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Kardinal Victor Manuel Fernández, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre (Archivfoto) Kardinal Victor Manuel Fernández, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre (Archivfoto) 

Vatikan: Kardinal Fernández mahnt zu intellektueller Demut

Zum Auftakt der Plenarsitzung des Dikasteriums für die Glaubenslehre hat dessen Präfekt, Kardinal Victor Manuel Fernández, eine eindringliche Warnung vor religiösem und intellektuellem Hochmut ausgesprochen. Wer die eigene Begrenztheit vergesse, laufe Gefahr, dieselben Fehler zu wiederholen, die historisch zu den Exzessen der Inquisition oder den Gräueln der Weltkriege geführt hätten.

Salvatore Cernuzio und Mario Galgano - Vatikanstadt

In seiner Eröffnungsmeditation an diesem Dienstag rief der argentinische Kardinal die rund 70 Teilnehmer im Vatikan zu einem „gesunden Realismus“ auf. Scharf kritisierte er die heutige Internetkultur: Auf unzähligen Blogs würden Menschen, oft ohne theologische Vorbildung, Meinungen äußern und Urteile fällen, als sprächen sie „ex cathedra“ – also mit dem Anspruch auf unfehlbare Wahrheit.

Die Gefahr der vermeintlichen Unfehlbarkeit

Fernández betonte, dass das Bewusstsein für die eigene Unzulänglichkeit und das Bedürfnis nach Gott essenziell seien, um nicht in einen „furchtbaren Trugschluss“ zu geraten. Dieser Trugschluss, so der Kardinal, habe in der Geschichte immer wieder zu Katastrophen geführt. Wörtlich nannte er die „Exzesse der Inquisition, die Weltkriege, die Shoah und die Massaker im Gazastreifen“. All dies seien Situationen, die oft mit „trügerischen Argumenten“ gerechtfertigt wurden, weil man sich der eigenen Sichtweise zu sicher war.

„Das Problem ist, dass dasselbe in unser aller Leben passieren kann“, warnte der Kardinal. „Wir wiederholen diesen Betrug, wenn wir zu sicher in dem leben, was wir zu wissen glauben.“

Gemeinsame Suche statt doktrinärer Verschließung

Der Präfekt erinnerte an die Worte von Papst Leo XIV., wonach „niemand die ganze Wahrheit besitzt“. Alle seien aufgerufen, sie demütig und gemeinsam zu suchen. Eine Kirche, die sich nicht in sich selbst verschließe, müsse Gott zuhören, um auf die gleiche Weise allen Menschen zuhören zu können.

Dies gelte besonders für Theologen, deren Wissen heute oft auf Einzeldisziplinen begrenzt sei, während die Geheimnisse des Glaubens in einer „kostbaren Hierarchie“ miteinander verwoben seien.

Die Grenzen des Denkens und die Rolle der Technologie

Obwohl Gott dem Menschen die Fähigkeit zum universellen Denken geschenkt habe, bedeute dies keine „Fähigkeit zur Erschöpfung oder ganzheitlichen Wahrnehmung der Realität“. Selbst mit der Hilfe „mächtigster Technologien“ sei es dem menschlichen Geist unmöglich, die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit zu erfassen.

Kardinal Fernández schloss seine Meditation mit einem Plädoyer für das Schweigen und das Gebet. Er zitierte den heiligen Bonaventura, wonach das „innere Schweigen mehr zur Erfahrung Gottes beiträgt als das Wort“. Das Treffen des Dikasteriums dauert noch bis Donnerstag und wird sich mit verschiedenen aktuellen theologischen und disziplinären Fragen befassen.

(vatican news)

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27. Januar 2026, 12:25