Sternsinger-Start in Freiburg: Zusammen kann man viel schaffen
Dieter Waldraff und Stefanie Stahlhofen - Erzbistum Freiburg/Vatikanstadt
Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger" und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) arbeiten bei der Aktion Dreikönigssingen zusammen. Marie-Christine Meier, BDKJ-Diözesanleiterin in der Erzdiözese Freiburg, blickt voraus auf die große bundesweite Eröffnung in Freiburg:
„Ich freue mich vor allem auf die hoffentlich strahlenden Augen und glücklichen Gesichter der Sternsingerinnen und Sternsinger. Ich freue mich darauf, Kinder und Jugendliche in der Stadt zu sehen, in Kontakt zu kommen und da einfach auch zu zeigen:, Wir bringen nicht nur den Segen, sondern wir sind auch ein Segen`", sagt die BDKJ-Diözesanleiterin in der Erzdiözese Freiburg. „Segen bringen, Segen sein“ lautet auch das Motto der Sternsinger und dafür steht auch die bundesweite Eröffnung der 68. Aktion Dreikönigssingen am Dienstag in Freiburg.
„Wir haben uns ganz bewusst für die Stadt Freiburg als Austragungsort entschieden. Einmal natürlich, weil das Freiburger Münster eine wahnsinnig tolle Kulisse für den Gottesdienst ist, aber auch, weil es uns für die Veranstaltung besonders wichtig war zu zeigen: Wir sind Kirche, wir gehen raus, wir finden im Stadtbild statt. So sind die Könige und Königinnen den ganzen Tag über in ihren Gewändern, mit ihren Sternen in der Stadt unterwegs, gehen dorthin, wo die Menschen sind. Und ich finde, das ist ein sehr tragfähiges Bild von Kirche, dass es in der heutigen Zeit braucht."
Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit
Verkleidet als die heiligen drei Könige, die Weisen aus dem Morgenland, werden die jungen Freiburger so wie zehntausende Mädchen und Jungen deutschlandweit dieser Tage wieder als Sternsingerinnen und Sternsinger den Segen Gottes zu den Menschen bringen, singen und: Spenden sammeln, um Kindern auf der ganzen Welt zu helfen. Jedes Jahr hat die Aktion einen besonderen Fokus.
Dieses Jahr lautet das Motto „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit." Dazu sagen die Freiburger Sternsinger:
„Ich finde es auch blöd, dass die nicht gleich behandelt werden wie wir und nicht in die Schule gehen dürfen und hart arbeiten müssen. Ich merke selber immer, wie viel ich in der Schule lerne und wie viel mir das im Leben bringt. Und wenn man das nicht hat, dann hat man auch einen Großteil seiner Bildung nicht. Und das finde ich schon sehr krass, dass manche Kinder einfach nicht in die Schule gehen dürfen. - Also wir finden das wahrscheinlich öfter blöd, dass wir in die Schule gehen müssen. Aber man muss auch daran denken, dass viele die Chance nicht bekommen und dann aus ihrer Zukunft auch nichts machen können und dann vielleicht auf der Straße landen... Ich finde es auch sehr schön zu sehen, wie vielen Kindern auch am Herzen liegt, dass es anderen Kindern auch gut geht. Alleine kann man ja nicht so viel bewirken. Aber zusammen kann man halt ziemlich viel schaffen. Und dann, wenn man diese ganze große Gemeinschaft sieht, dann sieht man auch, wie viele wir sind und wie gut es klappen kann."
