Vatikan und Stadt Rom ziehen Bilanz des Heiligen Jahres
Mario Galgano - Vatikanstadt
Zwischen dem 24. Dezember 2024 und diesem Montag, dem 5. Januar 2026, haben genau 33.475.369 Pilger aus aller Welt die Ewige Stadt besucht, um eine der Heiligen Pforten zu durchschreiten. Dies gab Erzbischof Rino Fisichella, der Beauftragte des Vatikans für das Jubiläum, an diesem Montag auf einer Pressekonferenz bekannt. Damit blieb die Zahl nur knapp unter der ursprünglich prognostizierten Marke von 35 Millionen Besuchern.
Die Statistik des Glaubens
Erzbischof Fisichella legte eine detaillierte Analyse der Pilgerströme vor. Mit über 36 Prozent stellten die Italiener die größte Gruppe. Pilger aus Deutschland belegten mit einem Anteil von 3,16 Prozent den sechsten Platz im internationalen Ranking. Europa war mit insgesamt 63 Prozent der Haupt-Herkunftskontinent, gefolgt von Nord- (16,54 Prozent) und Südamerika (9,44 Prozent).
Die Zählung erfolgte laut Fisichella mit modernster Technik: „Wir wissen tagesgenau, wie viele Menschen die Heilige Pforte im Petersdom durchschritten haben, da dort eine Kamera jeden Pilger erfasst hat“. Für die anderen drei Papstbasiliken ohne Kamerasysteme stützte man sich auf manuelle Zählungen durch die zahlreichen Freiwilligen.
Das „Metodo Giubileo“: Eine neue Ära für Rom
Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri zog ebenfalls eine positive Bilanz, insbesondere im Hinblick auf die Stadtentwicklung. Von den 332 geplanten Bauprojekten wurden 204 bereits ganz oder teilweise abgeschlossen. Besonders stolz zeigte sich Gualtieri auf das „Metodo Giubileo“ (die Jubiläums-Methode): Ein engmaschiger, täglicher Dialog zwischen den Institutionen, um Probleme in Echtzeit zu lösen.
„Das wichtigste Erbe ist das wiedergewonnene Vertrauen der Römer in ihre Stadt“, betonte Gualtieri. „Wir haben gezeigt, dass wir komplexe Projekte in festen Zeiträumen realisieren können.“ Als Beispiel nannte er die Fertigstellung der Piazza Pia, die nun eine völlig neue Fußgängerzone zwischen der Engelsburg und dem Vatikan schafft. (An der Piazza Pia liegt auch das Gebäude unserer Redaktion.)
Zwischenmenschliches und kleine Reibereien
Trotz der hohen Arbeitsbelastung – Gualtieri erließ allein hundert Sonderverordnungen – blieb die Atmosphäre zwischen den Beteiligten herzlich. „Wir haben es nicht geschafft, uns zu streiten“, scherzte der Unterstaatssekretär der italienischen Regierung, Alfredo Mantovano. Dennoch gab es kleine ästhetische Differenzen: Erzbischof Fisichella gestand lächelnd, dass er anfangs kein Fan der neuen Brunnen auf der Piazza Pia war. „Aber man gewöhnt sich daran, und jetzt fangen sie an, mir zu gefallen“, fügte er hinzu.
Auf die Frage, was er am meisten vermissen werde, antwortete Fisichella sichtlich bewegt: „Die fast täglichen Telefonate und die Freundschaften, die über die strukturelle Verantwortung hinaus entstanden sind. Das hat uns ermöglicht, gut zusammenzuarbeiten.“
Ausblick: Das Erlösungsjahr 2033
Bereits jetzt richten sich die Blicke auf das Jahr 2033, das 2000. Jubiläum der Erlösung. Bürgermeister Gualtieri deutete an, dass man für dieses Ereignis bereits über eine weitere Untertunnelung der Via della Conciliazione nachdenke, um die gesamte Zone zur Fußgängerzone zu machen. Erzbischof Fisichella blieb jedoch vorsichtig: „Dass es ein Jubiläum 2033 geben wird, ist eine Vision, erfordert aber noch eine formelle Entscheidung des Heiligen Vaters.“
An diesem Montagabend um 17:00 Uhr wird die letzte offizielle Pilgergruppe die Heilige Pforte durchschreiten, bevor Papst Leo XIV. das Heilige Jahr am Dienstag feierlich beendet. Für Rom bleibt eine Erwartung weiteren Wachstums: Experten gehen davon aus, dass 2026 ein noch stärkeres Tourismusjahr wird, getragen vom „Schaufenster-Effekt“ des Jubiläums.
(vatican news)
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