Dramatische Eskalation im Konflikt zwischen Russland und Ukraine
Giovanni Zavatta - Vatikanstadt
Odessa, die drittgrößte Stadt der Ukraine am Schwarzen Meer, ist in der Nacht erneut von Russland angegriffen worden. Drohnen und ballistische Raketen verletzten sechs Menschen und beschädigten Wohngebäude sowie die Strominfrastruktur. In einem Bezirk von Charkiw wurden zwei Menschen getötet und 13 weitere verletzt. Auch ein Friedhof wurde getroffen. Zugleich wächst der Druck der russischen Streitkräfte auf Slowjansk und Kramatorsk, zwei strategisch wichtige Städte in dem Teil der Region Donezk, der noch von der Ukraine kontrolliert wird.
Die Ukraine reagierte mit Angriffen auf Belgorod. Auch dort gab es Tote und Verletzte. Ziel war unter anderem ein Hauptquartier des gegnerischen Geheimdienstes. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine nimmt damit erneut dramatisch an Schärfe zu, während eine Friedensperspektive in weitere Ferne rückt. Unter den jüngsten Opfern sind ausschließlich Zivilisten, darunter vier Kinder, die bei einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in Pawlohrad verletzt wurden.
Präsident Selenskyj schlägt Alarm
„Wir brauchen mehr Druck, mehr Sanktionen gegen Russland und mehr Luftabwehr für die Ukraine“, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj. Mit Blick auf die jüngsten „brutalen“ Angriffe sagte er, Russland setze weiterhin auf „ballistischen Terror“, der sich nicht auf eine einzelne Stadt oder Gemeinde beschränke.
Allein in dieser Woche seien 61 Raketen verschiedener Typen gegen die Ukraine eingesetzt worden, außerdem mehr als 1.560 Angriffsdrohnen und 1.540 Fliegerbomben. Befürchtet wird eine weitere dramatische Eskalation und eine Ausweitung des Krieges.
Selenskyj sagte in einem Interview zudem, der russische Präsident Wladimir Putin plane möglicherweise eine „nicht erklärte Massenmobilisierung“. Außerdem werde die Militärallianz zwischen Moskau und Nordkorea immer enger. Man habe vor, 30.000 bis 50.000 Nordkoreaner auf russischem Territorium zu stationieren. Dies sei „eine Bedrohung für andere asiatische Länder, weil Nordkorea unter der Führung Russlands Erfahrungen im modernen Krieg sammeln wird“.
Bei einem Gipfeltreffen mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić in Belgrad warnte Selenskyj zudem vor den Folgen für den kommenden Winter in der Ukraine, insbesondere für den Fall, dass der Krieg weitergeht. Nach der zunehmenden Zahl russischer Drohnen- und Raketenangriffe seien auf ukrainischem Gebiet „praktisch keine Wärmekraftwerke mehr intakt“. Putin „will das Leben der Ukrainer unerträglich machen“, sagte Selenskyj abschließend.
Weitere Sanktionen gegen Moskau geplant
Während auf eine Wiederaufnahme diplomatischer Bemühungen gewartet wird, die zumindest eine Waffenruhe herbeiführen sollen, beschränkt sich die Reaktion derzeit einzig auf Sanktionen gegen Moskau.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte in einem Beitrag auf X die Verabschiedung des nach dem verstorbenen Senator Lindsey Graham benannten Gesetzentwurfs für schärfere Russland-Sanktionen durch den US-Senat. Das Gesetz ziele darauf ab, „Russlands Kriegsmaschinerie zu schwächen“.
„Von russischen Oligarchen über Energieexporte bis hin zur Schattenflotte – jede Einnahmequelle, die die Aggression des Kremls finanziert, muss von allen Seiten ins Visier genommen werden“, schrieb von der Leyen. Gemeinsam müsse man Russlands Möglichkeiten austrocknen, einen Krieg fortzusetzen, „den es nicht gewinnen kann“. Mit gezielten und aufeinander abgestimmten Sanktionen könnten Europa und die USA erneut zeigen, „was historische Partner erreichen können, wenn sie gemeinsam handeln“.
Türkei fordert Moratorium für Handelsschiffe im Schwarzen Meer
Bislang unbeantwortet ist dagegen der türkische Vorstoß für eine Waffenruhe im Schwarzen Meer. Ankara hatte Kiew und Moskau nach einer Reihe von Angriffen auf Handelsschiffe in der Region zu einer Feuerpause aufgefordert.
Der türkische Außenminister Hakan Fidan verlangte die „Einrichtung eines Mechanismus, der die Ausrufung eines Moratoriums ermöglicht“. Der Konflikt habe sich auf das gesamte Schwarze Meer ausgeweitet, sagte Fidan. „Zunächst wurden Häfen und Kriegsschiffe angegriffen. Jetzt werden alle Handelsschiffe unterschiedslos attackiert.“
Ankara hatte bereits von Drohnenangriffen auf zwei von türkischen Unternehmen betriebene Schiffe berichtet. Dabei waren mehrere Besatzungsmitglieder verletzt worden.
(vaticannews – skr)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..