Das Ziel, Kinderarbeit weltweit zu stoppen ist noch lange nicht erreicht: 138 Millionen Kinder und Jugendliche müssen noch immer - teilweise unter besonders ausbeuterischen und gesundheitsschädlichen Bedingungen - arbeiten. Den großen Eröffnungsgottesdienst der 68. Aktion Dreikönigssingen am Dienstagnachmittag um 15 Uhr im Freiburger Münster leitet der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Er hat auch schon mit eigenen Augen gesehen, wie Kinderarbeit konkret aussehen kann:
„Ich konnte vor einigen Jahren selbst in Indien unterwegs sein und habe dort erleben müssen und sehen können, wie Kleinkinder an Webstühlen arbeiten, stundenlang in der gleichen Haltung und wie diese kleinen Finger bemüht waren, diese Knoten zu knüpfen, damit in unseren Breiten dann billiger Teppiche erworben werden können - und was es für Schäden verursacht, was das für die Kinder bedeutet, nachher später kein normales Leben führen zu können."
Von Indien ist es nicht weit nach Bangladesch - ebenfalls berühmt berüchtigt für Kinderarbeit. Auf dem Plakat der Aktion 2026 ist die zwölfjährige Nour aus Bangladesch zu sehen. Die Aktion Dreikönigssingen will dieses Mal an diesem Beispielland zeigen, wo die Hilfe der Sternsinger ankommt und wie Kinder dort gestärkt und geschützt werden können. Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger", erklärt:
„Zunächst einmal machen die Kinder auf das Thema aufmerksam, dass ihre Altersgenossen arbeiten müssen. Das Zweite ist: Sie sammeln Spenden. Damit können wir unseren Projektpartner ARKTF, das ist eine Stiftung in Bangladesch beispielsweise, unterstützen. Der Partner hat 10.000 Kinder aus der Kinderarbeit befreit. Und dann wird es auch darum gehen, zu schauen: Was kann ich persönlich tun, also in meinem Einkaufsverhalten beispielsweise. Die Sternsinger-Aktion gibt die Gelegenheit, ganz konkret etwas zu tun. Wir sind diesem Problem nicht ohnmächtig ausgeliefert, sondern wir können etwas tun, und zwar Schritt für Schritt und jeder an seiner Stelle."
Im Jahr 2025 kamen laut den Organisatoren der Aktion übrigens bundesweit mehr als 48 Millionen Euro an Spenden zusammen. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger" und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) konnten dadurch weltweit Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche fördern.
Münsteraner Sternsinger bei Neujahrsgottesdienst mit Papst
Nach der offiziellen bundesweiten Eröffnung der Aktion Dreikönigssingen 2026 am 30. Dezember in Freiburg steht für vier Sternsingerinnen aus dem Bistum Münster dann schon bald ein ganz besonderer Termin an: Die Sternsingerinnen Mia (14), Theresa (13), Pia (10) und Anna aus der Pfarrei St. Franziskus in Marl werden am Donnerstag, 1. Januar, um 10 Uhr den Neujahrsgottesdienst mit Papst Leo XIV. im Petersdom mitfeiern. 19 weitere Sternsingerinnen und Sternsinger aus Österreich, der Schweiz, Italien, der Slowakei und aus Ungarn sind am Neujahrstag ebenfalls im Vatikan dabei. In ihren festlichen Gewändern werden Anna und Theresa gemeinsam mit der österreichischen Sternsingerin Clara (14) aus dem Burgenland sogar an der Gabenprozession im Petersdom teilnehmen.
Die Mädchen und Jungen sind rund um den Jahreswechsel zu Gast in Rom. Unter anderem besuchen sie die Päpstliche Schweizergarde, überbringen dort ihren Segen und feiern gemeinsam mit den Gardisten Gottesdienst. Die Sternsingerinnen aus Marl werden darüber hinaus den Segen an der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl anschreiben.
Am 29. Dezember 2026 ist dann Münster Gastgeber der bundesweiten Eröffnung der übernächsten Aktion Dreikönigssingen in Deutschland. Zahlreiche Mädchen und Jungen werden dann - so wie nun in Freiburg - in Münster erwartet. Traditionell wählt das gastgebende Bistum die Delegation für die Romfahrt im davorliegenden Aktionsjahr aus. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Münster hatte dazu einen Wettbewerb gestartet. Gewinner waren die Marler Sternsingerinnen mit einem Video, das ihren kreativen Einsatz für Kinder in der Einen Welt zeigt.
