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Der Campus der Godfrey Okoye University - Enugu, Nigeria Der Campus der Godfrey Okoye University - Enugu, Nigeria 

Nigeria: Bildung, Werte und Verantwortung

Im Interview mit Radio Vatikan gibt Christian Anieke, Gründer und Rektor der Godfrey Okoye University in Enugu, Nigeria, Einblick in die Vielfalt der Universität, die im Frühjahr als erste Universität ein hochmodernes Zentrum für Forensik eingerichtet hat. Anieke hat für uns auch die Betrachtung zu „Unser Sonntag" am dritten Sonntag im Juli aufgezeichnet.

 

Herr Professor - erzählen Sie uns ein wenig von sich, bitte!

Mein Name ist Christian Anieke. Ich bin katholischer Priester und Professor. 1996 kam ich nach Österreich, wo ich zunächst Theologie und anschließend Anglistik und Amerikanistik studierte. Dort habe ich auch promoviert.

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Die Jahre in Österreich waren für mich persönlich und akademisch eine große Bereicherung. Nach dem Studium arbeitete ich zunächst als Kaplan und später als Pfarrer in einer Gemeinde. Bevor ich eine eigene Pfarrei übernehmen konnte, rief mich mein Bischof jedoch zurück nach Nigeria. Er sagte: „Wir brauchen dich hier.“

So kehrte ich 2006 in meine Heimat zurück. Dort wurde ich Rektor einer Pädagogischen Hochschule. Nach einigen Jahren wurde deutlich, dass wir jungen Menschen mehr anbieten mussten als ausschließlich pädagogische Studiengänge. Deshalb beantragten wir die staatliche Anerkennung als Universität. 2009 erhielten wir die Genehmigung und gründeten die Godfrey Okoye University. Seitdem bin ich ihr Rektor.

Prof. Christian Anieke
Prof. Christian Anieke

Wie waren die Anfänge der Universität?

Wir haben sehr klein begonnen – mit nur 215 Studierenden. Heute haben wir mehr als 5.000. Ein entscheidender Schritt war die Zulassung des Jurastudiums. Rechtswissenschaften sind in Nigeria sehr gefragt. Vor vier Jahren kam außerdem die Medizin hinzu. Von Anfang an haben wir großen Wert auf Qualität gelegt. Unsere Studierenden, Lehrenden und Professoren arbeiten engagiert und diszipliniert. Dieser Einsatz hat sich ausgezahlt. Die Universität genießt heute hohes Ansehen. Darüber hinaus fördern wir Unternehmertum und praktische Erfahrungen. Unsere Studierenden absolvieren Praktika und werden dazu ermutigt, kritisch zu denken und eigene Lösungen zu entwickeln. Es geht nicht nur darum, Wissen zu wiederholen, sondern darum, Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.

Katholische Identität

Was bedeutet es, dass die Godfrey Okoye University eine katholische Universität ist?

Unsere katholische Identität ist für uns von zentraler Bedeutung. Wir stehen für die Werte des Glaubens, der Liebe, des Fleißes und der Verantwortung. Das Gebet spielt dabei eine wichtige Rolle. Wer katholisch ist, nimmt an der Messe teil. Angehörige anderer Religionen haben ebenfalls Raum für ihr Gebet. Auch muslimische Studierende verfügen über entsprechende Möglichkeiten. Jeden Tag beten wir gemeinsam – mittags und am Abend. Das Gebet gehört zu unserem Universitätsleben.

Der Campus der Godfrey Okoye University
Der Campus der Godfrey Okoye University

Wie erklären Sie das stetige Wachstum der Universität?

Unser Wachstum beruht auf einer klaren Strategie. Wir planen langfristig – für fünf, zehn oder fünfzehn Jahre – und arbeiten konsequent an der Umsetzung dieser Ziele. Gute Planung allein genügt jedoch nicht. Sie muss von harter Arbeit begleitet werden. Ich bin Gott dankbar, dass unsere Pläne aufgegangen sind und wir unsere Vision Schritt für Schritt verwirklichen konnten.

Woher kommen Ihre Studierenden?

