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Bei der Audienz mit Mitarbeitenden und Mitgliedern des Glaubensdikasteriums im Vatikan Bei der Audienz mit Mitarbeitenden und Mitgliedern des Glaubensdikasteriums im Vatikan  (@Vatican Media)

Leo XIV.: Missbrauchsfälle mit Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe untersuchen

Der Papst hat die Mitarbeitenden und Mitglieder des Dikasteriums für die Glaubenslehre dazu aufgerufen, die Untersuchung von Missbrauchsfällen konsequent an den Maßstäben von Gerechtigkeit, Wahrheit und Nächstenliebe auszurichten. Leo XIV. äußerte sich bei einer Audienz für die Vollversammlung des Dikasteriums für die Glaubenslehre an diesem Donnerstag im Vatikan.

Leo, der vor seiner Wahl zum Papst als Präfekt der vatikanischen Bischofsbehörde täglich mit den Belangen von Bischöfen befasst war, bat darum, die Bischöfe und Generaloberen „mit Wohlwollen und Urteilskraft aufzunehmen und zu begleiten“, wenn sie mit Fällen sexualisierter Gewalt in den ihnen anvertrauten Diözesen und Ordensgemeinschaften konfrontiert sind. Es handle sich „um einen sehr heiklen Bereich des Dienstes“, fuhr der Papst fort. Man müsse sicherstellen, „dass die Erfordernisse der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Nächstenliebe stets gewahrt und respektiert werden“.

Bereits seit 25 Jahren liegt die Zuständigkeit bei besonders schweren Straftaten innerhalb der Kirche, darunter sexueller Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker, bei der Glaubensbehörde in Rom. Angeordnet hatte dies Papst Johannes Paul II. in seinem Motu proprio „Sacramentorum sanctitatis tutela” von 2001. Präfekt der Behörde war damals Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.

Gruppenbild mit Papst
Gruppenbild mit Papst   (@VATICAN MEDIA)

Bei der Audienz an diesem Donnerstag dankte Papst Leo den Kardinälen, Bischöfen und Mitarbeitenden der Behörde für ihren Dienst und sprach von der vorrangigen Aufgabe, „die Integrität der katholischen Lehre über den Glauben und die Moral zu fördern und zu schützen“. Dazu gehöre auch der Auftrag, „Klärungen zur Lehre der Kirche anzubieten, durch pastorale und theologische Hinweise zu oft sehr heiklen Fragen“, so der Papst. In den vergangenen zwei Jahren habe die Behörde eine Reihe zentraler Dokumente vorgelegt, die Orientierung geben sollten. Diese Arbeit trage dazu bei, dem Gottesvolk „eine klare und bereite Antwort der Kirche“ zu geben, gerade angesichts neuer Phänomene der Gegenwart.

Leo nannte eine Reihe von Dokumenten, die die Glaubensbehörde – seit Juli 2023 unter Leitung des argentinischen Kardinals Víctor Manuel Fernández – ab 2024 veröffentlichte. Darunter waren die Note Die Königin des Friedens über den Wallfahrtsort Medjugorje, das gemeinsam mit dem Dikasterium für Kultur und Bildung erarbeitete Dokument Antiqua et nova über Künstliche Intelligenz, die Note Mater Populi fidelis, die den Marientitel „Miterlöserin“ für unzulässig erklärte, und zuletzt die Note Una caro. Lob der Monogamie über die Einheit der Ehe zwischen Mann und Frau als exklusive Lebensgemeinschaft.

Weitergabe des Glaubens: Dringliches Thema

Besonders würdigte Leo XIV. die Beratungen der Vollversammlung zur Weitergabe des Glaubens. Dieses Thema sei von „großer Dringlichkeit“ in einer Zeit, in der es zu einem Bruch in der Weitergabe des christlichen Glaubens zwischen den Generationen gekommen sei. Vor allem in Regionen mit langer christlicher Tradition wachse die Zahl jener, „die das Evangelium nicht mehr als grundlegende Ressource für ihre Existenz wahrnehmen“, erklärte der Papst. Viele junge Männer und Frauen lebten ohne Bezug zu Gott und zur Kirche. Das verursache Schmerz, müsse die Kirche aber zugleich dazu führen, die „süße und tröstliche Freude des Evangelisierens“ neu zu entdecken.

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Die Kirche wolle missionarisch sein und über sich selbst hinausblicken, sagte Leo XIV. Das Evangelium werde nicht durch Selbstdarstellung verkündet, sondern durch Anziehungskraft. „Nicht die Kirche zieht an, sondern Christus“, erklärte der Papst. Wo Christen oder kirchliche Gemeinschaften anziehend wirkten, geschehe dies, weil durch sie „die lebensspendende Kraft der Liebe fließt, die aus dem Herzen des Erlösers hervorströmt“.

Leo legt der Glaubensbehörde Demut ans Herz

Zugleich mahnte Leo XIV. die Mitarbeitenden und die Mitglieder der Glaubensbehörde zu Demut. In der Kirche müsse sich jeder „immer und ausschließlich als einfacher und demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn“ verstehen, so der Papst mit einem Zitat von Benedikt XVI, der sich mit diesen Worten 2005 als Papst der Welt vorgestellt hatte.

Zu den Mitgliedern der Behörde zählen unter anderem der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, Präfekt des Ökumene-Dikasteriums, sowie der Regensburger Bischof Josef Voderholzer. Er kann aufgrund der Vollversammlung in Rom nicht an der letzten Sitzung des „Synodalen Wegs“ in Deutschland teilnehmen. Beigeordneter Sekretär der Glaubensbehörde ist der maltesische Erzbischof Charles Scicluna, der als ausgewiesener Experte in der Missbrauchsaufarbeitung und -Prävention gilt.

(vatican news – gs)

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29. Januar 2026, 13:05