Protest gegen Kernkraftwerke Protest gegen Kernkraftwerke 

Südkorea: Katholiken protestieren gegen neue Kernkraftwerke

Mit Gottesdiensten und Straßenprotesten haben katholische Gläubige und Umweltgruppen in Südkorea gegen die Regierungspläne zum Bau weiterer Kernkraftwerke demonstriert. Die Mobilisierung wurde von kirchlichen Umweltorganisationen getragen, darunter die diözesanen Ökologiekommissionen, die Katholische Klimaaktion sowie die Katholische Allianz für den Erhalt der Schöpfung.

Am 27. Juni feierten mehrere hundert Teilnehmer eine Straßenmesse in Bosingak im Seouler Stadtteil Jongno-gu. Der Gottesdienst wurde von vier Priestern geleitet, darunter dem Sekretär des bischöflichen Ausschusses für Ökologie und Umwelt, Stephen Yang Ki-seok. In seiner Predigt kritisierte Yang das Festhalten der Regierung an der Atompolitik trotz bekannter Risiken. Er rief die Anwesenden dazu auf, sich als „ökologische Apostel“ für den Wandel hin zu einer kernkraftfreien Gesellschaft einzusetzen. Im Anschluss an die Messe folgte ein Demonstrationszug durch die Straßen der Hauptstadt.

Erinnerung an Fukushima und Tschernobyl

Teilnehmer des Protests begründeten ihr Engagement auch mit den historischen Erfahrungen von Nuklearunfällen. Die Seouler Katholikin Kim Kyung-mi, die die Demonstration mit ihrer Familie besuchte, verwies auf das Reaktorunglück im japanischen Fukushima im Jahr 2011, das laut den Vereinten Nationen als die schwerste Nuklearkatastrophe seit Tschernobyl im Jahr 1986 eingestuft wird.

Bereits am 22. Juni veranstaltete der Seelsorgerat der Diözese Andong eine „Messe für Leben und Frieden für eine atomwaffen- und kernkraftfreie Welt“ in der Kathedrale von Yeongdeok. Der Vorsitzende des dortigen Ausschusses für Ökologie und Umwelt, Peter Kim Si-yeong, leitete den Gottesdienst. Im Rahmen der Veranstaltung veröffentlichte der Rat eine Erklärung, in der die Energiepolitik der Regierung von Präsident Lee Jae-myung kritisiert wurde. Die Teilnehmer übergaben dem Landrat von Yeongdeok ein Schreiben, das die Rücknahme der Pläne für neue Großkraftwerke und kleine modulare Reaktoren fordert.

Hintergrund der Regierungspläne

Die kirchlichen Proteste folgten auf die Bekanntgabe des staatlichen Energieunternehmens Korea Hydro & Nuclear Power (KHNP), die Landkreise Yeongdeok-gun in der Provinz Nord-Gyeongsang und Gijang-gun in Busan als Standorte für neue Atomanlagen ausgewählt zu haben. Kritiker bemängeln das Verfahren zur Standortbestimmung. Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) betreibt Südkorea derzeit 26 aktive Kernkraftwerke, zwei weitere befinden sich im Bau.

(ucan - mg)

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04. Juli 2026, 10:51