Friedhof in Frankreich (Agenturbild aus dem Jahr 2018) Friedhof in Frankreich (Agenturbild aus dem Jahr 2018)  (AFP or licensors)

Erzdiözese Chicago: US-weit erster Gedenk-Garten für Suizid-Tote

Ein katholischer Friedhof im Großraum Chicago hat in diesem Sommer einen Garten eingeweiht, in dem Menschen, die Angehörige durch Selbstmord verloren haben, in Gebeten ihrer gedenken können. Laut einem Hinweisschild der Erzdiözese Chicago am Gedenk-Garten ist sie die erste katholische Erzdiözese in den USA, die eine solche Gedenkstätte auf einem katholischen Friedhof errichtet hat.

Der Generalvikar der Erzdiözese, Weihbischof Lawrence J. Sullivan, leitet das Projekt gemeinsam mit dem pensionierten Pfarrer Charles Rubey, der seit 1979 ein Trauerbegleitungsprogramm für Hinterbliebene nach Selbstmorden bei „Catholic Charities“ leitet. Bischof Sullivan, ehemaliger Leiter der Friedhöfe der Erzdiözese, berichtet dem Portal OSV News, dass er und Pater Rubey vor etwa sechs Jahren erstmals über den Gedenkgarten mit dem Namen „At Peace“ gesprochen hätten, als ihnen „die Notwendigkeit, sich mit Fragen der psychischen Gesundheit auseinanderzusetzen“, besonders bewusst geworden sei. Nun wurde das Projekt Realität: Auf einem Gelände nahe dem Haupteingang des „Queen of Heaven“-Friedhofs im Chicagoer Vorort Hillside, 16 Meilen westlich der Innenstadt.

„Zeit mit dem Herrn verbringen“

„Dies ist ein Ort, an den Menschen kommen können, um einfach Zeit mit dem Herrn zu verbringen, im Gebet bei Gott zu sein, seine Liebe zu spüren und Gottes Frieden zu erfahren“, so Bischof Sullivan, als er die Skulpturen segnete und am 26. Juni die Einweihung leitete. „Wir müssen dieses Thema angehen und den Menschen klarmachen, dass die Kirche für sie da ist, wenn sie leiden“, erklärt der Bischof dem Portal OSV News

Bei den „Catholic Charities“ der Erzdiözese Chicago gründete Pater Rubey das Beratungsprogramm „Loving Outreach to Survivors of Suicide“ (LOSS). Nach Angaben der Erzdiözese nahmen etwa 80 Mitglieder des Programms an der Einweihung im Garten teil.

Du sollst nicht töten - über Selbstmord wird selten gesprochen 

Über Selbstmord wird selten gesprochen, und in den meisten Fällen wird er durch psychische Erkrankungen ausgelöst, sagt Pater Chris Alar von den Marianern, der als Provinzialoberer für die USA, Großbritannien und Argentinien zuständig ist. Er verfasste das Buch „After Suicide: Es gibt Hoffnung für sie und für dich“, das sich mit Gottes Barmherzigkeit gegenüber den Seelen befasst, die sich das Leben genommen haben, und mit den Hinterbliebenen. Pater Alar, den der Selbstmord seiner Großmutter dazu veranlasste, das Buch zu schreiben, erklärt, dass Katholiken lange Zeit allgemein glaubten, Selbstmord führe zur Verdammnis, da die Betroffenen keine Chance zur Reue hätten. Die Lehre der Kirche sei jedoch „ganz anders“. Er verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es in Absatz 2282 des Katechismus der Katholischen Kirche heißt: 

„Schwere psychische Störungen, Angst oder schwere Furcht vor einem Schicksalsschlag, vor Qual oder Folterung können die Verantwortlichkeit des Selbstmörders vermindern."

„Schwere psychische Störungen, Angst oder schwere Furcht vor einem Schicksalsschlag, vor Qual oder Folterung können die Verantwortlichkeit des Selbstmörders vermindern“

Auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen

Pater Alar berichtet: „Im Laufe der Jahre hat sich die Kirche einer subjektiveren Sichtweise zugewandt und ist viel seelsorgerischer geworden, denn subjektiv gesehen kann es mildernde Umstände wie psychische Erkrankungen oder einen Mangel an freiem Willen geben.“ Man vertraue auf Gottes Barmherzigkeit. 

„Wissen Sie, niemand kann wirklich den unvorstellbaren Schmerz nachvollziehen, der der Grund dafür ist, dass jemand so etwas tut, dass jemand sich das Leben nimmt. Deshalb kann auch niemand wirklich über einen Menschen urteilen, dessen Entscheidung wir nicht begreifen können“, fügte er hinzu.

Selbstmord darf nicht als Lösung gesehen werden

Pater Alar betont zugleich: „Wir beten insbesondere für diejenigen, die unter großen Lasten litten. Aber wir wollen niemals den Eindruck vermitteln, dass es in Ordnung ist, dass ein Ausweg aus den eigenen Problemen darin besteht, sich das Leben zu nehmen.“

„Wir beten insbesondere für diejenigen, die unter großen Lasten litten. Aber wir wollen niemals den Eindruck vermitteln, dass es in Ordnung ist, dass ein Ausweg aus den eigenen Problemen darin besteht, sich das Leben zu nehmen“

Er berichtet: „Meistens ist es eine Krankheit, die den Selbstmord ausgelöst hat. Es ist wirklich der letzte Akt von jemandem, der versucht, extremes Leid zu beenden. Sei es seelisches oder körperliches Leid. Aber noch einmal: Es ist nicht die Lösung.“

Suizidgedanken? Es gibt Hilfe

Für Menschen in der Krise und Angehörige gibt es Hilfsangebote. Beratung und Hilfsangebote bei Depressionen und Suzidgedanken sind vielfältig, teilweise auch anonym. Telefonisch, via Email, über Chat - aber auch persönliche Angebote existieren.

Österreich: Die österreichische Telefonseelsorge bietet telefonisch unter der Nummer 142, mittels Chat und Email ihre Hilfe an. Nähere Informationen unter telefonseelsorge.at. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums unter www.suizid-praevention.gv.at. Ebenso kann die Caritas Österreich Anlaufstelle für Betroffene Angehörige und Menschen in der Krise sein.

Deutschland: Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention verweist auf eine Reihe von Angeboten auf ihrer Website.  Speziell für junge Menschen mit Suizidgedanken gibt es das Angebot von www.u25-deutschland.de. Auch die Caritas Deutschland bietet ihre Hilfe an. Die Nummergegenkummer.de verfügt über eine eigene Anlaufstelle für Eltern und für Kinder und Jugendliche.

Schweiz: 143 ist die Notrufnummer für jene in der Krise. Auch per Email und Chat sind Experten zu erreichen. Projuventute bietet genau wie die Caritas Schweiz ihre Hilfe an.

(ovs news/vatican news - sst) 

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10. August 2026, 13:04