D: Sternsinger feiern 180. Geburtstag
Christine Seuss - Würzburg/Vatikanstadt
Anne Wunden ist Geschäftsführerin im Kindermissionswerk Die Sternsinger, Ellen Madau ist für Spenderkommunikation und Fundraising zuständig. Beide trafen wir auf dem Katholikentag in Würzburg, wo der Stand der Sternsinger ganz im Zeichen des 180. Gründungsjubiläums stand. Eine der Aktionen, mit denen das Kindermissionswerk das runde Jubiläum feiert, ist die Staffelstabaktion, die auf dem Katholikentag angestoßen wurde.
„Das heißt, wir wollen mit dem Staffelstab an Gemeinden, Schulen, alle Spender und Sponsoren herantreten und noch mal darauf aufmerksam machen, dass das Kindermissionswerk seit 180 Jahren für die Kinder in der einen Welt aktiv unterwegs ist“, erklärt uns Ellen Madau. Sternsinger verbinde man landläufig zwar eher mit Weihnachten und Dreikönigssingen, doch die Arbeit der Kinder für Kinder beschränke sich keineswegs nur auf diese Zeit im Jahr, unterstreicht Madau:
„Das bedeutet, dass wir auch besonders darauf aufmerksam machen möchten, dass wir in 800 Projekten in achtzig Ländern das ganze Jahr über arbeiten, Kinder unterstützen und für die Kinder in der einen Welt Spendengelder sammeln, um dort vor Ort zu helfen.“
Viele Projekte für Kinder weltweit
Die Palette der unterstützten Projekte, die über eine Vergabekommission ausgewählt werden, ist dabei durch Vielfalt geprägt:
„Südsudan, Sudan, Lateinamerika - egal, ob es in Argentinien, Uruguay oder andernorts ist: Überall ist Not groß. Und wir unterstützen. Wir haben ein Jubiläumsprojekt in Ecuador, welches Kindern eine Perspektive gibt, sich mit Gesundheit und Ernährung, aber auch mit den Kinderrechten auseinandersetzt. Ziel ist es, dort vor Ort Kindern zu ermöglichen, ein warmes Essen zu haben, Bildung zu bekommen, aufgefangen zu werden und von uns aktiv unterstützt zu werden.“
Ein junges Mädchen hatte eine Idee
Unzählige Initiativen wurden in 180 Jahren Aktivität schon unterstützt, und das alles entstand letztlich aus der Eingebung eines jungen Mädchens, das von den Privilegien, mit denen das Leben sie ausgestattet hatte, etwas zurückgeben wollte: Die Rede ist von der Aachenerin Auguste von Sartorius.
„Das ist auch der Grund, warum wir als Hilfswerk in Aachen sind“, erklärt Anne Wunden, Geschäftsführerin des Kindermissionswerkes.
