Weihnachtsdekoration in Berlin Weihnachtsdekoration in Berlin  (AFP or licensors)

Lebensschutz und Einigkeit - Weihnachtsappelle deutscher Bischöfe

Zu Weihnachten haben katholische Bischöfe in Deutschland zu Zusammenhalt aufgerufen und den Schutz des menschlichen Lebens angemahnt. Auch Einsatz gegen den Hunger in der Welt sei nötig, so die Bischöfe. Traditionell begannen viele Christinnen und Christen die Weihnachtsfeierlichkeiten mit Gottesdiensten an Heiligabend. Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu, wurde erstmals im Jahr 336 am 25. Dezember gefeiert.

Gegen Nationalismus und Abschottung wandte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Limburger Bischof Georg Bätzing in seiner Weihnachtspredigt. Statt egoistischen Denkens mit der Parole „Wir zuerst!“ brauche es mehr Solidarität und gemeinsame Verantwortungsübernahme, sagte Bätzing am ersten Weihnachtsfeiertag. Konkret fragte Bätzing: „Glauben wir ernsthaft, wir könnten Demokratie und Zusammenhalt hierzulande stärken, ohne unseren Sozialstaat zukunftsfähig zu machen, der darauf basiert, dass die Generationen füreinander einstehen?“

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte an Heiligabend im Liebfrauendom der bayerischen Landeshauptstadt, das Christentum werde Teil des Kernprofils Europas bleiben. Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Botschaft der Freiheit, der Würde und Geschwisterlichkeit aller eine Renaissance erleben werde. Christen sollten die Vision einer geschwisterlichen Welt gegen Zynismus, Eigeninteressen und Resignation verteidigen. Das „Ja zu einer Hoffnung - trotz alledem“ sei eine tief gehende Kraft.

Laut dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki gründet der einzig wahre Humanismus letztendlich in Jesus als menschgewordenem Sohn Gottes. Diese Menschenwürde komme jedem zu, „ganz gleich, ob Frau, Mann oder Kind, ob reich oder arm, ob weiß oder schwarz, ob Christ oder Nicht-Christ“, sagte Woelki am ersten Weihnachtsfeiertag. Daher sei der Mensch unantastbar. Denn wer sich am Ebenbild vergreife, vergreife sich auch am Urbild, an Gott. „Daher hat auch niemand das Recht, über menschliches Leben zu verfügen, weder über das ungeborene Leben noch über das altgewordene oder kranke.“

„Empathie ist keine Schwäche“

In seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag rief der Fuldaer Bischof Michael Gerber zum Miteinander auf. „Empathie ist im Licht von Weihnachten keine Schwäche, sondern die entscheidende Stärke des Menschen.“ Damit stehe die christliche Botschaft in genauem Gegensatz zu dem, was US-Tech-Milliardär Elon Musk gesagt habe, wonach Empathie die entscheidende Schwäche der westlichen Gesellschaft sei. Gerber feierte mit der Christmette sowie der Messe am ersten Weihnachtsfeiertag seine ersten beiden öffentlichen Gottesdienste seit seiner Krebsdiagnose im Sommer.

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz appellierte an die Machthaber der Welt, ihr politisches Handeln Gott gegenüber zu verantworten. Wenn sie ihn nicht als Autorität über sich haben, „wer und was ist dann der Maßstab?“, fragte Bentz im Weihnachtsgottesdienst im Paderborner Dom. „Gott hat wohl keinen Platz, wenn Frieden verunmöglicht wird, weil nicht die Gerechtigkeit, sondern der eigene Vorteil, die Pose des Stärkeren und der Deal leitend sind.“

Neue Wirklichkeit

Für den Trierer Bischof Stephan Ackermann hat mit der Geburt Jesu eine neue Wirklichkeit begonnen. Weihnachten sei die Zusage des menschgewordenen Gottes für eine bessere Welt, Versöhnung und Frieden, sagte Ackermann laut Redemanuskript in der Christmette im Trierer Dom. Wer sich diese Weihnachtsbotschaft zu Herzen nehme, könne selbst Zeichen gegen Leid, Krieg und Not setzen. Der Bischof rief dazu auf, Hass, Hetze und Lügen nicht einfach hinzunehmen. Dann sei eine friedlichere Welt möglich.

Weihnachten ist für den Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr ein Aufruf für den Schutz der Würde aller Menschen. Gott sei als Kind in der Krippe Mensch geworden - damit verbinde sich die Größe und Würde eines jeden Menschen, erklärte Neymeyr in seiner Weihnachtsbotschaft. Daraus ergebe sich auch ein Auftrag zum Schutz der Würde aller Menschen und zum Bemühen um gute zwischenmenschliche Beziehungen „trotz aller gegenläufigen Missverständnisse, Abneigungen und Verletzungen".

