein, sondern eine Glaubensgemeinschaft“. Die Kirche lebe aus einer „trinitarischen“, „relationalen“ Liebe, aus der eine „Spiritualität der Gemeinschaft“ erwachse.
Der Papst beschrieb das gemeinsame Innehalten als „großen Akt der Liebe – zu Gott, zur Kirche und zu den Männern und Frauen auf der ganzen Welt“. Dazu gehörten Gebet und Stille ebenso wie gegenseitiges Zuhören. Die Kardinäle sollten sich als Stimme der Menschen verstehen, „die der Herr unserer Hirtensorge in den unterschiedlichsten Teilen der Welt anvertraut hat“.
Mit Blick auf die Not der Welt griff Leo XIV. das Evangelium auf. Angesichts einer hungernden Menschheit fühlten sich auch heute viele „unzulänglich und mittellos“. Dennoch gelte Jesu Frage und Auftrag: „Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach!“ Genau das „können wir gemeinsam tun“, sagte der Papst vor den Kardinälen. Man werde nicht immer sofort Lösungen finden. „Aber immer, an jedem Ort und unter allen Umständen, können wir uns gegenseitig helfen – und insbesondere dem Papst helfen –, die „fünf Brote und zwei Fische“ zu finden, an denen es die Vorsehung niemals fehlen lässt, wenn ihre Kinder um Hilfe bitten; und sie anzunehmen, sie zu übergeben, zu empfangen und zu verteilen, angereichert durch den Segen Gottes und den Glauben und die Liebe aller, so dass es niemandem am Nötigen mangelt.“
Papst dankt Kardinälen für ihren Dienst
Zum Abschluss dankte Leo XIV. den Kardinälen für ihren Dienst, der „etwas Großes und äußerst Persönliches und Tiefes“ sei, „für jeden einzigartig und für alle wertvoll“. Die mit dem Papst geteilte Verantwortung der Kardinäle bezeichnete Leo als „schwer und eine große Bürde“.
155 Kardinäle konzelebrierten bei der Messe am Kathedra-Altar des Petersdoms. Zum außerordentlichen Konsistorium sind alle Kardinäle der Weltkirche eingeladen, rund 170 nehmen teil. Am Mittwochabend hatte sich die Versammlung, die nach Art der Synode an runden Tischen in der Audienzhalle tagt, per Abstimmung auf zwei von vier vom Papst vorgeschlagenen Themen geeinigt: Mission und Synodalität. Das zweitägige Konsistorium endet an diesem Donnerstagabend.
Leos Vorgänger Franziskus hatte drei außerordentliche Konsistorien einberufen, das letzte fand Ende August 2022 statt.
(vatican news – gs)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
