Schweiz: St. Galler Bischof würdigt verfolgte Christen
In einem Interview mit dem Portal kath.ch spricht das Kirchenoberhaupt über die Kraft des Glaubens gegen totalitäre Systeme und die Tabuisierung der Religion im Westen.
Schon in seiner Jugend faszinierten den Bischof Menschen, die Ideologien wie dem Nationalsozialismus oder dem Kommunismus die Stirn boten. „Mich hat die Kraft aus dem Glauben fasziniert, die diese Menschen bestärkt hat“, erklärt Grögli. Besonders der deutsche Theologe Dietrich Bonhoeffer prägte seinen eigenen Weg.
Persönliche Kontakte in Krisengebiete
Gröglis Bezug zur verfolgten Kirche ist nicht nur theoretischer Natur. Seit seinem Studium in Innsbruck pflegt er Kontakte in die Ukraine, wo er bereits 1996 die Spuren der kommunistischen Herrschaft erlebte. Besonders nahe geht ihm das Schicksal eines chinesischen Priesters, mit dem er bis heute in engem Austausch steht. „Ich erlebe so sehr nahe, wie vorsichtig er sich bewegen muss“, schildert der Bischof die ständige Kontrolle der Kirche in China. Auch Berichte aus Albanien oder Lateinamerika haben seinen Blick für eine Kirche geschärft, die oft jahrelang ohne Priester und Eucharistie überleben muss.
Das Dogma des Privaten
Auf die Frage, warum das Schicksal verfolgter Christen in Europa oft auf Desinteresse stößt, findet Grögli deutliche Worte. Seit der Aufklärung gelte in Europa das fast dogmatische Prinzip: „Jeder und jede darf glauben, was er oder sie will, aber bitte privat.“ Verfolgte Christen würden diese Sichtweise massiv stören, da sie ihren Glauben nicht in den privaten Innenraum zurückziehen können.
Zudem spielten wirtschaftliche Interessen eine Rolle: „Mit China zum Beispiel will es niemand verscherzen, obwohl wir genau wissen, wie stark dort die Kirchen kontrolliert und beschnitten werden.“ Doch auch in der Schweiz beobachtet der Bischof eine schleichende Tabuisierung. Gläubige Menschen würden sich oft aus Angst vor „blöden Sprüchen“ nicht mehr bekennen wollen.
Versöhnung als stärkstes Zeugnis
Was können Menschen in gesicherten Verhältnissen von Verfolgten lernen? Für Grögli ist es vor allem die Entscheidungskraft: „Zu was sage ich Ja, wo sage ich Nein?“ Das Zeugnis dieser Menschen gebe ihm Mut zur Wahrheit und beschäme bisweilen den eigenen „Kleinglauben“. Besonders beeindruckt zeigt er sich von der Fähigkeit zur Vergebung: „Dass Menschen aus dem Glauben heraus vergeben können, obwohl sie schweres Unrecht erleiden.“
Predigt über Freiheit und Hoffnung
In seiner Predigt am Sonntag will Grögli den Fokus auf die Freiheit des Glaubens legen. „Glauben kann man nur in Freiheit“, ist der Bischof überzeugt. Während die Welt oft auf das Recht des Stärkeren setze, müsse Religion auf diese Art von Macht verzichten. Er wolle die „unbewaffnete Hoffnung“ der mutigen Zeugen feiern – ein Begriff, den er in Anlehnung an Papst Leo XIV. verwendet.
Der Gedenkgottesdienst findet am Sonntag, den 18. Januar, um 10 Uhr in der Jesuitenkirche Luzern statt. Musikalisch wird die Messe unter anderem von einer Jodlerin und dem Jodlerklub Alpnach gestaltet.
(kath.ch - mg)
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