Rom: Deutsches Pilgerbüro zieht positive Bilanz des Heiligen Jahres
Mario Galgano - Vatikanstadt
Wenn in den nächsten Stunden das Heilige Jahr 2025 langsam ausklingt, blickt Pfarrer Christian Böck, Direktor des Pilgerzentrums für den deutschsprachigen Raum, auf ein Jahr der Superlative zurück. Im Interview zieht er eine Bilanz, die selbst die optimistischen Prognosen des Vatikans weit übertrifft. „Es sind viel mehr Menschen aus dem deutschen Sprachraum gekommen, als vom Vatikan anfangs geplant oder eingerechnet waren“, so Böck.
Ein Jahr der Rekorde in Zahlen
Die Statistiken des Pilgerzentrums sprechen eine deutliche Sprache. Zur Online-Präsenz: Die Homepage des Zentrums verzeichnete im Jahr 2025 rund 600.000 Aufrufe. Besonders an den Wochenenden informierten sich die Menschen intensiv über Sicherheitsvorkehrungen, Pilgerwege und Audienzen. Was die persönliche Kontakte betrifft, so suchten über 15.000 Pilger die Räumlichkeiten des Zentrums persönlich auf, um Tickets für Papstaudienzen zu erhalten oder spezifische Beratung für die Sieben-Kirchen-Wallfahrt in Anspruch zu nehmen. Zur Gesamtbilanz des Vatikans weist Pfarrer Böck darauf hin, dass Erzbischof Rino Fisichella von insgesamt 32 Millionen Menschen spricht, die die Ewige Stadt während des Jubiläumszeitraums besucht haben.
„Camp-Atmosphäre“ in der römischen Hitze
Besonders in den Sommermonaten wurde das Pilgerzentrum zu einem „Basislager“ für Jugendgruppen und Ministranten. „In der Hitze haben viele einen Ort der Kühlung gesucht“, berichtet Pater Böck. Zeitweise sei in den Räumen kaum ein Durchkommen gewesen, da die Jugendlichen auf dem Boden saßen und sich ausruhten. „Das war eine richtige Camp-Atmosphäre, sehr schön und lebendig“, so der Direktor.
Der „Leo-Effekt“
Laut Böck gab es zwei Hauptgründe für den Ansturm: Zum einen die emotionalen Ereignisse um den Tod von Papst Franziskus im April, zum anderen die enorme Popularität des neuen Papstes Leo XIV. „Kirche ist durch den Wechsel noch einmal ganz neu ins Gespräch gekommen“, erklärt Böck. Die Aufmerksamkeit der Medien habe das Motto des Jahres – „Pilger der Hoffnung“ – vielen Menschen ins Bewusstsein gerückt.
Auch die Entscheidung von Papst Leo XIV., die Sommerresidenz Castel Gandolfo wieder aktiv zu nutzen, sorge für neue Impulse. Viele Pilger erkundigten sich bereits nach Ausflügen in die Albaner Berge, um dort den Apostolischen Palast zu besichtigen oder in den Weinorten der Castelli Romani Gemeinschaft zu erleben.
Ausblick auf 2026: Der Nachhall des Jubiläums
Obwohl die großen Sonderaudienzen nun auslaufen, rechnet Böck nicht mit einer Rückkehr zur alten Ruhe. Viele Pfarreien hätten ihre Reisen bewusst auf das Jahr 2026 verschoben, um den Massen des Jubiläumsjahres zu entgehen. „Wir haben für 2026 bereits jetzt sehr viele Anfragen“, bestätigt der Direktor.
Sein persönlicher Wunsch zum Abschluss des Jubiläums ist spiritueller Natur. „Mein Wunsch wäre, dass wir diese Botschaft des Heiligen Jahres internalisieren: Dass wir Pilger der Hoffnung sind. Die Welt braucht Menschen, die einen klaren, hoffnungsvollen Blick nach vorne haben.“
(vatican news)
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