Bischof George Cosmas Zumaire Lungu von Chipata, Sambia, Ende Juni, im Garten seines Bischofshauses Bischof George Cosmas Zumaire Lungu von Chipata, Sambia, Ende Juni, im Garten seines Bischofshauses

Sambia: „Den einfachen Leuten zuhören“

Auf die Nöte der Menschen hören, vor allem der Ärmsten: das wünscht sich der Bischof von Chipata von politischen Verantwortlichen in Sambia im Vorfeld der Wahlen am 13. August. Radio Vatikan traf George Cosmas Zumaire Lungu in Chipata.


Anne Preckel – Chipata

Chipata liegt in der sambischen Ostprovinz und unweit der Grenze zu Malawi. Wenn man von der quirligen Handelsmetropole ins Landesinnere Sambias fährt, säumen karge Felder die Straßen. In der von Landwirtschaft geprägten Region, die grüner ist als der trockenere Südwesten, sind Tabak, Baumwolle, Erdnüsse und Mais wichtige Anbauprodukte. 

„Die ländlichen Regionen werden in unserem Land oft vergessen, wenn es um Entwicklungsfragen geht", berichtet der Bischof von Chipata gegenüber Vatican News. Obwohl die Politik in diesen Tagen, wo ja bald gewählt werde, schon öfter mal aufs Land rausfahre. „Die meisten Menschen dort sind arm. Sie sind Kleinbauern, die für ihren Lebensunterhalt auf Land und Ernte angewiesen sind. Ihnen fehlen aber meist die Mittel wie zum Beispiel Dünger.“

„Die ländlichen Regionen werden in Sambia oft vergessen, wenn es um Entwicklungsfragen geht.“

Schwierige Bedingungen  

Rund 60 Prozent der Menschen gelten in Sambia als extrem arm, auf dem Land sind es sogar mehr. Für die Kleinbauern hängt das Überleben von ihrem Vieh ab - Hühnern, Ziegen oder seltener Schweinen und Kühen - und vom Anbauen, Ernten und Verkaufen. Unsicherheit und Infrastruktur-Probleme, Trockenheit und Klimawandel erschweren das Leben, berichtet Bischof George Cosmas Zumaire Lungu.

„Wenn man seine Waren vermarkten will, braucht man auch gute Straßen. Und wie steht es um die Umwelt? Manchmal haben wir ein sehr gutes Klima, manchmal ist das Wetter einfach nur katastrophal. Es ist also sehr unvorhersehbar, und es gibt auch Notlagen, die Ressourcen vernichten, auf die die Menschen angewiesen sind.“

„Wenn man seine Waren vermarkten will, braucht man auch gute Straßen. Und wie steht es um die Umwelt?“

Nicht wenige Menschen auf dem Land leben ohne Strom und fließend Wasser und kommen gerade so über die Runden, man lebt von der Hand in den Mund. Ein Schulbesuch und höhere Bildung sind kaum flächendeckend möglich, die Gesundheitsversorgung und Mobilität sind schlecht. Viele Menschen transportieren Waren zu Fuß oder setzen sich zu dritt oder viert auf klapprige Motorräder, die über staubige Straßen rumpeln.

Mit ein bisschen Dünger ist es nicht getan

Mit Blick auf die prekäre Lage der Landwirtschaft berichtet Bischof George, dass Sambias Regierung versucht habe, einige der Probleme in diesem Bereich anzugehen. „Aber wahrscheinlich müssen wir noch mehr tun“, merkt er an, und meint, dass umfassendere Lösungen möglich wären.

„Wenn kein Markt vorhanden ist, ist das ein Problem.“

Wenn Bauern zum Beispiel nur kleine Mengen Dünger bekämen, sei das ein bisschen wie Tropfen auf heiße Steine: „Denn es geht ja auch um Vermarktung. Ein Landwirt kann hart auf dem Feld arbeiten und vielleicht genug produzieren, aber wie geht es dann weiter? Wenn kein Markt vorhanden ist, ist das ein Problem.“ Ähnlich schwierig sei es, wenn Preise festgelegt würden, die „für die Bauern nicht vorteilhaft“ seien. Sie bekämen dann kaum alle Kosten wieder herein. Immerhin fördert die Regierung in letzter Zeit teils eine Diversifizierung in der Landwirtschaft und auch klimaresistentere Pflanzen.

