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Buchtipp: Felix Philipp Ingold - Paris als Exil Buchtipp: Felix Philipp Ingold - Paris als Exil 

Buchtipp: Aus Porträts entsteht eine untergegangene Welt

Das Paris der Zwischenkriegszeit gilt in der Kulturgeschichte als Sammelpunkt der internationalen Moderne. Neben westlichen Intellektuellen bildeten Zuwanderer aus dem Russischen Reich eine eigene Gemeinschaft in der französischen Hauptstadt.

Der Slavist und Übersetzer Felix Philipp Ingold widmet diesem Phänomen eine umfassende Darstellung unter dem Titel „Paris als Exil. Die Einwanderung aus Rußland 1910 bis 1940“. Das Werk nimmt die Verflechtungen von Literatur, Bildender Kunst, Theater, Musik, Philosophie und Politik in den Blick, die das Viertel "Montparnasse" phasenweise prägten.

Der Autor beschreibt die Entstehung einer russischen Parallelgesellschaft, deren Angehörige den Bezug zur Herkunftskultur aufrechterhielten und sich nur bedingt in das französische Geistesleben integrierten. Ingold zeichnet nach, wie Grenzen zwischen einzelnen künstlerischen Disziplinen fließend blieben. Dies zeigt sich an Persönlichkeiten wie Wassilij Kandinskij, Ilja Sdanewitsch oder Serge Charchoune, die sowohl im bildnerischen als auch im literarischen Bereich tätig waren. Auch die Debatten innerhalb der Dichtung, etwa zwischen der neoklassischen Ausrichtung der sogenannten „Pariser Note“ und avantgardistischen Strömungen um Boris Poplawskij, werden thematisiert, ebenso wie die Rolle von Autorinnen wie Marina Zwetajewa, Teffi, Nina Berberova und Sinaida Gippius.

Dreihzehn parallelbiographische Kapitel

Strukturell gliedert sich die Untersuchung in 13 parallelbiographische Kapitel, die gegensätzliche wie auch übereinstimmende Lebensentwürfe nebeneinanderstellen. Behandelt werden unter anderem die Beziehungen innerhalb des Ehepaars Gippius und Dmitrij Mereshkowskij sowie die Distanz zwischen Vladimir Nabokov und Iwan Bunin. Ingold stützt seine Darstellung auf Tagebücher, Korrespondenzen und primär russischsprachige Dokumente, die für den deutschsprachigen Raum bisher größtenteils unerschlossen waren.

Das Buch dokumentiert zudem die schrittweise Auflösung der Gemeinschaft vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen. Während ein Teil der Emigranten in Frankreich verblieb oder weiterzog, führte die Rückkehr anderer in die Sowjetunion zu erneuter Repression. Ingolds Publikation sachverhaltlicher Quellen ermöglicht eine historische Einordnung der internen Konflikte, Netzwerke und Lebensbedingungen der russischen Exilgemeinschaft im Paris der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Zum Mitschreiben

Felix Philipp Ingold: Paris als Exil. Die Einwanderung aus Rußland 1910 bis 1940. Literatur, Kunst, Theater, Musik, Philosophie, Politik, erschienen im Arco Verlag 2025, ISBN 978-3-96587-056-7

Eine Rezension von Mario Galgano.

(vatican news)

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27. Juli 2026, 14:24