Gaza: Tausend Tage Krieg
Die Offensive war eine Reaktion auf den Angriff der Hamas auf den Süden Israels am 7. Oktober 2023. Israel antwortete mit Bombardements, die auch Vatikanvertreter – etwa unlängst Kurienkardinal Víctor Manuel Fernández – als „enorm unverhältnismäßig“ einstuften.
Tausend Tage nach Beginn der Bombardements auf den Gazastreifen befindet sich die Bevölkerung in einer schweren humanitären Krise. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und Trinkwasser droht dabei unter das für ein Überleben notwendiges Minimum zu sinken, wie zahlreiche internationale Nichtregierungsorganisationen warnen. Der Regionaldirektor von „Save the Children“, Ahmad Ahendawi, formuliert es so: „Jeden Tag in den letzten tausend Tagen hat die Welt einer Million Kindern in Gaza den Rücken zugekehrt, indem sie nichts unternommen hat, um das Töten und die Verstümmelungen zu stoppen.“
„Es reicht!“, sagt Pfarrer Romanelli
Zwar hat es im Oktober 2025 auf amerikanischen Druck hin einen Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel gegeben. „Aber der Krieg geht weiter und raubt den Menschen weiterhin ihr Leben und ihre Hoffnungen.“ Das sagt uns Pater Gabriel Romanelli. Der Argentinier ist Pfarrer der einzigen katholischen Pfarrei in Gaza.
„Die Tausenden von getöteten, verwaisten oder verletzten Jungen und Mädchen sind eine atemberaubende Realität, die die Herzen und Gefühle bewegt – und nicht nur das: Es sind Zahlen, die den Willen der Welt wecken sollten, um zu sagen: Es reicht! Jetzt müsste dringend ein echter Weg hin zu einem gerechten Frieden und zur Achtung jedes Menschen eingeschlagen werden, unabhängig davon, ob einer Jude oder Muslim, Christ oder Atheist ist, Palästinenser oder Israeli oder staatenlos – er ist ein Mensch. Und deshalb ist der Schmerz enorm.“
Der größte Teil des Gaza-Streifens ist ohne Trinkwasser
In Gaza, so fährt der Pfarrer fort, gibt es keine einzige Familie, in der nicht um den Tod eines Angehörigen getrauert wird. „Was die christliche Gemeinschaft betrifft, so handelt es sich zahlenmäßig um eine kleine Gruppe: Zu Beginn des Krieges gab es insgesamt 1.017 Christen, darunter Katholiken und Orthodoxe. Während des Krieges starben 60 von ihnen, 23 davon wurden entweder durch Bombenangriffe oder von israelischen Scharfschützen getötet, die anderen starben aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung. Diese 60 Personen entsprechen etwa 6 % der christlichen Gemeinschaft, bestehend aus Katholiken und Orthodoxen.“
Der größte Teil des Gaza-Streifens ist mittlerweile ohne Trinkwasser. Viele NGOs versuchen sich an der Versorgung, doch einen Kanister bekommt man erst, nachdem man zwei bis drei Stunden in der Schlange gestanden hat – vorausgesetzt, das Wasser ist überhaupt noch trinkbar, so Romanelli. Die Situation werde durch den Mangel an Treibstoff, Ersatzteilen und Generatoren verschärft. Alle möglichen Anlagen, etwa zur Wasserversorgung, könnten derzeit nicht betrieben werden.
„Das Stromnetz existiert seit Kriegsbeginn fast nicht mehr“, erklärt Romanelli, „und die wenige Energie, die produziert wird, ist extrem teuer. Außerdem ist für die meisten Menschen mittlerweile das einzige Dach, das ihnen noch geblieben ist – wenn man es so nennen kann –, das der Zelte, die unter der Sonne zur Hölle werden. Wer im Zelt lebt, lebt im Nichts; der Boden ist sandig und mit Abwasser durchtränkt.“ Für einige Bürger bieten immerhin die wenigen noch stehenden, wenn auch baufälligen Gebäude Schutz.
„2.300.000 Menschen leben ohne alles, ihrem Schicksal überlassen. In Zelten, ohne Wasser, ohne Strom, mit einer Rattenplage und Epidemien von Haut- und Magen-Darm-Erkrankungen. All das macht das Leben wirklich hart, vor allem weil tausend Tage nach Kriegsbeginn niemand darüber spricht, wie er enden wird und ob es wirklich ein Zeichen der Hoffnung für diese gesamte Bevölkerung geben wird.“
Doch der Pfarrer klammert sich an jeden Strohhalm Hoffnung, dessen er habhaft werden kann. „Wir beten in Gaza weiterhin für den Frieden und setzen uns dafür ein, die Verantwortlichen dieser Welt davon zu überzeugen, dass sie diesen Krieg nicht vergessen dürfen. Frieden ist möglich – zwar schwierig, aber möglich! Wir dürfen nicht aufgeben, sondern müssen weiter die Botschaft des Friedens und der Gerechtigkeit verbreiten“.
Mit Pfarrer Romanelli sprach Francesca Sabatinelli vom italienischen Dienst von Radio Vatikan.
(vatican news – sk)
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