Suche

Papst Leo: „Gibt es Leben in unserer Kirche?“

Papst Leo XIV. hat unmittelbar nach der Schließung der Heiligen Pforte und dem Ende des Heiligen Jahres kritische Anfragen an die Kirche gestellt.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Millionen von Menschen haben die Schwelle der Kirche überschritten“, sagte er in seiner Predigt zum Hochfest der Erscheinung des Herrn. „Was haben sie gefunden? … Fragen wir uns: Gibt es Leben in unserer Kirche? Gibt es Raum für das, was entsteht? Lieben und verkünden wir einen Gott, der Menschen wieder auf den Weg zurückbringt?“

Vergleichbar kritisch war Leos Zungenschlag im Hinblick auf die heutige Gesellschaft. „Um uns herum versucht eine entstellte Wirtschaft, aus allem Profit zu schlagen. Wir sehen es: Der Markt macht sogar aus dem menschlichen Verlangen zu suchen, zu reisen, neu anzufangen ein Geschäft.“ Demgegenüber sei das Hochfest der Erscheinung des Herrn von „Großzügigkeit“ geprägt.

  (@Vatican Media)

„Den Menschen nicht auf einen Konsumenten degradieren“

„Fragen wir uns: Hat uns das Heilige Jahr gelehrt, jener Art von Effizienz zu entfliehen, die alles auf ein Produkt und den Menschen auf einen Konsumenten reduziert? Werden wir nach diesem Jahr besser in der Lage sein, im Besucher einen Pilger, im Unbekannten einen Suchenden, im Fernen einen Nächsten, im Anderen einen Weggefährten zu erkennen?“

Der Papst hatte vor der Messfeier die Heilige Pforte am Petersdom geschlossen und damit offiziell das Heilige Jahr 2025, das noch sein Vorgänger Franziskus eröffnet hatte, für beendet erklärt. Zu den Klängen von „Adeste fideles“ (Nun freut euch, ihr Christen) zog Leo dann in die Basilika ein. An der feierlichen Messfeier nahmen auch der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und der römische Bürgermeister Romano Gualtieri sowie zahlreiche Kardinäle teil.

  (@Vatican Media)
Große Messfeier des Papstes zum Hochfest der Offenbarung des Herrn - Radio Vatikan

Die geistliche Suche der Menschen von heute

In seiner Predigt las Leo die biblische Erzählung der Sterndeuter vor der Folie der „geistlichen Suche unserer Zeitgenossen“. Sie sei „viel reichhaltiger, als wir es vielleicht begreifen können“. Der Papst zeigte Respekt davor, dass in einer „abweisenden und gefährlichen Welt“ wie der unseren immer noch viele Menschen „die Herausforderung annehmen“ und sich suchend „auf den Weg machen“.

„Gott stellt die bestehende Ordnung in Frage“

„Homo viator, sagten die Alten. Unser Leben ist ein Weg. Das Evangelium verpflichtet die Kirche, diese Dynamik nicht zu fürchten, sondern sie zu schätzen und auf Gott auszurichten, der sie hervorbringt. Er ist ein Gott, der uns beunruhigen kann… Das Heilige Jahr hat stattgefunden, um uns daran zu erinnern, dass es möglich ist, neu anzufangen, ja, dass wir sogar noch am Anfang stehen, dass der Herr unter uns wachsen will, dass er der Gott-mit-uns sein will. Ja, Gott stellt die bestehende Ordnung in Frage…“

  (@Vatican Media)

Unsere Kirchen nicht zu Denkmälern degradieren

Das Geheimnis der Offenbarung Jesu könne uns niemand „verkaufen“, es sei „ein Gut ohne Preis und ohne Maß“.

„Ja, der Herr überrascht uns immer noch! Er lässt sich finden. Seine Wege sind nicht unsere Wege, und die Gewalttätigen können sie nicht beherrschen, noch können die Mächte der Welt sie blockieren… Wenn wir unsere Kirchen nicht zu Denkmälern degradieren, wenn unsere Gemeinschaften Heimat sind, wenn wir gemeinsam den Verlockungen der Mächtigen widerstehen, dann werden wir die Generation der Morgenröte sein.“

(vatican news)

  (@Vatican Media)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

06. Januar 2026, 11:10