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Kardinal Kurt Koch vor dem Grab von Benedikt XVI. (Foto: Paweł Rytel-Andrianik) Kardinal Kurt Koch vor dem Grab von Benedikt XVI. (Foto: Paweł Rytel-Andrianik) 

Kardinal Koch würdigt Benedikt XVI. zum dritten Todestag

In den Vatikanischen Grotten, unweit des Grabes von Benedikt XVI., gedachte Kardinal Kurt Koch am Silvestermorgen des verstorbenen Papstes. In seiner Predigt zeichnete der Schweizer Kurienkardinal das Bild eines Theologen-Papstes, dessen Leben eine ununterbrochene Suche nach dem Angesicht Gottes war – und für den der Tod kein Ende, sondern die endgültige Kommunikation mit der göttlichen Liebe bedeutete.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Es ist ein Datum von doppelter Symbolik: Der letzte Tag des bürgerlichen Jahres markiert zugleich den Todestag von Benedikt XVI./Joseph Ratzinger, der am Silvestertag 2022 im Alter von 95 Jahren verstarb. Zum dritten Jahrestag versammelten sich Gläubige und Weggefährten in der Petersbasilika und den Vatikanischen Grotten, um des bayerischen Papstes zu gedenken, der die Kirche über Jahrzehnte als Präfekt der Glaubenskongregation und später als Pontifex geprägt hatte.

Kardinal Kurt Koch, Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, stellte in seiner deutschsprachigen Predigt eine zentrale theologische Einsicht Benedikts in den Mittelpunkt: Die Überzeugung, dass der Mensch nicht aus sich selbst heraus unsterblich ist, sondern weil er von Gott geliebt wird.

Die Heilige Messe mit Kardinal Kurt Koch
Die Heilige Messe mit Kardinal Kurt Koch

Der Tod als „Zerstörung von Beziehungen“

Koch reflektierte über den Ernst des Sterbens, den der Theologe Joseph Ratzinger zeitlebens tiefgründig analysiert hatte. Der Tod sei weit mehr als ein biologischer Zerfall; er sei die „Zerstörung einer Liebe, einer Freundschaft“ und damit der Ort der totalen Einsamkeit. Gegen diese „Kommunikationslosigkeit“ des Todes setze der christliche Glaube die Gemeinschaft mit Gott.

„Nur die Liebesgemeinschaft mit Gott vermag zu schenken, was der Liebe des Menschen wesentlich ist, was er aber aus sich heraus nicht zu geben vermag, nämlich Ewigkeit“, betonte Koch. In diesem Sinne sei das ewige Leben kein abstraktes Jenseits, sondern die Konsequenz der unzerstörbaren Beziehung Gottes zu jedem einzelnen Menschen.

Die Heilige Messe mit Kardinal Kurt Koch
Die Heilige Messe mit Kardinal Kurt Koch

Die Taufe als eigentliche Scheidelinie

Ein zentraler Gedanke der Predigt war die Neudeutung der Grenze zwischen Leben und Tod. Laut Koch verlaufe die eigentliche Grenzlinie nicht am biologischen Ende des Lebens, sondern in der Taufe. „In ihr muss der alte Mensch in uns sterben, um als neuer Mensch zusammen mit Christus zu neuem Leben aufzuerstehen“, so der Kardinal. Das christliche Leben bestehe darin, diese Taufe konsequent zu leben und den leiblichen Tod als deren endgültige Realisierung zu begreifen.

Das Suchen nach dem Angesicht

Benedikt XVI./Joseph Ratzinger habe sein Leben lang den Psalmvers „Suchet immerdar sein Angesicht“ mit Inhalt gefüllt. Auch sein berühmtes Jesus-Buch sei Ausdruck dieses persönlichen Suchens gewesen. Für Benedikt sei Gott „so groß, dass wir nie fertig sind“, zitierte Koch den emeritierten Papst. Das ewige Leben beschrieb er in Anlehnung an Ratzinger als das „Eintauchen in den großen Ozean der Freude und der Liebe“.

Das Gedenken am Kathedra-Altar und in den Grotten bildete einen spirituellen Höhepunkt zum Abschluss des Jahres im Vatikan. Neben Kardinal Koch feierte am Vorabend auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller eine Messe zu Ehren des verstorbenen Pontifex. Für die Teilnehmer blieb die Botschaft des Tages klar: Benedikt XVI./Joseph Ratzingers Vermächtnis ist ein Bekenntnis dazu, dass Gott die wahre Wirklichkeit ist – eine Liebe, die selbst den Tod überwindet.

(vatican news)

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31. Dezember 2025, 10:08