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In Cali wurden die Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld der Amtseinführung des designierten Präsidenten de la Espriella verschärft. In Cali wurden die Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld der Amtseinführung des designierten Präsidenten de la Espriella verschärft.  (LUISA GONZALEZ)

Kolumbien: „Frieden lässt sich nicht mit einer Unterschrift kaufen“

Vergangene Woche hat der im Juni gewählte Präsident Abelardo de la Espriella sein Amt in Kolumbien übernommen. Seine Amtsübernahme fällt in eine Phase, in der sich die Sicherheitslage in den abgelegenen Regionen des Landes verschlechtert. Fast zehn Jahre nach dem Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) kommt es in Teilen des Landes erneut zu Gewalt.

Augustine Asta und Mario Galgano - Vatikanstadt

Das historische Abkommen zur Beendigung des 50-jährigen bewaffneten Konflikts war nach einer anfänglichen Ablehnung per Referendum am 24. November 2016 in Bogotá in einer überarbeiteten Fassung unterzeichnet worden. Der Konflikt hatte zuvor Hunderttausende Todesopfer gefordert und Millionen Menschen zur Flucht im eigenen Land gezwungen.

Zum Nachhören - was der Bischof sagt

Bis heute hält die Aufarbeitung der Verbrechen an. Am 5. August klagte das Sondergericht für den Frieden (JEP) 27 ehemalige FARC-Guerillaleiter wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sexueller Gewalt an. Bischof Héctor Fabio Henao, Beauftragter der Kolumbianischen Bischofskonferenz für die Beziehungen zwischen Kirche und Staat, bezeichnete diesen Schritt im Gespräch mit den Vatikanmedien als maßgeblich für die Würde der Opfer. Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung seien die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden:

„Die Bilanz fällt zwangsläufig gemischt aus. Einerseits hat das Abkommen von 2016 Tausende von Menschenleben gerettet, die Demobilisierung der größten bewaffneten Gruppen des Landes ermöglicht und beispiellose institutionelle Grundlagen für Wahrheit und Übergangsjustiz geschaffen. Andererseits haben die Verzögerungen bei der vollständigen Umsetzung der Reformen im ländlichen Raum und die zögerliche soziale Präsenz des Staates in den Randregionen ein dramatisches Vakuum hinterlassen, das rasch durch andere Gewaltfaktoren gefüllt wurde. Frieden lässt sich nicht mit einer Unterschrift erkaufen. Er ist ein anspruchsvoller Prozess, der kontinuierliche politische und gesellschaftliche Beharrlichkeit erfordert.“

„Frieden lässt sich nicht mit einer Unterschrift erkaufen.“

Strukturelle Faktoren

Als Ursachen für das erneute Aufflammen der Gewalt nennt der Bischof strukturelle Faktoren wie den Drogenhandel, den illegalen Bergbau und das Fehlen nachhaltiger wirtschaftlicher Alternativen für die ländliche Bevölkerung. Nach dem Abzug der FARC seien andere bewaffnete Splittergruppen, kriminelle Banden und Guerillagruppierungen in die Regionen nachgerückt, um die Kontrolle über legale wie illegale Märkte sowie strategische Territorien zu übernehmen. Dadurch gerate die Zivilbevölkerung erneut unter Druck. Die Auseinandersetzungen zwischen FARC-Dissidenten und der ELN-Guerilla seien im Wesentlichen auf Machtkämpfe um Territorien und Schmuggelrouten zurückzuführen:

„Was die Entscheidung des Sondergerichts für den Frieden betrifft, so ist dies ein entscheidender Schritt für die Würde der Opfer. Die Anerkennung der Wahrheit über Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sexuelle Gewalt ist eine unverzichtbare Voraussetzung für die moralische Heilung eines Landes. Für die kolumbianische Gesellschaft ist dies eine Mahnung daran, dass Frieden nicht auf Straffreiheit beruhen darf, sondern auf der zentralen Rolle der Opfer, der Anerkennung des erlittenen Leids und der absoluten Ablehnung einer Wiederholung der Schrecken, die wir in der Vergangenheit erlebt haben.“

Zusammenspiel von Justiz und Friedensprozess

Mit Blick auf das Zusammenspiel von Justiz und Friedensprozess unterstreicht Henao, dass echte Versöhnung nicht auf Straflosigkeit aufgebaut werden könne. Die Rechte der Opfer müssten den Kompass für politische Verhandlungen bilden. Um eine Rückkehr zum großflächigen Krieg zu verhindern, sieht der Bischof die Prioritäten im Schutz des menschlichen Lebens, der Einstellung von Übergriffen auf die Zivilbevölkerung und der umfassenden sozialen Präsenz des Staates in den Randgebieten.

Für den neuen Präsidenten Abelardo de la Espriella ergeben sich daraus zentrale Aufgaben. Neben der Sicherheit für gefährdete Gemeinschaften und soziale Anführer müsse der Staat durch Bildung, Gesundheit und Infrastruktur Präsenz zeigen. Zudem gelte es, die Klüfte zwischen den städtischen Zentren und den ländlichen Gebieten zu überbrücken.

Die katholische Kirche setzt ihre Arbeit in den betroffenen Gebieten fort. Neben der Seelsorge und humanitären Hilfe nimmt sie lokale Vermittlungsrollen wahr, um humanitäre Korridore zu ermöglichen. Vor dem Hintergrund der politischen Polarisation im Land fördert die Kirche weiterhin den Dialog und das Vertrauen in die Institutionen.

(vatican news)

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10. August 2026, 09:58