Früherer Grazer und Gurker Bischof Kapellari wird 90
„Ich sehe weltweit viel Positives, bin daher im Ganzen gelassen." Er sei besonders Gott gegenüber dankbar "und seinen Fügungen, die ich als solche immer mehr erkannt habe und erkenne". Aus vielen Tätigkeiten und Begegnungen sei "eine reiche Lebensernte erwachsen, die auch in Zukunft weiterwachsen wird, wenn Gott es will", so der emeritierte Bischof.
Seit seinem Rücktritt 2015 lebt er weitgehend von der Öffentlichkeit zurückgezogen bei den Elisabethinen in Graz. Seinen 90. Geburtstag begeht er am Montag im kleinen Kreis mit einem Gottesdienst in der Kapelle des Grazer Priesterseminars.
Vielfältiges Wirken über diözesane Grenzen hinaus
In der österreichischen Bischofskonferenz war Kapellari für zahlreiche Bereiche zuständig. So war er von 1982 bis 1992 Referent für Jugendseelsorge („Jugendbischof"), von 1982 bis 1992 Mitglied des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), zwei Funktionsperioden lang Mitglied des damaligen „Päpstlichen Rates für den Dialog mit den Nichtglaubenden" im Vatikan, von 1997 bis 2015 Mitglied der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) in Brüssel sowie Referatsbischof für Liturgie, Kultur und Medien. Als Medien-Bischof war er zudem Präsident der Katholischen Medien-Akademie Wien, Präsident und Herausgeber der Kathpress und Ansprechpartner für österreichische Medien. Von 2001 bis 2015 war Kapellari auch Stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz.
Neben seinen vielfältigen Aufgaben als Seelsorger und Bischof verfasste Kapellari auch mehr als 20 Bücher sowie zahlreiche Aufsätze in Sammelwerken, Zeitschriften und Zeitungen. Eines seiner bekanntesten Bücher, nämlich „Heilige Zeichen in Liturgie und Alltag" (2008), wurde auch auf Italienisch, Polnisch, Slowenisch, Slowakisch, Spanisch und Koreanisch aufgelegt.
Erst mit 79 Jahren, vier Jahre später als üblich, wurde Kapellaris Rücktrittsgesuch 2015 vom damaligen Papst Franziskus - einer der sieben Päpste, denen er direkt begegnet und einer, der ihm ebenso wie zuvor Johannes Paul II. und Benedikt XVI. besonders nahe gewesen sei - angenommen. Er selbst sei nun ein „elder churchman", der sich „mit der Kirche in Europa und weltweit freut und auch mit ihr leidet", nirgends dreinrede und dennoch gut informiert sei und seine Erfahrungen an Interessierte weitergebe, so Kapellari gegenüber dem „Sonntagsblatt" abschließend.
„Bleibende Spuren" in Kärnten
Auch zu Kärnten spüre er bis heute eine starke Bindung, resümierte der Bischof. Er habe in den fast zwei Jahrzehnten an der Spitze der Diözese Gurk alle Pfarren mindestens einmal in fünf Jahren visitiert und die meisten Firmungen selbst gespendet. Als Höhepunkt dieser Zeit nannte Kapellari den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1988 in Gurk, dessen Rahmen damals eine Dreiländer-Wallfahrt mit Pilgern aus Kärnten, Slowenien und Friaul bildete. 2007 konnte er schließlich als Bischof von Graz-Seckau Papst Benedikt XVI. in Mariazell begrüßen.
Die Diözese Gurk würdigte Kapellari in einer Presseaussendung aus Anlass seines 90. Geburtstages. So erinnerte die Diözese etwa an die von Kapellari initiierte Dreiländerwallfahrt und die „St. Georgener Gespräche" mit prominenten Referenten wie Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., Karl Lehmann, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Hans Urs von Balthasar oder Johann Baptist Metz.
Ein „besonderes Zeichen der immer noch bestehenden engen Verbundenheit" Kapellaris zu Kärnten sei ein Festgottesdienst 2021 mit Bischof Josef Marketz, dem früheren Linzer Bischof Maximilian Aichern und Egon Kapellari im Gurker Dom gewesen, mit dem Kapellari seinen damaligen 85. Geburtstag, den 60. Jahrestag seiner Priesterweihe sowie den 40. Jahrestag seiner Bischofsernennung feierte. Bischof Marketz dankte Kapellari damals für die „bleibenden Spuren", die er in Kärnten hinterlassen habe.
(kap - sst)
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