Festzug zu Ehren der Heiligen Rosalia (Archivfoto) Festzug zu Ehren der Heiligen Rosalia (Archivfoto)  (ANSA)

Erzbischof von Palermo bezeichnet Mafia als Pest

Erzbischof Corrado Lorefice von Palermo veranschaulichte Palermos Missstände als Pest, die nach Palermo zurückgekehrt sei. Die „Pest“ von heute nimmt für ihr die Gestalt der Rückkehr der Schutzgelderpressung, des Wiederauflebens der Mafia, der weit verbreiteten Gewalt, der Arbeitslosigkeit und der Not unter Jugendlichen an, sagte Lorefice bei . Zudem betonte er, die Feier sei eine Gelegenheit das Leben der Stadt zu überprüfen und keine „oberflächliche Feier oder ein folklorischer Anlass“.

Anlass der Rede war die traditionelle „Ansprache an die Stadt“ am 402. Festtag zu Ehren der Heiligen Rosalia. Die Feier sei nicht einfach Folklore, sondern eine Gelegenheit, das Leben der Stadt zu überprüfen, so der Erzbischof. keine „oberflächliche Feier oder ein folklorischer Anlass“.

Die Mafia, Schutzgelderpressung und Gewalt sind nach Lorefice tödliche Wunden für das Sozialgefüge der Stadt. Er nannte die organisierte Kriminalität „hysterisch und jugendhaft“ sowie „dumm und kleinlich“. Den Ordnungskräften und Carabinieri dankte der Erzbischof für die jüngsten Ermittlungsmaßnahmen, warnte aber zugleich davor, sich lediglich auf die Strafverfolgung zu beschränken. Die Wurzeln der Krise liegen nach ihm unter anderem in der Arbeitslosigkeit, in den Abhängigkeiten, die den Mafiainteressen dienen aber auch in dem Misstrauen der zahlreichen jungen Menschen, die Sizilien verlassen oder sich in Alkohol und Drogen flüchten.

 „Lasst uns unsere Liebe zu Palermo unter Beweis stellen"

„Alte Wunden Palermos brechen zusammen mit neuen wieder auf. Sie sind für alle sichtbar. Und jeder, der Verantwortung trägt – ich an erster Stelle -, darf nicht wegschauen“, wies der Prälat auf die kollektive Verantwortung hin. In diesem Zusammenhang kritisiert er eine Politik, die vereinzelt durch mafiöse Verbindungen gekennzeichnet ist und „sich schwer tut, wichtige Entscheidungen zu treffen“.

Selbstkritisch räumt der Erzbischof ein, dass die Kirche selbst nicht immer das Evangelium mit voller Kraft bezeugt habe: „Wir haben Palermo nicht geliebt, wenn wir es nicht sogar verraten haben“.  Zum Schluss seiner Rede richtete Lorefice einen Appell an die Bürger und Institutionen: „Lasst uns unsere Liebe zu Palermo unter Beweis stellen. Lasst uns entschlossen handeln und noch heute damit beginnen, die Dinge zu ändern. Morgen wird es zu spät sein.“

Das Fest erinnert an die der Heiligen Rosalia zugeschriebenen Befreiung der Stadt Palermo von der Pestepidemie im Jahr 1624. Höhepunkt der Feierlichkeiten stellt die prunkvolle Prozession dar, in der ein Wagen mit der Statue der Schutzheiligen durch den historischen Stadtkern Palermos gezogen wird.

(sir – sc)

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16. Juli 2026, 11:12