Papst, Bundespräsident, Bundeskanzler
Das Engagement der Sternsingerinnen und Sternsinger sowie ihrer jugendlichen und erwachsenen Begleitenden genießt große Wertschätzung. Päpste segnen seit 25 Jahren Sternsinger an Neujahr im Petersdom. Im Bundespräsidialamt und im Bundeskanzleramt werden Sternsingergruppen seit inzwischen mehr als 40 Jahren empfangen. Seit 2008 tragen Sternsingerinnen und Sternsinger aus mehreren europäischen Ländern ihren Segen auch in das Europaparlament. 2004 wurden die Sternsinger in Münster mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet. 2015 erfolgte die Aufnahme des „Sternsingens“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Sternsinger erstmals auch bei EU-Kommission
20 Sternsingerinnen und Sternsinger aus Deutschland, Ungarn, Rumänien, Italien, Österreich und Belgien werden Mitte Januar im Europaparlament und erstmals bei der EU-Kommission empfangen. Am Mittwoch, 14. Januar, ziehen sie mit ihren Sternen und Kronen ins Europaparlament ein. Zu Gast sind die Königinnen und Könige in Brüssel zum zweiten Mal bei Sabine Verheyen, Vizepräsidentin des Europaparlaments. Der Empfang im Parlamentsgebäude beginnt um 14.00 Uhr. Im Vorfeld besuchen die Sternsinger aus sechs Nationen um 9.30 Uhr das Sekretariat der COMECE (Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft). Die Vertretung der deutschen Sternsinger übernehmen Annalena (15), Jakob (13), Sam (13) und Emily (13) aus der Pfarrei St. Knud in Husum (Nordfriesland, Erzbistum Hamburg).
Passend zum deutschen Aktionsthema „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ werden die Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 15 Jahren im Europarlament die Lebenssituation arbeitender Kinder aus verschiedenen Ländern vorstellen und ihre Wünsche an die Europapolitik zum Einsatz gegen Kinderarbeit vortragen. Bereits zum 18. Mal seit 2008 tragen die Königinnen und Könige ihren Segen ins Europaparlament.
Mehr als 1,4 Milliarden Euro Spenden seit Aktionsstart 1959
Bedeutende Sternsinger-Termine
Dienstag, 30. Dezember 2025: Bundesweite Eröffnung der 68. Aktion Dreikönigssingen in Freiburg (Erzdiözese Freiburg)
Donnerstag, 1. Januar 2026: Sternsinger aus Marl (Bistum Münster) nehmen am Neujahrsgottesdienst mit Papst Leo XIV. im Petersdom (Vatikan) teil
Sonntag, 4. Januar 2026, 9.30 Uhr: Live-Übertragung des TV-Gottesdienstes im ZDF mit Sternsingern aus der Pfarrei St. Bonifatius in Herne
Anfang Januar 2026: Sternsingergruppen aus allen 27 deutschen Diözesen werden im Bundeskanzleramt in Berlin empfangen
Dienstag, 06. Januar 2026, 11.00 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt in Berlin Sternsinger aus Dortmund-Aplerbeck (Erzbistum Paderborn)
Mittwoch, 14. Januar 2026, 14.00 Uhr: Sabine Verheyen, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, empfängt Sternsinger in Brüssel, darunter eine Gruppe aus dem Erzbistum Hamburg
Donnerstag, 15. Januar, Magnus Brunner, österreichischer Kommissar für Inneres und Migration, empfängt die Sternsingerinnen und Sternsinger erstmals am Sitz der EU-Kommission. Der Empfang im Berlaymont-Gebäude in Brüssel beginnt um 9.00 Uhr.
(erzbistum freiburg/kindermissionswerk „die Sternsinger" - sst)
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