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf rief zu mehr Einsatz für benachteiligte und am Rande stehende Menschen auf. „Es ist gut, dass Papst Leo uns in seinem ersten großen Schreiben daran erinnert, dass unser Platz bei den Menschen am Rande ist und wir hinausgehen müssen", sagte Kohlgraf laut Redemanuskript im Mainzer Dom. Diejenigen, die sich heute in Kirchen als Hirten sehen, dürften den Kontakt zu den Menschen und ihren Nöten nicht verlieren. Der Bischof verwies mit Bezug auf Weihnachten, das ein konkretes geschichtliches Geschehen feiere, zudem auf die Bedeutung von Fakten.

Erinnerung an Kriege und Krisen

An das Leid in Kriegs- und Krisengebieten weltweit erinnerte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger - sei es in der Ukraine, in Nahost oder in Afrikas Bürgerkriegen. Angesichts dieses Leids falle es nicht leicht, Weihnachten als die Zusage Gottes zu verstehen, allen Menschen Liebe zu schenken, sagte Burger laut Predigtmanuskript in der Christmette im Freiburger Münster. Er blickte zudem mit Sorge auf Antisemitismus und Nationalismus in Deutschland.

Die Botschaft Jesu beginne bei den Kleinen und Ausgestoßenen, sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Die Hirten, die als Tagelöhner zur Unterschicht gehört und als „gottlos“ gegolten hätten, seien als erste beim neugeborenen Jesus gewesen. Diese Botschaft werfe die Frage auf: „Wer müsste in meinem Leben, in unserer Kirche, in unserem Land mehr Platz bekommen und stärkere Beachtung finden?"

Ähnlich äußerte sich der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Dass die Hirten die ersten waren, sei ein Zeichen der Solidarität Gottes mit allen an den Rändern der Gesellschaft. Weihnachten sei ein drängender Appell, für Menschenwürde, für Frieden und Gerechtigkeit einzustehen und „allen Mächten zu widerstehen, die unsere politische Kultur vergiften und die Gesellschaft spalten".

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer bezeichnete Weihnachten als „hochpolitisch“. „Jesu Botschaft ist damals wie heute Gottes Widerspruch gegen eine Welt, die ihre Probleme mit Gewalt und Krieg lösen will“, sagte er laut Redemanuskript in seiner Weihnachtspredigt im Hildesheimer Dom. „Das Kind von Bethlehem widerspricht jeder Form von Verachtung, Ausgrenzung und Verrohung der Sprache.“ Er kritisierte den russischen Krieg gegen die Ukraine und den orthodoxen Patriarchen Kyrill, der diesen christlich absegne. Entsetzt zeigte sich der Bischof zudem über Angriffe auf jüdische Menschen. „Die antisemitischen Anschläge in der Welt schreien zum Himmel."

Die Weihnachtsbotschaft sollte nach Ansicht des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt sensibler für die Situation von Flüchtlingen machen. Er verwies auf Berichte aus den aktuellen Kriegsgebieten im Gazastreifen, Sudan und der Ukraine. „Das sind Bilder, die uns in unseren gesicherten Lebensverhältnissen und warmen Weihnachtsstuben emotional überfordern können. Dennoch: Wir dürfen uns diese Bilder nicht ersparen - weil wir dort Menschengeschwister sehen, die wie du und ich betroffen sein könnten", mahnte er in seiner Weihnachtsbotschaft.

Demut und Frieden

Mit Blick auf die weltpolitische Lage mahnte der Würzburger Bischof Franz Jung am Donnerstag zu einem entschiedenen Einsatz für den Frieden. Gerade in Zeiten bewaffneter Konflikte dürfe die Hoffnung auf Versöhnung nicht aufgegeben werden. Frieden beginne dort, wo Eskalationen nicht weiter angeheizt, sondern Unterschiede überwunden würden - etwa im Heiligen Land. Weihnachten habe zudem eine familiäre Dimension: Häuser und Wohnungen sollten Orte sein, an denen Menschen einander annähmen und trügen. „Auch wir sollen heilige Familien sein", so Jung.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief zum Einsatz für Frieden auf. Die Verheißung Gottes „Friede auf Erden" brauche den Menschen, der sie umsetzt, sagte er laut Redemanuskript in der Christmette im Essener Dom. Notwendig seien Bemühungen, Streitigkeiten und Verletzungen zwischen Völkern und Menschen zu heilen. Nach den Worten Overbecks gilt dies auch im normalen Alltag. Er mahnte mehr soziale Gerechtigkeit an: „Es braucht einen gerechten und verlässlichen Sozialstaat als Grundlage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen in die staatliche Ordnung."

