Suche

Der Liebfrauendom von München Der Liebfrauendom von München 

D: „Geschwisterlichkeit und Frieden sind keine Träumerei“

Kardinal Reinhard Marx ist überzeugt, dass das Christentum als „eine universale Botschaft der Freiheit, der Würde, der Geschwisterlichkeit aller“ Teil des Kernprofils Europas bleiben und eine Renaissance erleben wird.

Laut Manuskript seiner Weihnachtspredigt an Heiligabend im Münchner Liebfrauendom fordert der Erzbischof von München und Freising die Christen dazu auf, in Europa ihren „Platz einzunehmen, deutlich, klar und präsent inmitten der gegenwärtigen Herausforderungen“, und die „Vision einer geschwisterlichen Welt“ gegen „Eigeninteressen, Resignation und Zynismus“ zu verteidigen. Der Predigttext wurde vorab veröffentlicht.

Kardinal Marx erinnert an das Weihnachtsevangelium und an die Verletzlichkeit Jesu, der geboren worden sei als jüdisches Kind „inmitten einer widersprüchlichen Welt, die geprägt war von Misstrauen, Angst, Gewalt, Krieg und Ungerechtigkeit“. In diesem Zusammenhang zeigt sich der Erzbischof „entsetzt über den wachsenden Antisemitismus weltweit“ und fügt hinzu: „Wir stehen an der Seite unserer älteren jüdischen Geschwister!“

Kardinal Marx
Kardinal Marx   (AFP or licensors)

„Entsetzt über wachsenden Antisemitismus weltweit“

Trotz der bedrohlichen Umstände setzten nach Ansicht von Marx die Geburt Jesu und seine Lebensgeschichte „für immer und unzerstörbar eine Bewegung in Gang, die den Kräften des Untergangs, der Gewalt, der Niedertracht und der Sünde nicht das Spielfeld überlässt“. Auch heute, „angesichts der dunklen Zeichen einer zerrissenen Welt, der Gewalt, des Nationalismus und der Vorherrschaft allein ökonomischer Interessen“, hält der Erzbischof von München und Freising daran fest, dass „der Glaube an einen Gott der Geschwisterlichkeit und des Friedens“ keine „utopische Träumerei“ sei.

„Einen offenen Himmel im Auge behalten“

Vielmehr zeige „die Geschichte der Menschheit, dass die Antwort auf die Herausforderungen nicht Resignation und Zynismus sein müssen“. Das „Ja zu einer Hoffnung – trotz alledem“ sei eine „tiefgehende Kraft, die auch über dunkle Zeiten und Katastrophen hinweg die Vision einer geschwisterlichen Welt und einen offenen Himmel im Auge behält“.

Ohne diese Hoffnung, die in der christlichen Weihnachtsbotschaft zum Ausdruck komme, fehle Europa ein entscheidendes Element, betont Kardinal Marx: „Was wäre unser Land, was wäre Europa, was wäre der sogenannte Westen ohne die Botschaft von Weihnachten?“ Das Kind in der Krippe zeige „einen geheimnisvollen Gott, der Bruder aller Menschen geworden ist“, und schließe daher „Menschen aller Kulturen und Völker zusammen und macht den Blick auf die eine Menschheitsfamilie frei, auf das gemeinsame Haus aller Menschen, das dieser wunderbare Planet darstellt“, so der Erzbischof. Diese „christliche Hoffnung ist das Wichtigste, das wir im Augenblick brauchen, suchen und uns schenken lassen sollten“.

(pm – sk)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

24. Dezember 2025, 10:07