Suche

Buchtipp: Die Rolle der Kirche in der heutigen Gesellschaft Buchtipp: Die Rolle der Kirche in der heutigen Gesellschaft 

Unser Buchtipp: Die Kirche auf der Suche nach ihrem Platz

Von der moralischen Instanz zum Nischenakteur? Ein neuer Sammelband, herausgegeben von Sebastian Graef, Walter Zahner und Christine Maschke, nimmt die prekäre, aber auch chancenreiche Lage der Kirche in der modernen Welt unter die Lupe. Das Werk mit dem vielsagenden Untertitel „(Un)begrenzte Möglichkeiten?“ ist weit mehr als eine innerkirchliche Bestandsaufnahme – es ist ein Weckruf zur gesellschaftlichen Mitgestaltung.

In Zeiten von Kirchenaustritten und schwindender institutioneller Bindung stellt sich die Frage nach der Systemrelevanz der christlichen Gemeinschaften dringender denn je. Die Herausgeber Sebastian Graef, Walter Zahner und Christine Maschke haben Experten aus Theorie und Praxis zusammengeführt, um eine Antwort auf die Frage zu finden: Was bleibt von der Rolle der Kirche im öffentlichen Raum?

Ein multiperspektivischer Blick auf den Wandel

Der Band überzeugt durch seine thematische Breite. In einer Zeit, die durch tiefgreifende Umbrüche geprägt ist, untersuchen die Autoren drei zentrale Kraftfelder. Es geht zunächst um die Säkularisierung und die Frage, wie die christliche Botschaft in einer Welt Gehör finden kann, die Gott scheinbar nicht mehr braucht. Ein weiterer Bereicht betrifft die Herausforderung der Digitalisierung. Konkret geht es um die Chancen, die der virtuelle Raum für neue Formen der Gemeinschaft und Seelsorge bieten kann. Und das dritte Element betrifft die kulturelle Pluralität. Da gehen die Beiträge auf die Frage ein, wie sich die Kirche in einer Gesellschaft positioniert, die religiös und weltanschaulich immer vielfältiger wird.

Dabei verfällt das Buch nicht in ein Wehklagen über den Statusverlust. Vielmehr wird die Frage nach den „begrenzten“ oder eben „unbegrenzten“ Möglichkeiten als produktives Spannungsfeld begriffen.

Kirche als „Public Player“

Ein roter Faden der Beiträge ist die Suche nach der Präsenz im öffentlichen Raum. Die Autoren machen deutlich, dass die Kirche ihre Mauern verlassen muss, um dort zu sein, wo die „Horizonte aufgerissen werden“ – ein Motiv, das in der aktuellen Debatte um die gesellschaftliche Relevanz immer wiederkehrt. Es geht um eine Kirche, die nicht nur verwaltet, sondern als aktiver Akteur (als „Public Player“) ethische Debatten mitgestaltet.

Besonders spannend sind die praktischen Lösungsansätze: Der Band zeigt, dass kirchliche Arbeit dort fruchtbar wird, wo sie sich auf die konkreten Lebenswelten der Menschen einlässt – sei es in der digitalen Sphäre oder im interkulturellen Dialog.

Fazit: Interessante Lektüre für Brückenbauer

„Die Rolle der Kirche in der heutigen Gesellschaft“ ist kein Buch, das fertige Rezepte liefert. Es ist vielmehr ein Laboratorium der Ideen. Wer verstehen will, wie sich die Kirche im Spannungsfeld zwischen Tradition und Transformation neu erfinden kann, kommt an diesem Sammelband nicht vorbei.

Das Werk zeigt eindrucksvoll: Die Möglichkeiten der Kirche sind vielleicht institutionell begrenzter als früher, inhaltlich und menschlich sind sie jedoch – wenn man den Mut zur Veränderung aufbringt – nahezu unbegrenzt.

Zum Mitschreiben

Sebastian Graef, Walter Zahner, Christine Maschke (Hrsg.): Die Rolle der Kirche in der heutigen Gesellschaft. (Un)begrenzte Möglichkeiten? Erschienen in der Reihe: Kirche in Gesellschaft
Bandnummer: 1, 1. Auflage 2025 im Verlag Schnell und Steiner, ISBN: 978-3-7954-9066-9.

Eine Rezension von Mario Galgano.

(vatican news)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

16. Februar 2026, 12:44