„Auguste war das Kind reicher Eltern, sehr gebildet, und als sie ungefähr 15 war, erfuhr sie in der Schule, dass es in Asien Kinder gibt, die sehr arm sind. Und dann hat sie mit ihren Freundinnen und Freunden gesagt: Lasst uns doch Geld sammeln, damit wir sie unterstützen. Das Geld hat sie dann an den Ortsbischof weitergeleitet. Und daraus ist unsere großartige Geschichte entstanden, daraus ist das Hilfswerk - früher der Verein der Heiligen Kindheit - entstanden. 1959 kamen die Sternsingeraktionen dazu, und wir freuen uns, dass wir jedes Jahr um den 6. Januar herum von Haus zu Haus gehen für unsere Solidaritätsaktion ,Kinder für Kinder‘, die größte weltweit!“, berichtet Wunden - selbst Mutter einer kleinen Tochter, die begeisterte Sternsingerin ist:
„Sie ist sehr stolz, Geld zu sammeln in dem Wissen, dass sie Gutes für die Kinder in Afrika, Lateinamerika, Ozeanien, Asien, Naher Osten – das ist gerade eine Herzensregion von mir - und in Osteuropa tun kann“, meint die Kindermissionswerk-Vertreterin mit einem Lächeln. Grundsätzlich sorge der Einsatz für notleidende Altersgenossen für ein großes Gemeinschaftsgefühl unter den Kindern:
„Weil sie gemeinsam laufen, weil sie viel von den Kindern in der einen Welt erfahren, weil sie wissen, da kann ich konkret helfen. Die Kinder gehen ja zur Schule, und wir wissen, was Schule in Deutschland heißt, denn das ist ja für Kinder eher anstrengend, manchmal nervig. Und wenn sie dann aber sehen, was Schulbildung beispielsweise in unserem Projektland für diese Aktion, also in Bangladesch, bedeutet, dass nämlich die Nur tagsüber nicht arbeiten muss, sondern zur Schule gehen darf und einmal Rechtsanwältin werden möchte, dann sind sie auch selbst gestärkt und denken: Okay, ich beiße mich mal durch die Schule durch. Und ich mache das Sternsingen mit Freude, weil ich da so viel Gutes tun kann.“
Großes Interesse an den Schulen
„Wir treten an die Schulen heran und versuchen auch über die Klassen hinweg dieses Gemeinschaftsgefühl zu stärken“, wirft Madau ein. Schließlich gebe es praktisch in jeder Klasse „immer irgendwo“ Sternsinger. Auch die Lehrer, mit denen man ins Gespräch komme, zeigten sich interessiert, das Thema mit den vorliegenden Materialien in den Unterricht einzubauen:
„Und dann kommen ganz viele andere Kinder und sagen: Wie, du bist Sternsinger? Was ist das überhaupt? Wie kann ich da mitmachen? Und so wächst es trotzdem noch - auch wenn viele Zahlen sinken - von Herz zu Herz und von Kind zu Kind“, so Madau.
„Wir sind erstmal stolz, wenn wir auf die Aktion des letzten Jahres zurückschauen. Fast 52 Millionen Euro haben wir eingenommen, das ist schon ein Pfund. Und wie können wir weiter wachsen? Indem wir an der Stelle, ich sag jetzt mal, tapfer dranbleiben, weitermachen und mutig sind für die Sache. Für die Kinder einstehen. Aktionen suchen. Auch auf dem Katholikentag haben wir ganz viele unterschiedliche Gespräche geführt, wo die Menschen sich begeistert gezeigt haben.“
Konfessionsübergreifend Gutes tun
Dabei hänge es kaum davon ab, ob die Kinder – die Protagonisten der Spendensammlungen – katholisch oder evangelisch seien, bemerkt sie: „Wie auch immer, alle sind zusammen und stärken sich gemeinsam. Und das ist das, was wir ausbauen wollen und wo die Kinder das von Hand zu Hand tragen.“
Die Projekte, die unterstützt werden, werden in diesem Zusammenhang sehr sorgfältig ausgesucht, vor allem gewichtet nach Bildung und Teilhabe für die Kinder, Gesundheit und Ernährung: „Um so auch immer wieder die Schlüssel zu den Kindern und auch die Brücken zu bauen, damit wir weiter wachsen können und die Kinder auch weiter Spaß und Freude daran haben, auf der anderen Seite oder auf einem anderen Kontinent Kinder glücklich zu machen und eine Teilhabe zu erleben.“
Zum Abschluss unseres Gespräches haben die beiden Sternsinger-Vertreterinnen auch noch einen Appell im Gepäck:
„Freuen Sie sich, dass die Sternsinger auch nächstes Jahr wieder zu Ihnen kommen! Öffnen Sie die Tür, nehmen Sie den Segen und bringen Sie Segen.“
„Und bleiben Sie jederzeit offen, herzlich und tolerant! Gehen Sie gemeinsam mit uns weiter die nächsten Jahre. Und lassen Sie uns weiter wachsen und stark sein.“
(vatican news)
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