Kundgebung für die Ukraine in Wien Kundgebung für die Ukraine in Wien  (AFP or licensors)

Österreich: Caritas warnt vor Obdachlosigkeit für Geflüchtete

Angesichts der geplanten Schließung des letzten bundesweiten Ankunftszentrums für ukrainische Vertriebene in Wien Ende Februar schlägt die Caritas Alarm. Der Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner warnt vor drohender Obdachlosigkeit für neu ankommende Geflüchtete und fordert das Innenministerium sowie die Bundesländer auf, ihrer staatlichen Verantwortung nachzukommen.

„Es ist eine staatliche Aufgabe, dass Vertriebene aus der Ukraine in Österreich nicht auf der Straße stehen“, erklärte Schwertner gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress. Da das Wiener Ankunftszentrum in Kürze seine Pforten schließen soll, droht eine gefährliche Versorgungslücke. Schwertner appellierte an das Innenministerium, die Finanzierung von landesweit drei bis fünf Ankunftszentren sicherzustellen, um eine geordnete Erstversorgung zu gewährleisten.

„Kompetenzgerangel“ inmitten des Kriegswinters

Hintergrund der prekären Lage ist ein anhaltender Zuständigkeits- und Finanzierungsstreit zwischen dem Bund und den österreichischen Bundesländern. Schwertner kritisierte das aktuelle „Kompetenzgerangel“ scharf. Er erwarte, „dass sich die Länder und das Innenministerium in dieser Frage endlich einigen und die Versorgung der Vertriebenen gewährleisten“.

Die Situation wird durch die klimatischen Bedingungen verschärft. In der Ukraine herrscht derzeit der härteste Kriegswinter mit Temperaturen von bis zu minus 20 Grad; das Land steht unter ständigem Beschuss. „Menschen fliehen vor den schrecklichen Kriegswirren“, so der Caritas-Direktor. Umso unverständlicher sei es, dass ihnen nach ihrer Ankunft in Österreich nun Obdachlosigkeit drohe.

Kirchliche Notquartiere nur als Überbrückung

Parallel zu den politischen Forderungen bereitet sich die Caritas der Erzdiözese Wien gemeinsam mit Pfarren auf den Ernstfall vor. In mehreren Gemeinden werden derzeit sogenannte „Vorhaltekapazitäten“ geschaffen, um im Notfall kurzfristig Unterkünfte bereitzustellen.

Die Hilfsorganisation stellte jedoch klar, dass diese kirchlichen Notquartiere – etwa in der Pfarre Franz von Sales in Döbling – lediglich als befristete Überbrückung gedacht seien. „Wir bereiten uns auf eine Situation vor, von der wir hoffen, dass sie nicht eintritt“, hieß es vonseiten der Caritas. Kirchliche Strukturen könnten staatliche Aufnahmezentren keinesfalls ersetzen.

Quotenstreit zwischen den Bundesländern

Ein weiterer Kritikpunkt Schwertners ist die ungleiche Verteilung der Geflüchteten. Derzeit erfülle lediglich Wien die vereinbarten Aufnahmequoten, während alle anderen Bundesländer zurücklägen. Die Erstversorgung sei in einer 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern klar geregelt, werde jedoch nicht „auf Punkt und Beistrich“ umgesetzt. Aktuell erreichen monatlich etwa 1.200 schutzsuchende Ukrainerinnen und Ukrainer Österreich.

(kap - mg)

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19. Januar 2026, 14:05