Ukraine: Donezk-Exarch berichtet über Seelsorge an der Frontlinie

Der ukrainisch griechisch-katholische Bischof und Exarch von Donezk, Maksym Ryabukha, hat jüngst Innsbruck besucht, um dort über die Lebensbedingungen und den kirchlichen Dienst in der ukrainischen Konfliktregion zu berichten.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Bei einem Gottesdienst in der Spitalskirche gedachte er gemeinsam mit der dortigen ukrainischen Gemeinschaft der Opfer des Krieges. In seiner Predigt stellte Ryabukha eine historische Verbindung zur Stadt her und verwies auf Patriarch Josyf Slipyj, der in Innsbruck studiert hatte. Nach fast zwei Jahrzehnten in sowjetischer Gefangenschaft hinterließ dieser ein Zeugnis der Standhaftigkeit: „In 18 Jahren in Sibirien habe ich den Glauben nie verleugnet.“

Alltag an der Frontlinie

Im anschließenden Vortrag schilderte Ryabukha den Alltag im Exarchat Donezk, dessen Gebiet teils an der Frontlinie liegt oder unter Besatzung steht. Trotz des dauerhaften Artilleriebeschusses gebe es Initiativen zur gegenseitigen Unterstützung der verbliebenen Zivilbevölkerung. Lokale Geistliche spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie sich oft gegen eine Evakuierung entscheiden, um den Menschen Beistand zu leisten. Ein Pfarrer verdeutlichte dem Bischof die Notwendigkeit dieser Präsenz mit den Worten der Gemeindemitglieder:

„Die Gläubigen sagen mir: Wenn Sie gehen, Herr Pfarrer, dann haben wir niemanden mehr. Dann haben wir das Gefühl, dass Gott uns verlassen hat.“

Donezk war 2012 eines der Austragungsorte der Fußball-EM 2012
Donezk war 2012 eines der Austragungsorte der Fußball-EM 2012   (ANSA)
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Der Bischof betonte, wie entscheidend das Bewusstsein für die Situation in der Ukraine auf internationaler Ebene sei. Das Gefühl der Isolation schwäche die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten. Die humanitäre Hilfe aus dem Ausland, die unter anderem über Kontakte mit der Diözese Innsbruck koordiniert wird, stelle einen konkreten Beistand dar. Ryabukha rief dazu auf, die Unterstützung fortzuführen und die Solidarität im Alltag zu verankern:

„Ich als Person kann das Böse nicht stoppen, aber ich als Person kann das Gute tun.“ Im Interview mit den diözesanen Medien in Innsbruck fügte er an:

„Das Böse, das uns gegenüber steht, ist viel größer als wir.“

„Das Böse, das uns gegenüber steht, ist viel größer als wir. Aber die Offenheit und Bereitschaft, dass man uns beisteht, gibt uns die Hoffnung, dass es vorüber geht. Die ersten Wochen der Invasion erlebte ich in Kyiv. Die Hauptstadt und die Dörfer in der Nähe waren wie paralysiert. Die humanitäre Hilfe, die zu uns kam, hat uns das Gefühlt gegeben, die Menschen, auch die, die uns nicht kennen, sind uns nah. Vielen Menschen hat die Hilfe – auch im Ausland, wo sie aufgenommen wurden – das Leben gerettet. In der Dunkelheit des Krieges ist die Solidarität unter den Menschen das Zeichen, dass wir das Böse besiegen können. Das ist ein Beistand für das Gute. Damit wird Frieden realistisch.“

Ein junger Bischof

Maksym Ryabukha, geboren 1980 in Lwiw und Mitglied des Salesianerordens Don Boscos, leitet seit 2024 das Exarchat Donezk der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche. Zuvor war er viele Jahre in der Jugendpastoral und Bildungsarbeit tätig und wurde 2022 zum Bischof geweiht. Angesprochen auf sein noch junges Alter für dieses Amt lacht er: „Jedes Mal, wenn ich sage, ich bin ein junger Bischof, sagen ältere Menschen, keine Sorge, diese Krankheit vergeht!“ 

(pm/diözese innsbruck)

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17. Juli 2026, 10:42