Petersdom, 6. Januar 2013: Papst Benedikt XVI. spendet Georg Gänswein die Bischofsweihe Petersdom, 6. Januar 2013: Papst Benedikt XVI. spendet Georg Gänswein die Bischofsweihe

Gänswein zu Benedikt: Gott allein weiß, was er mir geschenkt hat

Am dritten Todestag Benedikts XVI. würdigt Erzbischof Georg Gänswein seinen ehemaligen Chef als „glaubwürdigen Nachfolger des heiligen Petrus, wortmächtigen Theologen und unerschrockenen Verkünder des Glaubens, dessen Wirken von der Liebe zu Christus und zur Kirche geprägt war.“

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Benedikts langjähriger Privatsekretär Georg Gänswein, heute Päpstlicher Nuntius für das Baltikum, konnte dieses Jahr bei der Gedenkfeier in Rom leider nicht mit dabei sein. Im Interview mit Radio Vatikan erinnert sich der Erzbischof, der der engste Mitarbeiter von Benedikt XVI. war, an die Jahre an der Seite des deutschen Papstes.

Hier hören Sie das Interview mit Erzbischof Georg Gänswein


Herr Erzbischof, wie haben Sie Papst Benedikt jenseits der Öffentlichkeit erlebt – als Mensch im Alltag?

Georg Gänswein: Ich habe Papst Benedikt jenseits der Öffentlichkeit und in der Öffentlichkeit erlebt: Es gibt da keinen Unterschied. Als Mensch im Alltag war er genauso wie als Mensch in der Öffentlichkeit – liebenswürdig, freundlich, humorvoll, entschieden und mild. Das hat er in der Öffentlichkeit gezeigt, und so hat er auch im Alltag gelebt.

Gab es geistliche Impulse oder Ratschläge von ihm, die Sie bis heute begleiten?

Gänswein: Wie viele geistliche Impulse und Ratschläge ich empfangen und mir zu eigen gemacht habe, kann ich nicht mehr sagen. Sie sind mir zum Maßstab und zur Hilfe geworden für mein konkretes Handeln, für mein Denken und für die Formung meines geistlichen Lebens. Und sie helfen mir, die vielfältigen Herausforderungen des Alltags zu meistern und damit zurechtzukommen.

Welche seiner Schriften oder Predigten halten Sie heute für besonders aktuell, und warum?

Gänswein: Wenn bestimmte theologische Fragen auftauchen oder wenn sich theologische Herausforderungen stellen, greife ich natürlich gerne und zunächst zu den Schriften von Joseph Ratzinger. Und es erstaunt mich immer wieder, welchen aktuellen Bezug diese Schriften haben, obgleich sie teilweise vor vielen Jahren, gar Jahrzehnten, entstanden sind. Es ist ein Charakteristikum des Theologen Joseph Ratzinger, dass er zeitgebundenen Fragen oft eine Antwort gegeben hat, die weit über die Zeit hinausgehen. Deshalb ist es auch schwer zu sagen, was besonders aktuell ist im Schrifttum oder im Predigtwerk von Papst Benedikt. Ich mache es so, dass ich regelmäßig jeden Tag eine Predigt mir als geistliche Nahrung vornehme und regelmäßig bestimmte theologische Schriften lese.

31. Dezember 2023: Erzbischof Gänswein feiert in Rom die Gedenkmesse zum ersten Todestag seines langjährigen Vorgesetzten Benedikt XVI.
31. Dezember 2023: Erzbischof Gänswein feiert in Rom die Gedenkmesse zum ersten Todestag seines langjährigen Vorgesetzten Benedikt XVI.


Wie wünschen Sie sich, dass man sich in Zukunft an Papst Benedikt erinnert?

Gänswein: Die Zukunft wird sich ihren eigenen Weg zu Papst Benedikt bahnen. Dazu bedarf sie meiner Hilfe nicht. Die Erinnerung wird lebendig und wach bleiben an einen glaubwürdigen Nachfolger des heiligen Petrus, einen wortmächtigen Theologen und unerschrockenen Verkünder des Glaubens, dessen Wirken von der Liebe zu Christus und zur Kirche geprägt war.

Was hat die gemeinsame Zeit mit ihm in Ihrem eigenen Leben und Glauben verändert?

Gänswein: Die gemeinsame Zeit begann schon vor knapp 50 Jahren, als ich ein blutjunger Seminarist war und alles, was ich von ihm zu lesen bekam, gelesen und studiert habe. Als ich dann in der Mitte der 90er Jahre nach Rom gerufen wurde und Mitarbeiter an seinem Dikasterium war, hat sich aus der literarischen Begegnung eine persönliche Begegnung entwickelt, die ihren Höhepunkt fand als Sekretär, und die erst endete mit seinem Tod am 31. Dezember 2022. Meine intellektuelle Prägung und meine geistliche Formung verdanke ich seiner Theologie und seinem persönlichen Beispiel. Ich bin ihm sehr, sehr dankbar. Gott allein weiß, was er mir geschenkt hat!

(vaticannews - skr)

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31. Dezember 2025, 13:45