Schweiz: Baden schließt Feierlichkeiten zum Disputationsjubiläum ab
Mario Galgano - Vatikanstadt
Die historische Badener Disputation im Mai und Juni 1526 gilt als ein zentrales religionsgeschichtliches Ereignis in der Schweiz. Damals diskutierten rund 200 Gelehrte über theologische Wahrheiten des römisch-katholischen und des reformierten Glaubens. Das eigentliche Ziel, eine Einigung zu erzielen, wurde verfehlt; stattdessen festigte sich die Spaltung in zwei Konfessionen und es folgten kriegerische Auseinandersetzungen. Langfristig legte die Disputation jedoch den Grundstein für das spätere Miteinander der Konfessionen und ebnete der Reformation in der Schweiz den Weg.
Bundespräsident Guy Parmelin ging in seiner zweisprachigen Festrede auf die historischen und aktuellen Dimensionen des Ereignisses ein. Er erklärte, dass die damaligen Gelehrten die Abgrenzung und nicht den Konsens gesucht hätten, wodurch ein tiefer Graben entstanden sei, der die Schweiz bis heute präge. Das Jubiläum biete die Gelegenheit, die Aussöhnung zu feiern sowie die Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten und aus Gegensätzen Stärke zu gewinnen. Mit Blick auf gegenwärtige Herausforderungen wie Kriege und den technologischen Fortschritt betonte Parmelin, dass der gesellschaftliche Konsens in solchen Zeiten oft bröckele. Es brauche daher die Mahnung, faktentreu zu bleiben und die eigenen Werte zu pflegen, ohne anderen deren Werte abzusprechen. Auch wenn es lange dauere, bis Gräben sich schlössen, sei es richtig, stetig auf Frieden hinzuarbeiten.
Geschichtliche Erfahrung
Die ehemalige Bundesrätin Doris Leuthard, die dem Schirmgremium des Jubiläums angehört, äußerte sich in eine ähnliche Richtung. Durch die geschichtlichen Erfahrungen habe die Menschheit gelernt, dass das Ringen um Antworten und der Austausch ein besserer Weg zur Konfliktlösung seien als militärische Konflikte. Angesichts globaler Veränderungen, die Unsicherheit auslösten, verwies sie auf universelle ethische Werte und Standards, die als Fundament für eine friedliche Weltpolitik und ein starkes Völkerrecht dienen könnten.
Der religiöse Teil des Abschlusses wurde durch einen ökumenischen Festgottesdienst gestaltet. Rita Famos, die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, erinnerte an die harten Auseinandersetzungen und gegenseitigen Verteufelungen vor 500 Jahren, die statt zur Einigung zum Krieg führten. Der Weg zur heutigen Gemeinschaft sei schwer gewesen, habe aber gezeigt, dass es Versöhnung und Miteinander brauche. Vielfalt sei ein Motor der Veränderung, wenn sie von Liebe geleitet werde. Bischof Felix Gmür unterstrich ebenfalls, dass der Frieden den Austausch zwischen allen Glaubens- und Weltanschauungsrichtungen erfordere. Zum Abschluss des Gottesdienstes sang die Festgemeinde das eigens für diesen Anlass komponierte „Friedenslied aus Baden“. Der anschließende 45-minütige Festakt wurde durch verschiedene kulturelle Darbietungen von Fahnenträgern, einer Opernsängerin sowie Ballett- und Breakdance-Tänzerinnen umrahmt.
(vatican news)
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