Weltindex: 388 Mio. Christen verfolgt - Verschärfte Lage in Syrien
Hauptgrund für die dramatische Verschlechterung der Lage in Syrien ist ein massiver Anstieg der Gewalt. Im Berichtszeitraum wurden laut dem Hilfswerk mindestens 27 Christen in Syrien wegen ihres Glaubens getötet, im Jahr davor waren es keine. Besonders folgenschwer war ein Selbstmordanschlag auf die griechisch-orthodoxe Mar-Elias-Kirche in Damaskus im Juni 2025. Dabei kamen 22 Christen ums Leben. In mehreren Regionen des Landes wurden Kirchen und kirchliche Gebäude attackiert und christliche Schulen geschlossen. Viele Christen gingen aus Angst nicht mehr in die Kirche.
„Als das Assad-Regime im Dezember 2024 fiel, gab es vorsichtigen Optimismus, dass die Christen in Syrien unter der neuen Führung von Hay'at Tahrir al-Sham eine Atempause finden könnten. Stattdessen haben wir eine verheerende Kehrtwende erlebt“, erklärt Kurt Igler, Geschäftsführer von Open Doors Österreich. „Wenn der Schutz durch den Staat zusammenbricht und extremistische Ideologien die Lücke füllen, zahlen religiöse Minderheiten den Preis dafür. Die Welt darf nicht wieder wegsehen“, mahnte der Menschenrechtsexperte.
Nach Schätzungen leben derzeit nur noch rund 300.000 Christen in Syrien. Hunderttausende haben das Land bereits verlassen. Eine ähnliche Entwicklung habe zuvor im Irak stattgefunden und sei im gesamten Nahen Osten zu beobachten.
388 Millionen Christen in hohem Maß verfolgt
Der Index ordnet die Länder anhand einer Punktzahl den Kategorien „hoch“, „sehr hoch“ und „extrem“ zu. Rund 315 Millionen Christen sind den Angaben zufolge einem „sehr hohen“ bis „extremen“ Maß an Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Unter den zehn Ländern mit der meisten Christenverfolgung befinden sich abgesehen von Nordkorea vorrangig islamisch geprägte Staaten.
Weltweit wurden laut Index mindestens 4.849 Christen im Zusammenhang mit der Ausübung ihres Glaubens getötet, nach 4.476 im Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Die Zahl sexualisierter Übergriffe, Zwangsehen und Vergewaltigungen nahm deutlich zu. Dokumentierte Angriffe auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen gingen hingegen zurück.
Verschärfte Lage in Subsahara-Afrika
Neben Syrien zählt Subsahara-Afrika weiterhin zu den Regionen mit der höchsten Gewalt. 14 Länder dieser Region stehen auf dem Weltverfolgungsindex 2026. Ein Höchstmaß an Gewalt in ihren Ländern verzeichnet der Index aktuell für Christen im Sudan, in Mali und Nigeria. Im Sudan würden Christen von beiden Kriegsparteien, also sowohl von der Armee als auch von den Rapid Support Forces, ins Visier genommen. In Nigeria verüben islamistische Radikale insbesondere in den nördlichen Landesteilen immer wieder schwere Anschläge und Massaker.
Das Muster, wonach schwache Regierungen ein Machtvakuum schaffen, das von militanten Islamisten ausgefüllt wird, setzte sich in der gesamten Region fort, so Open Doors. Weitgehend ungehindert operierten diese etwa in Teilen von Burkina Faso, Mali, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Somalia, Niger und Mosambik.
Christen in Algerien in Isolation
Auch in China (Platz 17) habe der Staat den Druck weiter verstärkt. Neue Vorschriften regulierten jegliche Online-Aktivitäten von Geistlichen. Bibel-Apps, Spendensammlungen und Jugendarbeit seien verboten, so Open Doors: „Unabhängige Hauskirchen, die sich einst in großen Einkaufszentren trafen, haben sich in geheime Gruppen von 10 bis 20 Personen in Privathäusern aufgespalten.“
Open Doors unterstützt nach eigenen Angaben verfolgte Christen in rund 60 Ländern. In Österreich widmet sich das Hilfswerk vorwiegend der Berichterstattung über ihre Unterdrückung.
Hier die Website von Open Doors mit Details zum Weltverfolgungsindex:
www.opendoors.at
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