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Europa: Katholische Bischöfe fordern Besinnung auf europäische Werte

Gemeinsam haben sich die Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenzen von Deutschland, Italien, Frankreich und Polen an diesem Freitag mit einem dringenden Appell an die Öffentlichkeit gewandt. In einer Lage wachsender EU-Skepsis und globaler Instabilität fordern sie eine Rückbesinnung auf die „Seele Europas“ und die christlichen Fundamente des Kontinents.

Unter dem Titel „Die Kraft der Hoffnung“ warnen Bischof Georg Bätzing (Deutschland), Kardinal Matteo Zuppi (Italien), Kardinal Jean-Marc Aveline (Frankreich) und Erzbischof Tadeusz Wojda (Polen) vor einer Reduzierung des Kontinents auf einen reinen Wirtschafts- und Finanzmarkt. In einer Welt, die von „Kriegen und Gewalt zerrissen“ sei, müsse Europa seine ursprüngliche Intuition wiederentdecken, um einen Beitrag zum globalen Gemeinwohl leisten zu können.

Erbe der Gründerväter als Kompass

Die Bischöfe beziehen sich auf die Gründerväter der europäischen Einigung – Konrad Adenauer, Robert Schuman und Alcide De Gasperi. Die drei christlichen Politiker aus Deutschland, Frankreich und Italien seien „keine naiven Träumer“ gewesen, sondern Architekten eines Gebäudes, das auf christlichen Werten wie Solidarität, Humanismus und Weltoffenheit basierte. Der Appell erinnert an De Gasperis Warnung, dass übersteigerter Nationalismus eine „Form der Vergötterung“ sei, die die Nation an die Stelle Gottes setze und letztlich im Krieg ende.

„Ein vereintes Europa wird nicht gegen die Heimatländer geboren, sondern gegen die Nationalismen, die sie zerstört haben“

„Ein vereintes Europa wird nicht gegen die Heimatländer geboren, sondern gegen die Nationalismen, die sie zerstört haben“, zitieren die Bischöfe den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten. Gerade heute, da die internationale Ordnung untergraben werde, sei das Modell einer „versöhnten Gesellschaft“ als Bollwerk der Freiheit unverzichtbar.

Kirche als Mitwirkende im Epochenwechsel

Der Appell greift die Einladung von Papst Leo XIV. auf, der zum Abschluss des „Jubiläums der Hoffnung“ dazu aufgerufen hatte, die kommende Zeit als „Morgenröte der Hoffnung“ zu begreifen. Trotz schwindender Mitgliederzahlen in vielen europäischen Ländern sehen die Bischöfe die Kirche in der Pflicht, am Wiederaufblühen des Kontinents mitzuwirken.

Besondere Erwähnung findet der Krieg gegen die Ukraine, der die Europäer trotz aller internen Widerstände wieder stärker zueinander geführt habe. In diesem „Epochenwechsel“, wie ihn bereits Papst Franziskus definierte, sei die Kirche berufen, den Menschen mit ihren Verletzungen entgegenzukommen und die „tröstende Barmherzigkeit Christi“ zu bringen.

Aufruf zum politischen Engagement

Abschließend rufen die Vorsitzenden dazu auf, Politik als „Dienst am Menschen“ und „Engagement der Liebe gegenüber dem Mitmenschen“ zu begreifen. Sie fordern die Christen auf dem Kontinent auf, sich entschlossen für die Zukunft Europas einzusetzen. Europa dürfe sich nicht abschotten, sondern müsse stets bereit sein, den Dialog auch im Konfliktfall wieder aufzunehmen und nach supranationalen Lösungen zu suchen.

(pm - mg)

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13. Februar 2026, 10:17