Südamerika: Kirche stärkt netzwerkbasierte Hilfe bei Suchterkrankung
Sebastián Sansón Ferrari und Mario Galgano - Vatikanstadt
Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Herausforderungen wie der Ausbreitung des Drogenhandels und der Stigmatisierung Betroffener wird ein übergreifender Ansatz verfolgt, der neben therapeutischen Modellen auf die Wiederherstellung sozialer und familiärer Bindungen setzt.
Im Zentrum der aktuellen Entwicklungen steht die Veröffentlichung des „Lateinamerikanischen Handbuchs der Suchtseelsorge“. Das 545 Seiten umfassende Dokument entstand unter Einbindung von mehr als 300 Beteiligten aus 18 Ländern der Region. Carlos Olivero, Koordinator der Red Eclesial de Comunidades Organizadas (RECOR) des CELAM, erklärt zur Entstehung des Leitfadens:
„Die Red selbst ist ein Ergebnis dieses gemeinsamen Prozesses. Das gibt uns eine viel stärkere Zugehörigkeit, Identität und Beteiligung.“
Das Werk verbindet spirituelle, wissenschaftliche, psychologische und soziologische Ansätze. Olivero betont hierbei: „Die Kirche hat einen Ort und das Evangelium hat ein Angebot in diesem Thema, und das ist wichtig aufzuzeigen.“
Zur praktischen Umsetzung plant CELAM die Einrichtung einer virtuellen Akademie mit rund dreißig Kursen für Pfarreien, Schulen und Seelsorgende, wobei die Inhalte alle vier Monate durch neue Praxiserfahrungen ergänzt werden sollen. Ergänzend schloss CELAM eine Kooperationsvereinbarung mit dem Generalsekretariat der Organisation Amerikanischer Staaten (SG/OEA) ab.
Unterschiedliche methodische Schwerpunkte
In den einzelnen Ländern zeigen sich unterschiedliche methodische Schwerpunkte. In Costa Rica liegt der Fokus auf der Schadensminimierung und der gesellschaftlichen Eingliederung. David Solano, Koordinator der Sozialseelsorge im Erzbistum San José, führt aus:
„Ich ziehe es vor, von Reintegration und nicht von Wiedereingliederung zu sprechen. Menschen mit Substanzkonsum haben sich nie vollständig von der Gesellschaft getrennt, auch wenn die Gesamtheit der Gesellschaft sie ausschließt und marginalisiert.“
Mehrere Pfarreien stellen Grundversorgung wie Nahrung und Hygiene bereit und arbeiten mit Facheinrichtungen wie dem Haus San José Sabana zusammen.
Chile und Brasilien
In Chile steht die Prävention im Vordergrund. Über Netzwerke wie die Bewegung „Nadie menos por la droga“ werden Anlaufstellen und Zuhörzentren in Pfarreien eingerichtet. Benjamín Ossandón, Koordinator der Seelsorge für Alkohol und Drogen, erläutert die Arbeitsweise: „Wir wollen an die Straßenkreuzungen gehen und nicht warten, bis die Jugendlichen zu uns kommen, sondern wir wollen früher da sein.“
In Brasilien blickt die „Pastoral de la Sobriedad“ auf eine längere Tradition zurück. Denise Ferreira, landesweite Koordinatorin der Initiative im Bundesstaat Rio de Janeiro, beschreibt das Ziel der Arbeit: „Unsere Arbeit in der Pfarrei besteht darin, die Würde dieser Person und die Würde dieser Familie wiederherzustellen.“ Die Methode nutzt eine an die katholische Tradition angepasste Zwölf-Schritte-Struktur und schließt die Begleitung von Angehörigen ein.
Die grenzüberschreitenden Ansätze teilen ein gemeinsames Seelsorgeprinzip, das Ossandón mit den Worten zusammenfasst: „Das Leben so annehmen, wie es kommt, und es von Mensch zu Mensch begleiten.“
(vatican news)
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