Wortlaut: Angelus von Papst Leo XIV.
Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!
Wir haben in dieser Zeit mehrere Feiertage erlebt und schon der Name des Hochfestes Erscheinung des Herrn lässt uns erahnen, was auch in schwierigen Zeiten Freude möglich macht. Wie ihr wisst, bedeutet das Wort „Epiphanie“ nämlich „Erscheinung“, und unsere Freude entspringt einem Geheimnis, das nicht mehr verborgen ist. Das Leben Gottes hat sich offenbart: viele Male und auf verschiedene Weise, aber mit endgültiger Klarheit in Jesus, sodass wir nun wissen, dass wir auch inmitten vieler Bedrängnisse hoffen können. „Gott rettet”: Er hat keine anderen Absichten, er hat keinen anderen Namen. Nur das, was befreit und rettet, kommt von Gott und ist Erscheinung Gottes.
Sich wie die Sterndeuter vor dem Kind von Betlehem niederzuknien bedeutet auch für uns, zu bekennen, dass wir das wahre Menschsein gefunden haben, in dem die Herrlichkeit Gottes aufleuchtet. In Jesus ist das wahre Leben erschienen, der lebendige Mensch, der nicht nur für sich selbst, sondern offen und in Gemeinschaft lebt, das uns sagen lässt: »Wie im Himmel, so auf der Erde« (Mt 6,10). Ja, das göttliche Leben ist in unserer Reichweite, es hat sich gezeigt, um uns miteinzubeziehen in seine befreiende Dynamik, die Ängste auflöst und uns einander in Frieden begegnen lässt. Es ist eine Möglichkeit, eine Einladung: Gemeinschaft kann nicht erzwungen werden, aber was kann man sich mehr wünschen?
Im Evangelium und in unseren Krippen überreichen die Sterndeuter dem Jesuskind kostbare Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe (vgl. Mt 2,11). Diese Dinge scheinen für ein Kind nicht besonders nützlich zu sein, doch sie bringen eine Absicht zum Ausdruck, die uns am Ende des Jubiläumsjahres sehr zu denken gibt. Wer alles gibt, gibt viel. Erinnern wir uns an die arme Witwe, auf die Jesus aufmerksam wurde, als sie ihre letzten Münzen, alles, was sie hatte, in den Opferkasten warf (vgl. Lk 21,1-4). Wir wissen nicht, was die aus dem Osten kommenden Sterndeuter besaßen, aber die Tatsache, dass sie aufgebrochen sind, dass sie Risiken eingegangen sind, und auch ihre Gaben selbst legen nahe, dass alles, wirklich alles, was wir sind und haben, danach verlangt, Jesus, dem unschätzbaren Schatz, übereignet zu werden. Und das Heilige Jahr hat uns an diese auf Selbstlosigkeit basierende Gerechtigkeit erinnert: Es enthält schon in sich den Aufruf, das Zusammenleben neu zu gestalten, das Land und die Ressourcen wieder neu zuzuteilen, „das, was man hat” und „das, was man ist” wieder den Plänen Gottes unterzuordnen, die größer sind als unsere eigenen.
Meine Lieben, die Hoffnung, die wir verkünden, muss realistisch sein: Sie kommt vom Himmel, aber um hier auf Erden etwas Neues entstehen zu lassen. In den Gaben der Sterndeuter sehen wir also das, was jeder von uns mit anderen teilen kann, was er nicht mehr für sich behalten, sondern weitergeben kann, auf dass Jesus in unserer Mitte wachsen kann. Möge sein Reich wachsen, mögen seine Worte in uns Wirklichkeit werden, mögen Fremde und Gegner zu Brüdern und Schwestern werden, möge anstelle von Ungleichheit Gerechtigkeit herrschen, möge sich anstelle der Kriegsindustrie das Handwerk des Friedens etablieren. Lasst uns als Weber der Hoffnung auf einem anderen Weg in die Zukunft gehen (vgl. Mt 2,12).
(vatican news)
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