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Wegen Leihmutterschaft: Kritik aus Kirchenkreisen an Jens Spahn

Die Entscheidung von Jens Spahn (CDU) und seinem Partner Daniel Funke, in den USA eine Leihmutter in Anspruch zu nehmen, hat auch Reaktionen in der katholischen und der evangelischen Kirche hervorgerufen. Das Paar hatte zuvor mitgeteilt, Eltern eines Sohnes geworden zu sein, der von einer Leihmutter in den USA ausgetragen wurde. Im Lauf des Samstages wurde unterdessen der Rücktritt von Spahn als Unionsfraktionschef bekannt.

Der katholische Bischof von Passau, Stefan Oster, bezeichnete das Vorgehen am Freitag als einen „echten Skandal“. Oster erklärte, Spahn habe zur Erfüllung eigener Wünsche gegen die Gesetze des Landes und die Grundlinien der eigenen Partei verstoßen. Die CDU lehnt die in Deutschland verbotene Praxis der Leihmutterschaft ab, und auch Spahn selbst hatte sich in der Vergangenheit dagegen ausgesprochen. Durch das öffentliche Bekenntnis zur katholischen Kirche entstehe zudem ein Widerspruch. Oster betonte, dass Spahn damit einen Schritt getan habe, „den wir als Glaubensgemeinschaft auch in Zukunft nie werden mitgehen können“.

Die Praxis der Leihmutterschaft sei in Deutschland aus Gründen der Menschenwürde untersagt. Das Kind sei durch die Umstände bereits eine öffentliche Person, und zwar „als 'gekaufte Ware'“. Der Bischof fügte hinzu, dass jedes Kind „zunächst ein Recht auf seine natürlichen Eltern hat – und zwar viel mehr, als dass potenzielle Eltern ein Recht hätten, sich ein Kind 'anzuschaffen' oder 'machen zu lassen' oder gar 'einzukaufen'“. Aus christlicher Sicht seien Kinder „eine Gabe, die nicht zur Verfügung steht – und die deshalb auch nicht gekauft werden kann oder gekauft werden darf“.

Ähnlich äußerte sich auch die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände (AGV) e.V. in einer Aussendung vom Samstag.

Kritik auch aus evangelischer Kirche 

Kritische Stimmen wurden ebenfalls aus der evangelischen Kirche laut. Der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl äußerte, dass das Auseinanderfallen von politischen Überzeugungen und persönlichem Handeln das Vertrauen in die Politik insgesamt beschädige. Gohl verwies auf das gesetzliche Verbot in Deutschland, dem er zustimme, und stellte fest, dass dieses Verbot im aktuellen Fall umgangen worden sei. Wenn ein Politiker im Ausland eine Leihmutterschaft in Anspruch nehme und dies öffentlich mache, berühre dies Fragen der Doppelmoral und der Glaubwürdigkeit.

Rücktritt von Spahn

Unterdessen wurde am Samstag bekannt, dass Spahn aufgrund des zunehmenden Drucks wegen seiner Entscheidung für eine Leihmutterschaft von seinem Amt als Unionsfraktionschef zurückgetreten ist. Seinen Rückzug erklärte er übereinstimmenden Medienberichten zufolge in einem Schreiben an die Mitglieder der Unionsfraktion. Ihm sei bewusst geworden, dass sein persönliches Glück, gemeinsam mit seinem Partner eine Familie zu gründen, nicht vereinbar mit seinem politischen Amt sei, teilte Spahn demnach in dem Brief mit. Zuvor hatte Berichten zufolge auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Spahn aufgefordert, zurückzutreten. 

(kna/pm - mg)

Hinweis: Der Artikel wurde am Samstag, 18. Juli 2026, um 14.15 Uhr aktualisiert

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18. Juli 2026, 11:32