Papst an Regnum Christi: „Keine Scheu vor neuen Leitungsformen“
Anne Preckel – Vatikanstadt
Die Papstansprache an die Laien-Bewegung der Ordensgemeinschaft kreiste um die Begriffe Charisma, Leitung und Gemeinschaft. Leo XIV. ermutigte die international tätige katholische Bewegung zunächst dazu, sich intensiv mit der eigenen Identität und dem eigenen Charisma auseinanderzusetzen.
„Heute ist es wichtiger denn je, zu wissen, wer wir sind, wenn wir einen authentischen Dialog mit der Gesellschaft führen wollen, ohne uns von ihr vereinnahmen oder vereinheitlichen zu lassen“, erinnerte der Papst - das sei auch für eine erfolgreiche Evangelisierung in verschiedenen Kontexten „unerlässlich“. Das Charisma dürfe nicht erstarren, sondern sei eine „Energie und Quelle“, die es „lebendig“ zu erhalten gelte.
Leitung meint Dienst
Damit verbunden sieht der Papst die Frage der Leitung, die die Gemeinschaft brauche, „um reife Entscheidungsprozesse einleiten zu können“, wie Leo XIV. formulierte. „Eine wahrhaft evangelische Leitung ist stets auf den Dienst ausgerichtet“, erinnerte er: „Sie unterstützt, begleitet und hilft jedem Mitglied, dem Bild des Erlösers immer ähnlicher zu werden.“
In diesem Sinne sei eine „gemeinschaftliche Entscheidungsfindung der ideale Raum, in dem gemeinsame Entscheidungen reifen und Gemeinschaft und Mitverantwortung entstehen können“, gab der Papst zu bedenken. Und er ermutigte zu neuen Wegen: „Scheuen Sie sich nicht, neue Leitungsformen auszuprobieren; es ist wichtig, stets zu bedenken, dass die gemeinsame Suche nach einem unverwechselbaren Stil der Autoritätsausübung Wege eröffnet, die nicht nur die Gemeinden und ihre einzelnen Mitglieder bereichern, sondern auch das Zugehörigkeitsgefühl und die Teilhabe an der gemeinsamen Mission stärken.“
Drittens rief der Papst dazu auf, die Gemeinschaft in der Regnum Christi-Familie „immer weiter zu vertiefen“, „Spiritualität und Apostolat zu teilen“ und ihre Berufung „voll und ganz zu leben“. „Sie sind verpflichtet, durch Ihr Leben Zeugnis für die Treue zum empfangenen Charisma abzulegen“, schärfte er ein. Alle Gläubigen wirkten zusammen:
„Einheit in der Taufwürde und Vielfalt der Berufungen stehen nicht im Widerspruch, sondern erhellen sich gegenseitig. Organische Gemeinschaft in Vielfalt ist das Wirken des Heiligen Geistes, der jede Berufung in den Dienst am Nächsten verwandelt, damit der Leib Christi in der Geschichte wachsen und seine Sendung in der Welt erfüllen kann.“
Neuanfang
Im Zusammenhang mit dem Gründer der „Legionäre Christi“, dem mexikanischen Priester Marcial Maciel (1920-2008), waren Anfang der 2000er Jahre schwere Missbrauchsfälle bekannt geworden. Ein Prozess der Erneuerung und Aufarbeitung kam in Gang, den die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus unterstützten. Leos Vorgänger Franziskus hatte im Jahr 2020 das Bemühen der Legionäre Christi, die sich von ihrem Gründer distanzierten, um einen Neuanfang gewürdigt. Allerdings wurden 2023 in Chile erneut Vorwürfe gegen die Legionäre laut.
Die „Legionäre Christi“ zählten 2020 nach eigenen Angaben rund 1.540 Mitglieder in 21 Ländern. Sie sind überwiegend in der Kinder-, Jugend- und Familienseelsorge und in katholischen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen tätig.
(vatican news – pr)
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