Große Schätze, wenig Gerechtigkeit  

Neben Landwirtschaft ist der Bergbau ein tragender Sektor der sambischen Wirtschaft. Im „Copperbelt“, der sich über Zentralsambia und den Südosten der Demokratischen Republik Kongo erstreckt, werden Kupfer, Cobalt und weitere Metalle gewonnen. Zuletzt wurden neue Vorkommen des begehrten Lithiums und sogar von Uran entdeckt. Die Erträge aus der bedeutenden Bergbauregion kommen allerdings kaum den sambischen Bürgern zugute.

„Wenn man keine Kontrolle hat, verschwendet man nur Zeit. Die Menschen wollen spüren, dass wir so reich mit natürlichen Ressourcen gesegnet sind.“

Bischof Goerge fragt dazu: „Verfügen wir über politische Maßnahmen, die uns helfen können, diese Ressourcen zum Wohle unseres Volkes zu nutzen? Im Namen der Investitionen gilt es Freiraum zu gewähren, aber wenn man keine Kontrolle hat, verschwendet man nur Zeit. Die Menschen wollen spüren, dass wir so reich mit natürlichen Ressourcen gesegnet sind. Wenn es strenge Vorgaben gäbe, die eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen garantierten, würde sich die Lage ändern.“

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Ein mahnender Hirtenbrief

Entscheidend sei, wie die Ressourcen genutzt und Erträge daraus eingesetzt würden, so der sambische Bischof, denn heute sehe man, „dass einige reich werden, während andere immer ärmer werden“. Sambias Bischöfe kritisieren mit Blick auf den Bergbau nicht nur Korruption, sondern auch Ausbeutung und Umweltschäden. In einem Hirtenbrief zum Weltgebetstag für die Schöpfung (1. September 2025) forderten sie schärfere Kontrollen ausländischer Unternehmen im sambischen Bergbau. „Menschenwürde und Gemeinwohl“ müssten in den Mittelpunkt der nationalen Entwicklung gestellt werden, mahnten die Kirchenvertreter.

„Das bedeutet, dass jemand seine Arbeit nicht richtig gemacht hat.“

Zu den toten Fischen, giftigen Flüssen und den anderen Missständen im „Copperbelt“ sagt Bischof George: „Das bedeutet, dass jemand seine Arbeit nicht richtig gemacht hat. Manchmal gibt es keine strenge Kontrolle der Bergbau-Unternehmen, und manchmal erfüllen die eigentlich Zuständigen ihre Aufgaben nicht, weil sie korrupt sind. Sie geben einen positiven Bericht ab, wonach alles in Ordnung sei, aber in Wirklichkeit entspricht das nicht der Wahrheit.“

Einem einfachen Sambier zuhören

Sambias Kirche spreche diese Missstände an, um Bewusstsein dafür zu fördern, so der Bischof, der im Interview mit Vatican News eine Hoffnung für die „general elections“, die Parlamentswahlen am 13. August, formuliert. Dabei sollen der Präsident, Mitglieder der Nationalversammlung und der Lokalverwaltungen gewählt werden. Von der neuen Landesführung erhofft sich Bischof George vor allem eines: dass sie nahe bei den Ärmsten ist und deren alltäglichen Problemen.

„Ganz gleich, welche Regierung eingesetzt wird: Ich erwarte eine Führung, die im Dienst der Bedürfnisse unseres Volkes steht. Menschen, die bescheiden genug sind, einem einfachen Sambier zuzuhören.“

„Ganz gleich, welche Regierung eingesetzt wird: Ich erwarte eine Führung, die im Dienst der Bedürfnisse unseres Volkes steht, die den Menschen zuhört und auf ihre Nöte eingeht. Das ist es, was unseren Gemeinschaften fehlt und was uns helfen kann. Menschen, die bescheiden genug sind, einem einfachen Sambier und seinen Problemen zuzuhören. Wir wollen keine egoistische, sondern eine selbstlose Führung, die dient.“

Radio Vatikan traf den Bischof Ende Juni bei einer Reportagereise durch das Land.

(vatican news – pr)

 

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09. Juli 2026, 08:42