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Der designierte Wiener Erzbischof Josef Grünwidl vor der versammelten Presse im Stephansdom an diesem Mittwoch Der designierte Wiener Erzbischof Josef Grünwidl vor der versammelten Presse im Stephansdom an diesem Mittwoch  (kathpress)

Wiens neuer Erzbischof sieht sich in der Tradition des Konzils

Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl sieht sich mit Papst Leo in der Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das sagte er in einer Begegnung mit Medienschaffenden an diesem Mittwoch im Wiener Stephansdom. Grünwidl empfängt am Samstag die Bischofsweihe.

„Die Kirche mit dem Bild des Zweiten Vatikanischen Konzils als wanderndes Gottesvolk, als Gemeinschaft, als Zeichen der Hoffnung in der Welt zu leben: Das ist etwas, was mir wichtig ist“, so Grünwidl. Er habe nicht die Absicht, als Wiener Erzbischof seine Stimme zu tagespolitischen Ereignissen zu erheben, aber zu grundsätzlichen Fragen der Gesellschaft die christliche Perspektive einzubringen. „Dort, wo es zum Beispiel jetzt auch um die Frage Armut und Vereinsamung geht, um das Thema Migration, ist die Kirche, denke ich, gefragt. Denn als Christ aus der jüdisch-christlichen Tradition der Bibel haben die Fremden, die Obdachlosen und die Hilfsbedürftigen einen ganz hohen Stellenwert für Gläubige, weil uns in diesen Menschen Gott selber begegnet.“

„Wir leben in einer Weltkirche, die sehr bunt ist“

Er gehe dem Tag der Weihe in großer Dankbarkeit und mit Freude und Hoffnung entgegen, so Grünwidl. Er wolle die aktuellen Probleme der Kirche nicht kleinreden, aber: „Ich definiere die Kirche nicht in erster Linie über Probleme, Defizite, über Statistiken und Strukturen, sondern über die biblische Verheißung. Und die besagt: Wir sind Volk Gottes. Auch wenn sich die vertraute Gestalt der Kirchen gerade dramatisch ändert, wird es mit unserer Kirche gut weitergehen. Allerdings ganz anders als wir es gewohnt sind." Diese Hoffnung leitet ihn mehr als der Blick auf Zahlen, Statistiken und Umfragen.

Der designierte Wiener Erzbischof warb darüber hinaus für einen weiten Blick auf die Weltkirche. „Wir leben in einer Weltkirche, die sehr bunt ist, die in unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs ist und es in Teilen der Erde ganz andere Fragen und Probleme gibt als bei uns in Mitteleuropa." Die Buntheit und Vielfalt mache die Weltkirche zugleich lebendig und herausfordernd.

Josef Grünwidl, designierter Erzbischof von Wien
Josef Grünwidl, designierter Erzbischof von Wien

Die Weihe am Samstag, den 24. Januar, wird dem neuen Erzbischof sein Vorgänger Kardinal Christoph Schönborn spenden. Mitkonsekratoren sind der Salzburger Erzbischof Franz Lackner als Vorsitzender der Bischofskonferenz und ein junger Bischof aus Tschechien, Stanislav Přibyl von Leitmeritz, kündigte Grünwidl an. Bundespräsident, Bundeskanzler, Bundesregierung „und auch Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens aus Niederösterreich und Wien“ werden bei der Weihe dabei sein, außerdem 150 Ministrantinnen und Ministranten, viele aus seinen ehemaligen Pfarren, und 60 Jugendliche werden Grünwidl vor der Weihe vom Bischofshaus in den Dom geleiten.

„Die bunte und breite Beteiligung von sehr vielen bei der Weihliturgie ist mir sehr wichtig““

„Die bunte und breite Beteiligung von sehr vielen bei der Weihliturgie ist mir sehr wichtig“, erklärte der Erzbischof. „Es wird auch vielleicht ein paar Akzente geben, die bis jetzt noch nicht so waren. So wird die Ernennungsurkunde des Papstes, der mich zum Erzbischof ernannt hat, eine Seelsorgerin aus dem Weinviertel verlesen. Nicht der Ordinariatskanzler, sondern eine Frau aus dem Gottesvolk übernimmt diese Aufgabe und stellt mich vor als den neuen Erzbischof.“

Weil der Wiener Stephansdom nur 3.000 Menschen fasse und viele mehr kommen wollten, werde er nach seiner Weihe im Wiener Neustädter Dom einen großen Gottesdienst feiern und einen weiteren in seiner Heimatgemeinde Wullersdorf im Weinviertel, „weil das einfach eine der größten Kirchen des Weinviertels ist“, erklärte der designierte Erzbischof.

Bischofsstab von Krätzl, Brustkreuz von Franziskus

Grünwidl gab auch Auskunft über seine bischöflichen Insignien, die er sich möglichst schlicht gewünscht habe. Sein Bischofsstab gehörte einst dem Weiner Weihbischof Helmut Krätzl, dessen Zeremoniär Grünwidl war. Er wurde auch von Kardinal Franz König und Weihbischof Florian Kuntner verwendet. Alle drei Bischöfe stehen für die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Wiener Erzdiözese „und haben mich in meiner Jugend sehr geprägt", wie Grünwidl bekannte.

Als Bischofsring dient dem neuen Wiener Erzbischof eine silberne Nachbildung des ursprünglich goldenen Konzilsrings, den Papst Paul VI. den Vätern des Zweiten Vatikanischen Konzils schenkte. Beim Brustkreuz entschied sich Grünwidl für eine Kopie des silbernen Kreuzes von Papst Franziskus, das Christus als Guten Hirten zeigt. 

„Die einzige von meinen Insignien, die wirklich für mich speziell angefertigt werden musste, ist die Bischofsmütze – die muss passen, und ich habe mir erklären lassen, es geht nicht, alte Bischofsmützen irgendwie umzuformen, das wäre aufwendiger“, sagte Grünwidl. Als Motiv habe er die sieben Flammen des Heiligen Geistes gewählt, „denn den Heiligen Geist werde ich sicher dringend brauchen für meine Aufgaben als Erzbischof von Wien“.

(vatican news - gs)

 

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21. Januar 2026, 15:10