Generationengerechtigkeit und Lebensschutz

Weihnachten hält laut Bischof Heinrich Timmerevers nicht nur für Christen eine Botschaft bereit. „Wer an der Krippe verweilt, entdeckt etwas Elementares: Das Leben findet seinen Sinn nicht im Haben, sondern im Sich-verschenken", erklärte er in seiner Weihnachtsbotschaft. „In der Fähigkeit zu lieben, sich zu verschenken, den anderen zu sehen und für ihn da zu sein. Gott geht uns diesen Weg vor - nicht mit Macht, sondern durch sein eigenes Beispiel." Weihnachten erzähle von Menschen, die sich auf den Weg machten, weil sie spürten, dass ihr Leben mehr sein könne als Alltag, Routinen oder flüchtige Freuden. Das sei nach wie vor aktuell.

Der Übergangsleiter des Bistums Münster, Antonius Hamers, rief Christinnen und Christen zur Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens auf. „Gegen Hass, Ausgrenzung und Lieblosigkeit setzen wir die frohe Botschaft von Gottes Liebe zu allen Menschen", sagte er am ersten Weihnachtstag im Dom von Münster. Dazu zähle, „Gerechtigkeit zu schaffen, wirtschaftliche Probleme zu überwinden, Sozialsysteme generationengerecht zu reformieren, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gewährleisten, Leben zu schützen, die Schöpfung zu bewahren" und sich für den Frieden einzusetzen. Hamers leitet das größte deutsche Bistum bis es einen Nachfolger für Bischof Felix Genn gibt, der im März in den Ruhestand trat.

Willkommensbotschaft

Von Weihnachten geht laut dem Magdeburger Bischof Gerhard Feige eine große Willkommensbotschaft aus. „Christus im eigenen Leben eine Herberge zu geben, heißt zugleich aber auch, sich zu fragen: Für wen gibt es überhaupt Platz, in unserer Gesellschaft, in unserer Stadt, in unserem Land? Wer gehört dazu?“, so Feige in seinem ebenfalls vor Heiligabend veröffentlichten Weihnachtswort. Die Frage sei präsent in Politik und Gesellschaft ebenso wie in Kirchen und Familien.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hob vor Heiligabend darauf ab, Weihnachten sei die „Nacht der Nähe Gottes, eine Nacht, in der wir Mut fassen können. Fürchtet euch nicht, der euch tröstende Gott ist bei euch". Weihnachten vermittle, dass es einen Trost über diese Welt hinaus gebe. Gott sei „der Trost, der uns nicht fallen lässt ins Nichts“.

Der Rottenburger Bischof Klaus Krämer bezeichnete das Weihnachtsfest als Lichtstrahl der Hoffnung für die Menschheit. Christliche Überzeugung sei es, dass Gott an der Not der Menschen nicht achtlos vorbeigehe, sagte Krämer laut Predigtmanuskript in der Christmette im Rottenburger Dom. „In Gottes Zuwendung zu den Armen und Bedürftigen dringt ein Licht in das Dunkel dieser Welt, das nicht mehr verlöschen wird." Der Bischof rief dazu auf, sich für Frieden, Gerechtigkeit und den Schutz der Würde aller einzusetzen.

Gegen Hass und Antisemitismus

Zu einem entschlossenen Einsatz für Frieden rief der Aachener Bischof Helmut Dieser auf. „Jeder Hass verfehlt Gott vollkommen“, sagte er in der Christmette im Aachener Dom. Dieser warnte vor militärischer Gewalt und Folter sowie dem „Krieg der Verdrehungen und der Halbwahrheiten, der Lügen, der Macht- und Kraftsprüche, der Schmähungen, Abwertungen und Skandalisierungen". Und: „Wie schnell wird auch dieser Krieg aus Verwirrung und Hetze blutig, wenn das Herz des Menschen sich davon radikalisieren lässt und zum Terrorangriff übergeht mit Hassausbrüchen und Anschlägen gegen Weihnachtsmärkte oder aus unerträglichem Antisemitismus weltweit gegen Juden wie zuletzt in Australien."

Weihnachten feiern ohne Gott? 

Weihnachten feiern ohne Gott? Darüber dachte der Augsburger Bischof Bertram Meier nach. „Bei immer weniger Menschen spielt Gott eine wirkliche Rolle. Gott ist im Gehen", sagte Meier laut Manuskript bei der Feier der Christmette im Augsburger Dom. „Doch wo wir aufhören, Gott die Ehre zu geben, fangen wir bald an, uns selbst groß aufzuspielen. Der Mensch ist nicht mehr zu retten. Wenn Gott im Gehen ist, dann sind die Götzen im Kommen."

Das Weihnachtsfest ist laut dem Bamberger Erzbischof Herwig Gössl ein Aufruf dazu, zum Frieden beizutragen sowie mitzuhelfen, Konflikte zu entschärfen. Das sagte Gössl laut Mitteilung des Erzbistums in seiner Predigt in der Christmette. Weihnachten zeige, wie die Welt nach Gottes Willen sein könne. Dieser gebe die Menschen trotz Kriegen, Hass und Konflikten nicht auf, daher dürften sie dies ebenfalls nicht tun - nicht in großen Krisen und nicht im privaten Alltag.

(kna - cs)

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25. Dezember 2025, 14:04