Unsere Studierenden kommen aus allen Regionen Nigerias – aus dem Norden, Süden, Osten und Westen des Landes. Die Universität steht Menschen aller Religionen offen. Neben Katholiken studieren bei uns Christen anderer Konfessionen sowie Muslime. Auch sozial sind unsere Studierenden sehr unterschiedlich. Junge Menschen aus wohlhabenden Familien studieren bei uns ebenso wie Studierende aus einfachen Verhältnissen. Wer talentiert und engagiert ist, kann Unterstützung durch Stipendien erhalten.

Internationale Zusammenarbeit

Welche internationalen Partnerschaften bestehen mit Ihrer Einrichtungen und anderen Universitäten?

Wir arbeiten mit Universitäten in Deutschland, Österreich und anderen Ländern zusammen. Studierende kommen von dort zu uns, und unsere Studierenden erhalten die Möglichkeit, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Darüber hinaus pflegen wir Partnerschaften mit anderen Hochschulen in Afrika. Mein Wunsch ist es, noch mehr junge Menschen aus Europa und Nordamerika für ein Studium in Nigeria zu gewinnen. Nur durch persönliche Begegnungen entsteht echter Austausch. Studierende bringen ihre Erfahrungen, ihre Kultur und ihre Sichtweisen mit. Gleichzeitig lernen sie unsere Kultur kennen. Einige beginnen sogar, lokale Sprachen zu lernen. Auf diese Weise wächst gegenseitiges Verständnis. Junge Menschen müssen einander begegnen. Nur so erkennen wir, dass wir eine gemeinsame Welt haben und lernen, einander besser zu verstehen.

Der Campus der Godfrey Okoye University
Der Campus der Godfrey Okoye University

Sie haben eine starke Entwicklung gemacht in den vergangenen Jahren. Was ist die jüngste Errungenschaft Ihrer Universität?

Im Frühjahr haben wir ein modernes forensisches Zentrum aufgebaut. Darauf sind wir besonders stolz. In Nigeria besteht ein großer Bedarf an forensischer Diagnostik und DNA-Analysen. Das Zentrum kann bei familiären Streitfällen - dabei geht es insbesondere um Vaterschaftsklagen -  ebenso helfen wie bei der Aufklärung von Straftaten. Als katholische Universität fühlen wir uns der Wahrheit verpflichtet. Deshalb haben wir erhebliche Mittel investiert, um dieses Zentrum aufzubauen und einen Beitrag zur Gerechtigkeit zu leisten.

Gibt es dabei eine Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen?

Ja. Der Staat arbeitet mit uns zusammen und unterstützt die Arbeit des Zentrums. Wir hoffen, dass wir damit zur Aufklärung vieler Fälle beitragen können. Gerade wenn es um Familien, Kinder oder strafrechtliche Ermittlungen geht, kann das Zentrum eine wichtige Hilfe für die Gesellschaft sein.

Fokus Forensik

Welche Perspektiven eröffnet das Ihren Studierenden?

Für die Studierenden bietet das Zentrum hervorragende Forschungsmöglichkeiten. Sie können praktische Erfahrungen sammeln und Kompetenzen erwerben, die in Nigeria sehr gefragt sind. Wie ich sagte - vor allem auch bei Vaterschaftsunklarheiten.

Das Zentrum ist in seiner Art einzigartig. Bisher mussten viele Proben ins Ausland geschickt werden, etwa nach Südafrika. Nun können diese Untersuchungen in Nigeria durchgeführt werden.

Wo steht die Godfrey Okoye University heute?

Heute genießen wir Anerkennung und Respekt in der Gesellschaft. Wir stehen für wissenschaftliche Qualität, verlässliche Forschung, klare Werte und Stabilität. Das hat sich besonders während der Corona-Pandemie gezeigt. Während viele Einrichtungen Schwierigkeiten hatten, konnten wir den Lehrbetrieb über digitale Plattformen fortsetzen.

Die Menschen wissen, dass wir zuverlässig arbeiten und unsere Verantwortung ernst nehmen. Auch in Zukunft wollen wir für Stabilität, Qualität und werteorientierte Bildung stehen.

(vatican news - ck)

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18. Juli 2026, 09:50